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100 Jahre Verdun: Merkel und Hollande gedenken dem „Großen Sterben“

Schrecken auf beiden Seiten

Merkel und Hollande werden am Sonntag gemeinsam an die Schlacht von Verdun erinnern. Vor 100 Jahren sind hier Hunderttausende gestorben.

25.05.2016

Von PETER HEUSCH

Rund 800000 Menschen sind bei der Schlacht um Verdun getötet oder verletzt worden. Foto: Harald Wenzel-Orf

Paris. In Frankreich, wo sich die Schrecken des Ersten ungleich tiefer eingeprägt haben als die des Zweiten Weltkrieges, gilt die Schlacht um Verdun als Symbol für den Wahnsinn des Krieges. 300 Tage dauerte das „Große Sterben“ in diesem mörderischen Stellungskrieg, der 800?000 Tote und Verwundete forderte und an dessen Ende die deutschen Angreifer den Franzosen keinen einzigen Quadratzentimeter lothringischen Bodens abgerungen hatten. Hier wollen sich Angela Merkel und François Hollande am Sonntag treffen, um dem 100. Geburtstag der „Schlacht aller Schlachten“ zu gedenken.

Die Bundeskanzlerin und der französische Präsident beabsichtigen, ein „neues Zeichen der Aussöhnung“ zu setzen. Entgegen des ebenso spontanen wie historischen Händedrucks jedoch, den ihre Vorgänger Helmut Kohl und François Mitterrand an gleicher Stelle tauschten, haben sich beide Politiker diesmal im Vorfeld abgestimmt. Nicht eine einzige, sondern eine dichte Abfolge von Gedenkzeremonien sieht das offizielle Programm vor.

Es beginnt mit einer gemeinsamen Kranzniederlegung auf dem deutschen Soldatenfriedhof Consenvoye, bevor Kanzlerin und Präsident das Rathaus der Stadt Verdun besuchen und kurz darauf einen weiteren Kranz am Denkmal für die im Ersten Weltkrieg getöteten Kinder der Stadt niederlegen. Im Beisein des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), des Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, sowie des Präsidenten des Europäischen Rats, Donald Tusk, schreiten Merkel und Hollande dann am Nachmittag zur feierlichen Einweihung des von Grund auf renovierten „Memorials“ von Verdun.

Völlig umgestaltet wurde vor allem die Dauerausstellung des Museums, welches vorher ein Ort rein französischer Erinnerung war und nun den Besuchern auch den deutschen Blick auf das Grauen dieses Schlachtfelds präsentiert. Deutsche Postkarten, deutsche Stahlhelme, deutsche Gewehre: Erinnerungsstücke von Angehörigen sowie Exponate des militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden und des wehrgeschichtlichen Museums in Rastatt ergänzen fortan die französische Sichtweise.

„Das ist eine kleine Revolution“, meint die Kuratorin Edith Desrousseaux de Medrano, „aber Deutsche und Franzosen haben in ihren mancherorts nur wenige Meter voneinander entfernten Schützengräben dieselben Schrecken durchlitten.“ Dass eine gemeinsame Erinnerung möglich ist, hatten Mitterrand und Kohl bereits 1984 vor dem Beinhaus von Douaumont gezeigt. „Wir haben uns versöhnt. Wir haben uns verständigt. Wir sind Freunde geworden“, steht dort als deutsch-französisches Vermächtnis der beiden Staatsmänner. Merkel und Hollande werden ihrerseits eine Gedenktafel vor dem Denkmal enthüllen. Deren Botschaft: „Deutsche wie Franzosen wünschen sich, dass ihr Opfer nicht in Vergessenheit gerät. Lieber Besucher, verstehe. Und erinnere Dich dieser gemeinsamen Geschichte.“

Natürlich werden auch Merkel und Hollande das Beinhaus von Douaumont besuchen, wo die Knochenreste von 130?000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten liegen. Sofern von den Angehörigen gewünscht, sind die Namen von bei Verdun gefallenen Soldaten als Inschrift in dem langgezogenen Sandsteinbau festgehalten. Aber fast ein Jahrhundert lang wehrten sich französische Veteranenverbände vehement dagegen, dass eine solche Ehrung auch den damaligen Gegnern gewährt wurde. Erst 2014 durfte mit Peter Freundl der erste deutsche Name eingraviert werden.

Hier, wo sich Kohl und Mitterrand minutenlang schweigend an der Hand hielten, wollen Merkel und Hollande beide eine kurze Ansprache halten. Danach übergeben sie das Zepter an Volker Schlöndorff. Der deutsche Regisseur richtet auf Bitten des Élysée-Palasts als Abschlusszeremonie eine große Choreographie aus, an der 3400 Jugendliche aus beiden Ländern teilnehmen. Einzelheiten bleiben Schlöndorffs Geheimnis. Nur dass er dem Frieden zwischen Deutschland und Frankreich ebenso gewidmet sei wie der Erinnerung an die fürchterliche Schlacht, die die jungen Menschen mit in die Zukunft tragen sollen, verriet der Regisseur.

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Erstellt:
25. Mai 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Mai 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2016, 06:00 Uhr

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