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Schnelles Netz auf dem Land: Ein Präzedenzfall für die Telekom

Die Internetnutzer in Breitenholz können sich freuen. Ammerbuchs Gemeinderat machte den Weg frei für die Rettung des Dorfs der Ahnungslosen. Bisher hat der Flecken am Schönbuchtrauf nur einen miserablen DSL-Anschluss von gerade Mal 384 Kilobits.

26.09.2008

Doch mit diesem DSL-Light kommt man nicht weit und schon gar nicht schnell vorwärts im weltweiten Netz. Schlecht also für alle, die von Berufs wegen, als Schüler oder aus rein persönlichem Vergnügen auf die Internetrecherche inclusive bewegter Bilder angewiesen sind.

Nun beschlossen Ammerbuchs Bürgervertreter 50 000 Euro im Haushalt einzustellen, um Leerrohre für das schnelle DSL-Breitbandkabel der Telekom nach Breitenholz zu legen. Davon will sich die Gemeinde 13 900 Euro aus dem Infrastruktur-Förderprogramm des Landes wieder holen. Mindestens weitere 10 000 Euro müssen die künftigen DSL-Kunden selbst beisteuern. Und die Telekom? Die verlegt immerhin das Kabel und streicht hinterher die Gewinne aus dem DSL-Geschäft ein.

Dass sie sich überhaupt für die – gemessen am zu erwartenden Erlös – geringe Investition breitschlagen ließ, ist offenbar das Verdienst von Ammerbuchs Ortsbaumeister Hans Prospero. Ursprünglich nämlich hatte der Kommunikationsriese den Breitenholzern ein Limit gesetzt: Mindestens 210 neue DSL-Verträge müssten abgeschlossen werden, bevor man das Glasfaserkabel verlege. Utopisch für den Ort mit rund 300 Haushalten. Nun liegt das Limit bei 110 neuen DSL-Kunden. Das ist offenbar zu schaffen. Immerhin 140 Interessenten haben sich schon gemeldet. Die werde man „beim Wort nehmen“, verspricht Ammerbuchs Bürgermeister Friedrich von Ow.

Also Ende gut alles gut? Für die Breitenholzer schon. Auch wenn ein bitterer Beigeschmack bleibt. Jeder Haushalt, der dort schnell ans Netz will, muss schließlich knapp 100 Euro vorab zahlen. Wer mit jedem Cent rechnet, wird da schwer schlucken oder auch in Zukunft auf die komfortable DSL-Verbindung verzichten müssen.

Und was ist mit den Internetnutzern in Nehren, Bühl oder manchen Teilorten von Starzach und Neustetten? Auch sie sind bisher vom schnellen Netz-Zugang abgehängt. Wird der Fall Schule machen, dass Kommunen und Privatleute sich finanziell in einer Sache engagieren, mit der dann ein Unternehmen Kasse macht? Die Telekom jedenfalls ist fein heraus. Sie hat nun einen Präzedenzfall und kann weiter nach dem Motto handeln: Gewinne werden privatisiert, investieren darf die Gemeinschaft.

Uschi Hahn

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Erstellt:
26. September 2008, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. September 2008, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. September 2008, 12:00 Uhr

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