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Utz Claassen

Schrauben, die sich im Körper auflösen sollen

Der ehemalige ENBW-Chef reist für die Produkte seiner Medizintechnik-Firma um die Welt.

18.06.2019

Von DPA

Im Büro seiner Medizintechnikfirma Syntellix: Ex-ENBW-Chef Utz Claassen. Foto: Christophe Gateau/dpa

Hannover. Sein Einfluss ist deutlich geringer, sein Radius größer: Zwölf Jahre nach dem Abschied von der Spitze von ENBW jettet Utz Claassen beruflich durch die Welt. „Mein Lebensmittelpunkt ist im Moment das Flugzeug.“ Der 56-jährige ehemalige Sanierer hat eine neue Mission. Er will einer kleinen Schraube zum weltweiten Erfolg verhelfen.

Die Schraube soll nach Knochenbrüchen im Körper eingesetzt werden. Damit Knochen zusammenwachsen, werden sie nach Brüchen häufig mit Schrauben, Nägeln oder Platten fixiert. Implantate aus Edelstahl oder Titan müssen oft bei einer zweiten Operation entfernt werden.

Mit dem neuen Werkstoff seiner Medizintechnikfirma Syntellix soll das nicht mehr nötig sein, sagt Claassen. Syntellix mit Sitz in seiner Heimatstadt Hannover ist ein vor elf Jahren gegründetes Start-up. Seine Schrauben lösen sich nach Angaben der Firma auf und werden vollständig durch körpereigenes Gewebe ersetzt.

Nach Angaben von Claassen sind die Implantate in 27 deutschen Unikliniken im Einsatz oder vorgesehen. Für 56 Länder gebe es eine Zulassung. Noch ist die 60-Mann-Firma nicht profitabel. 2017 machte sie 1,8 Mio. EUR Umsatz und 3,8 Mio. EUR Verlust.

Doch der Überflieger aus Hannover – Abitur mit 17 und Traumnote 0,7 – steckt das weg. Bevor er im Mai 2003 im Alter von 39 Jahren ENBW-Chef wurde, hatte er Wirtschaftswissenschaften studiert, Erfahrung bei McKinsey gesammelt und bei Seat und Sartorius kräftig aufgeräumt.

Bis Ende September 2007 baute er ENBW radikal um: Er strich rasch rund 2100 Jobs, verpasste den Beschäftigten im Kernbereich Energie eine 4,5-Tage-Woche ohne Lohnausgleich und verkaufte Verlustbringer und Beteiligungen. Innerhalb weniger Jahre brachte er den Energieversorger aus den roten Zahlen in die Gewinnzone, bevor er im Streit um Verhalten und Verdienst ging.

Claassen ist noch „Senior Advisor“ beim US-Finanzinvestor Cerberus in Nordamerika und Honorarprofessor an der Universität Hannover. Die meiste Zeit widmet er aber Syntellix. An die 70 Chirurgen hat er persönlich besucht. Claassen: „Niveauvolles Klinkenputzen.“ dpa

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Erstellt:
18. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2019, 06:00 Uhr

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