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Schub für Quereinsteiger?

Schlechter bezahlt, kaum Beförderungen: Fachlehrer gelten als Pädagogen zweiter Klasse

Der VBE fordert eine Aufwertung der Fachlehrer, die Ministerin zeigt sich offen.

16.07.2018
  • AXEL HABERMEHL

Stuttgart. Die Gewerkschaft „Verband Bildung und Erziehung“ (VBE) fordert die baden-württembergische Landesregierung auf, die Situation der gut 6000 Fachlehrkräfte zu verbessern. Das Land solle an den Schulen mehr höherwertige Stellen schaffen, um einen vorhandenen „Beförderungsstau“ abzubauen, verlangt VBE-Landeschef Gerhard Brand.

Außerdem sollten Fachlehrer grundsätzlich in einer höheren Besoldungsgruppe eingestellt und nach spätestens drei Jahren befördert werden. Alle Fachlehrer müssten darüber hinaus nach 15 Dienstjahren die Möglichkeit bekommen, wissenschaftliche Aufstiegslehrgänge zu besuchen.

Brand beruft sich auf eine bisher unveröffentlichte Umfrage unter 220 Fachlehrern, die VBE-Mitglieder sind. 40 hätten an der Befragung teilgenommen.

Fachlehrer werden an allen Schularten eingesetzt und unterrichten laut Umfrage auch Fächer wie Mathematik, Deutsch, Heimat- und Sachkunde. „Das sind Fächer, für welche die Kolleginnen und Kollegen nicht ausgebildet wurden und die sie fachfremd unterrichten müssen“, sagt Brand. Er bezweifle, dass der Einsatz in den Fächern rechtmäßig sei.

Auch übernähmen Fachlehrer an fast allen Schularten Aufgaben als Klassenlehrer. Rosemarie Mohr, zuständige Referatsleiterin des VBE, bemängelt: „An einer Realschule beispielsweise bedeutet das diesbezüglich die gleiche Belastung wie eine Regelrealschullehrkraft.“ Während eine Realschullehrkraft aber nach A13 besoldet werde, erhalte ein Fachlehrer bis zu 1600 Euro brutto weniger. Laut Kultusministerium übernehmen Fachlehrer gewöhnlich nicht das Amt des Klassenlehrers, „da sie keines der Kernfächer Deutsch, Mathematik oder Fremdsprache als Studienfach mitbringen“. Fachfremder Unterricht sei die Ausnahme.

Kürzere Ausbildung

Grund für die niedrigere Bezahlung der Fachlehrer ist ihre kürzere Ausbildung. Sie haben im Gegensatz zu wissenschaftlich ausgebildeten Lehrern in der Regel kein Lehramtsstudium absolviert, sondern werden in einem seit 2015 dreijährigen Ausbildungsgang an pädagogischen Fachseminaren ausgebildet, früher waren es zwei Jahre. Um zugelassen zu werden, muss man einen Realschulabschluss oder die Fachschulreife und eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen. Es gibt einen musisch-technischen und einen sonderpädagogischen Ausbildungsgang. Unter Fachlehrern finden sich viele Quereinsteiger.

Laut VBE-Umfrage haben Fachlehrer aber ähnlich lange Ausbildungszeiten wie andere Lehrer. 65 Prozent der Befragten gaben laut VBE an, ihre Ausbildung habe länger als fünf Jahre gedauert. „Wenn man alles zusammennimmt, sind aktuell sieben bis acht Jahre Ausbildung für Fachlehrkräfte die Regel“, sagt Mohr. Sie findet: „Angesichts dieser Tatsachen und hinsichtlich der neu gestalteten, erweiterten dreijährigen Ausbildung ist eine Eingangsbesoldung nach A 9 für eine Fachlehrkraft nicht mehr angemessen.“

Fachlehrer sind im mittleren Dienst angesiedelt und werden in der Besoldungsgruppe A9 eingestellt. Andere Lehrer sind im gehobenen oder gar höheren Dienst eingruppiert. Grund- und Hauptschullehrer bekommen A12, Realschul- und Gymnasiallehrer A13. Fachlehrer können nach einem Jahr A9 in die Gruppe A10 und wieder nach einem Jahr in A11 befördert werden. Dazu muss es aber entsprechende Planstellen geben. Laut VBE würden nicht ausreichend Stellen für Fachlehrkräfte geschaffen, die Umfrage habe ergeben, „dass sich aktuell 75 Prozent der befragten Fachlehrerinnen und -lehrer im Beförderungsstau befinden“.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) zeigte sich gesprächsbereit: „Unsere Fachlehrer brauchen faire Perspektiven, hier sehe ich durchaus Handlungsbedarf. Basierend auf Gesprächen, die ich mit Fachlehrkräften geführt habe, entwickeln wir derzeit für diesen Bereich ein neues Konzept“, teilte sie mit.

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16.07.2018, 06:00 Uhr
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