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Datschen droht das Aus

Schonfrist für viele Pachtverträge endet 25 Jahre nach dem Ende der DDR

Sie waren der Rückzugsort schlechthin für DDR-Bürger - noch heute gibt es in Ostdeutschland rund 500 000 Datschen. Nun droht vielen Grundstücken das Ende der Schonfrist für die Pachtverträge.

01.10.2015
  • PETER GÄRTNER

Berlin In der DDR konnte man mit dem Begriff "Immobilie" wenig anfangen. Was hingegen eine Datsche (auch Datscha) ist, das wusste jedes Kind. Einst gab es schätzungsweise über drei Millionen Gartengrundstücke in Ostdeutschland, zumeist mit einem kleinen Leichtbau-Fertighaus oder einem schuppenartigen Gebäude bebaut.

In der Regel bekamen die Leute ein Grundstück zugewiesen, für das es langjährige Pachtverträge gab. Wer für das Areal im Grundbuch eingetragen war, spielte bis vor 25 Jahren keine Rolle. Das änderte sich erst mit dem Ende der DDR. Seitdem sind diejenigen, die auf fremden Grund gebaut haben, auf den Eigentümer angewiesen, genossen aber bislang Kündigungsschutz. Am 3. Oktober endet die Schonfrist für Pachtverträge, die nach DDR-Recht geschlossen wurden.

Mehrfach ist diese Ausnahmeregelung zum Übergang von Ost- in Westrecht verlängert worden, doch nach einem Vierteljahrhundert lehnte der Bundestag im Frühjahr mehrheitlich die brandenburgische Bundesratsinitiative zur nochmaligen Verlängerung der Kündigungsfrist um weitere drei Jahre ab. So ist die Zukunft von Zehntausenden Datschengrundstücken unklar.

Für ganz Ostdeutschland wird davon ausgegangen, dass es noch rund eine halbe Million Datschen gibt. Die Datscha ist eines der wenigen russischen Worte, die im alltäglichen Sprachgebrauch Platz gefunden haben. Allein im Land Brandenburg befinden sich schätzungsweise noch 100 000 Garten- und Feriengrundstücke.

Die meisten Pächter und Eigentümer haben in den letzten 25 Jahren längst eine Einigung erzielt und neue Verträge ausgehandelt; bei gut zehn Prozent der Datschengrundstücke, schätzt die rot-dunkelrote Landesregierung, könnte es demnächst zu Kündigungen kommen.

Vor allem die attraktiven Wochenendgrundstücke an den Seen im Nordosten und nahe der mecklenburg-vorpommerschen Küste gelten als gefährdet. Zwar gehört der Boden oft den Kommunen. Doch die sind verpflichtet, im Interesse aller Bürger gewinnbringend zu wirtschaften. Wenn ein Investor auf einem Datschen-Areal künftig also Häuser bauen will, kann das die Kommune nicht mehr mit dem Hinweis ablehnen, dass sich dort Wochenendhäuschen befinden.

Allerdings ist es heute in vielen Gegenden Ostdeutschlands kein Problem mehr, einen Schrebergarten zu pachten. Denn die einst heiß begehrten Datschen haben mit dem Ende der DDR auch einen großen Teil ihrer Bedeutung verloren.

Sie waren als privater Rückzugsraum vor dem ständig auf die Finger schauenden SED-Staat und von beengten Wohnverhältnissen in den Plattenbausiedlungen geschätzt gewesen. Und auf den relativ großzügig bemessenen Grundstücken konnten mit dem Anbau von Obst und Gemüse die häufigen Versorgungsmängel halbwegs ausgeglichen werden.

Schonfrist für viele Pachtverträge endet 25 Jahre nach dem Ende der DDR
Eine typische Datscha oder Datsche: Von den einst über drei Millionen Gartengrundstücken in Ostdeutschland sind rund eine halbe Million geblieben. Doch nun drohen etliche Pachtverträge auszulaufen. Foto: © rezpavel/fotolia.com

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01.10.2015, 12:00 Uhr
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