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Projektchor

Schmuddelecke wird zur Spielwiese für alle

Sänger bereiten die erste öffentliche Aktion für den Österreichischen Platz vor.

20.07.2018

Von NADJA OTTERBACH

Noch muss sich der Chor seinen Probenplatz unter der Brücke mit Autos teilen. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Manuel Hirsch ist sichtlich nervös. Der 38-Jährige steht unter der Stuttgarter Paulinenbrücke und wird gleich zum ersten Mal in seinem Leben gemeinsam mit anderen singen. „Ich summe ständig vor mich hin, ohne es zu merken“, sagt er. Ein Freund habe ihn überredet, seine Stimme doch mal richtig einzusetzen. Jetzt ist er hier und fragt sich, ob er einen Ton treffen wird.

Es ist ein bizarres Bild auf dem stark frequentierten Österreichischen Platz. Unter der Brücke parken Autos, die Betonpfeiler sind grau, manche vollgeschmiert. Mittendrin spielt ein Mann E-Piano, Arndt Pohlmann ist studierter Kirchenmusiker.

30 Leute haben einen Halbkreis um ihn gebildet und singen mehrstimmig „Under The Bridge“. Über ihnen hängt ein Banner, auf dem steht: „Was passiert hier?“ Das scheinen sich auch die Passanten zu fragen. Einige bleiben stehen und lauschen. Manch einer stellt sich spontan dazu und singt mit.

Die Aktion ist in zweierlei Hinsicht eine Premiere: Zum ersten Mal hat der Verein Musikwerk einen Projektchor im öffentlichen Raum auf die Beine gestellt. Gleichzeitig ist es die erste (Bürger-)Aktion, die zur Aufwertung des Österreichischen Platzes beitragen soll. Die Tage der Autos unter der Paulinenbrücke sind nämlich gezählt. Ende März endete der Pachtvertrag des Parkhausbetreibers Apcoa. Neuer Pächter eines Großteils der Fläche ist der Verein Stadtlücken, der bis Ende 2019 mit finanzieller Hilfe der Stadt aus der Schmuddelecke eine attraktive Spielwiese für alle machen möchte.

„Wir werden verschiedene Konzepte und Ideen ausprobieren“, sagt Carolin Lahode von den Stadtlücken. Die Vereinsmitglieder verstehen sich als Kuratoren, die zwischen Bürgern und Verwaltung vermitteln. Konkrete, vom Ordnungsamt genehmigte Pläne gibt es schon, verrät die Architektin. Ein Ferienprogramm für Schulkinder etwa, einen Bingo-Abend und ein Open-Air-Kino im September. Auch mit den Organisatoren der Fahrrad-Demo Critical Mass sei man im Gespräch, darüber hinaus wolle die Initiative Foodsharing die Fläche als Plattform nutzen.

Am 27. Juli wird der Platz ganz offiziell öffentlich. Um 18 Uhr rollen beim Festakt die letzten Autos von der Fläche. Die Akademische Betriebskapelle und Les Six machen Musik, und ein reger Ideenaustausch soll stattfinden. Auch der Projektchor, der hier jeden Donnerstagabend öffentlich probt, plant aufzutreten. Schiefe Töne waren bisher nicht zu hören. Nadja Otterbach

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Erstellt:
20. Juli 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Juli 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2018, 06:00 Uhr

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