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Fass mit Fledermäusen

Schlosskeller zum Ende des Jahres wieder zugänglich

Im Tübinger Schlosskeller steht das älteste und zweitgrößte Fass der Welt. Doch in den vergangenen 20 Jahren durfte es nicht besichtigt werden, weil hinter dem Fass Fledermäuse leben. Vom kommenden Jahr an wird die Besichtigung wohl wieder möglich sein. Bei tagblatt.de gibt es jetzt schon Einblicke in Schlosskeller und Fass (siehe unten).

25.03.2014

Von SABINE LOHR

Tübingen. So viel Wein wie im 16. Jahrhundert wird in Tübingen schon lange nicht mehr angebaut. Gut 170.000 Kilo Trauben brauchten die Winzer allein, um das große Fass zu füllen, das Herzog Ulrich 1546 vom Bönningheimer Küfermeister Simon bauen ließ. Doch der Küfer pfuschte bei seiner Arbeit: Er verwendete Holz, das nicht abgelagert war. Nachdem das Fass mit 84.000 Litern Burgunder gefüllt worden war, tropfte der Wein heraus. Als beim zweiten Versuch dasselbe passierte, gaben die Altvorderen auf. Das Fass blieb seither leer und wurde wurmstichig. Vergammelt ist es in den vergangenen 500 Jahren aber nicht – nach wie vor steht es an der Stelle, an der der Herzog es einst aufstellen ließ: im Keller von Schloss Hohentübingen.

Ganz schön riesig ist das Tübinger Fass: 84000 Liter Wein passen rein. Das ist zwar weniger als ins Heidelberger Fass passen (219000 Liter), dafür ist das Tübinger „große Fass“aber das älteste der Welt. Vom kommenden Jahr an kann es wohl wieder besichtigt werden. Bild: Metz

Bis 1991 durfte es bestaunt werden, doch dann siedelte sich eine Mausohr-Kolonie in dem Gewölbe an. Zum Schutz der licht- und geräuschempfindlichen Fledermäuse sperrte das Landratsamt den Keller für Besucher.

Inzwischen ist die Mausohr-Kolonie kleiner geworden und Ingrid Kaipf von der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg kann sich durchaus vorstellen, dass sowohl Fledermäuse als auch Besucher zum Fass vordringen können. Allerdings muss der Keller den Mausohren zuliebe in den Sommermonaten nach wie vor gesperrt bleiben. Zugänglich sein wird er nur von März bis Ende Oktober.

Dazu muss ein neuer Zugang gebaut werden. Zudem soll ein Besuchersteg angelegt werden, von dem aus man ins Innere des Fasses schauen kann.

Die Idee der Kelleröffnung für Besucher hat Oberbürgermeister Boris Palmer schon im Oktober 2012 so gut gefallen, dass er ihre Umsetzung schon für 2013 anvisierte. So schnell ging es dann aber doch nicht.

Im Ausschuss gab es Bedenken

Jetzt hat Palmer einen neuen Vorstoß unternommen. Denn plötzlich ist Geld da: Die 150.000 Euro, die der Umbau kostet, sollen aus dem Nachlass von Gastl-Gründerin Gudrun Schaal und Stefanie Wechsler genommen werden. 1,1 Millionen Euro stehen der Stadt für kulturelle Zwecke zur Verfügung (siehe Kasten). Lediglich auf die Ausgabe für den Fasskeller hat man sich inzwischen verständigt. Der Finanzausschuss des Gemeinderats stimmte am Montag der Verwendung des Geldes dafür zu. Ende des Jahres soll nun mit dem Umbau begonnen werden.

Bedenken gab es im Ausschuss jedoch auch. Albrecht Kühn (CDU) bezweifelte, dass sich der Aufwand lohne, wenn das Fass nur im Winter zugänglich sei. „Das ist die touristenarme Zeit“, gab er zu bedenken. „Und was ist, wenn der Vorsitz im Tierschutzverein wieder wechselt? Ist dann alles wieder anders?“ Das glaubt Palmer nicht: „Ein Verbot muss behördlich reglementiert werden.“ Gottfried Gehr (WUT) fand, dass das Fass nur seiner „schieren Größe“ wegen „noch lange kein Kulturgut“ sei. Und wer es einmal gesehen habe, dem sei das genug. Er hätte das Geld lieber für einen Kultursaal zurückgelegt. „Sie können versuchen, für 150.000 Euro einen Kultursaal zu bauen, da passen dann drei Leute rein“, konterte Palmer. Zudem sei das Tübinger Fass sogar attraktiver als das Heidelberger: „Unser Fass ist noch besonderer, weil es auch noch Fledermäuse umfasst.“

Der Nachlass und seine Verwendung

Mit dem Land und den Erben von Gudrun Schaal und Stefanie Wechsler wurde ein Vergleich ausgearbeitet, nach dem die Stadt Tübingen 80 Prozent des Verkaufserlöses aus den Grundstücken der beiden Nachlassgeberinnen bekommt. Das sind rund 1,1 Millionen Euro. Die Stadt darf dieses Geld nur für kulturelle und soziale Zwecke ausgeben, und zwar im Einvernehmen mit dem Land. Darum wurde eine Nachlasskommission gebildet, die über die Ausgaben entscheidet. Die Stadt schlug unter anderem vor, einen Literaturpfad einzurichten und den Nachlass der Stifterinnen wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Inzwischen sind Gespräche anberaumt, bei denen eine Entscheidung fallen soll. Allerdings muss darüber dann auch noch der Gemeinderat beschließen.

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Erstellt:
25. März 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
25. März 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. März 2014, 12:00 Uhr

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