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Busendämmerung beim US-"Playboy"

Schluss mit splitterfasernackt: Das traditionsreiche Männermagazin will sich künftig züchtiger geben

In den prüden 50ern brach der "Playboy" mit der nackten Monroe ein Tabu. Nun wagt die US-Ausgabe wegen der Sex-Flut im Internet den Rückzieher.

14.10.2015
  • SVEN KAUFMANN (MIT AFP)

Los Angeles Aus, die (Nackt)-Maus: Ausgerechnet der altehrwürdige "Playboy" zieht die Hosen hoch. Von März 2016 an will die US-Ausgabe des Männermagazins keine Bilder von nackten Frauen mehr zeigen - zumindest keine von komplett entblätterten: Po- und Busendämmerung in einer Männer-Institution. Das ist so revolutionär wie der Schock im März 2012, als "Bild" unter dem Titel "Zapfenstreich" nach 28-jähriger täglicher Strip-Show ihr Seite-1-Girl abschaffte.

Schließlich hat Gründer Hugh Hefner (89) im prüden Jahr 1953 ein absolutes Tabu gebrochen, als er das erste "Playboy"-Heft mit einer splitterfasernackten Marilyn Monroe herausbrachte. Seither präsentierte die Zeitschrift - je nach Länderausgabe - hunderte Playmates in mehr oder weniger offenen Posen. Höhepunkt der Männerfantasien war die legendäre, ausklappbare Centerfold-Seite. Unter den Hochglanz-Schönheiten waren Eislauf-Queen Kati Witt (1998 und 2001), Eva Padberg (2004) oder Baywatch-Skandalnudel Pamela Anderson - die mit 13 Nackt-Auftritten übrigens den Rekord halten dürfte.

Und warum jetzt der Rückzieher, und das auch noch mit dem Segen des greisen "Bunny"-Königs Hugh Hefner? Solche Bilder seien im Internetzeitalter völlig überholt, sagte US-"Playboy"-Chef Scott Flanders der "New York Times". "Man ist jetzt gratis einen Klick von jedem nur vorstellbaren Sex-Akt entfernt."

Stimmt. Früher schlichen Jugendliche sich in Papas Arbeitszimmer, um heimlich im "Playboy", "Lui" oder "Penthouse" zu blättern. Heute locken Vatterns olle Magazine kein Kid mehr vom Computer.

Immerhin: Der neue Playboy wird ab März weiter Fotos von Playmates in "provokanten Posen" zeigen, so Flanders. Was Mann sich darunter konkret vorzustellen hat, ist unklar. Möglicherweise wird ab März 2016 ja doch noch wahr, was eherne Leser des Magazins seit jeher behauptet haben: "Ich lese den Playboy seiner guten Reportagen, Essays und Interviews wegen." Immerhin bot das Erotik-Journal schon Gespräche mit Martin Luther King, den Beatles, Fidel Castro, ja sogar Gracia Patricia von Monaco.

Sicher ist, dass die neuen Ausrichtung "sauberer und moderner" für das schwächelnde Magazin zu einer echten Nagelprobe wird. Die Auflage des US-"Playboy" war von 5,6 Millionen im Jahr 1975 auf zuletzt etwa 800 000 gesunken. Ob darunter tatsächlich nur Leser "guter Reportagen" sind?

Die gut 220 000 deutschen Leser wird das nicht jucken, sie können aufatmen: Der Chefredakteur von Playboy Deutschland, Florian Boitin, sagte gestern der Nachrichtenagentur dpa: "Auf die Ausrichtung und die Gestaltung des deutschen "Playboy" hat die Entscheidung der Amerikaner keinen Einfluss. Wir halten an unserem erfolgreichen Konzept auch in Zukunft fest."

Vielleicht ist die neue Keuschheit auch nur ein Marketing-Gag, und der "Playboy" macht irgendwann den Rückzieher vom Rückzieher. Schließlich wurde auch "Bild" nach dem "Zapfenstreich" nicht etwa eine Frauenversteher-Zeitung. Nein, die Nackt-Mädels gibt es noch immer, sie wanderten im Blatt bloß ein paar Seiten weiter nach hinten.

Schluss mit splitterfasernackt: Das traditionsreiche Männermagazin will sich künftig züchtiger
Tabubruch 1953: Die Erstausgabe mit Marilyn Monroe. Foto: dpa

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14.10.2015, 12:00 Uhr
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