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Schlamperei und Ignoranz
Enorme Schäden: Durch die Giftwelle in der Jagst vor einem Jahr starben tonnenweise Fische. Foto: dpa
Amtliche Prüfer stoßen in Düngerlagern auf erhebliche Defizite

Schlamperei und Ignoranz

Vor einem Jahr löste Düngemittel in der Jagst ein Umweltdesaster aus. Amtliche Prüfer fanden danach landesweit „erschreckende Defizite“ vor.

09.08.2016
  • HANS GEORG FRANK

Stuttgart. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat mit gewohnt deutlichen Worten formuliert, wie er eine landesweite Überprüfung von Lagern für Düngemittel beurteilt: „Es ist erschreckend, wie sorglos viele Betreiber von Düngelagern mit ihrer Verantwortung für den Schutz der Umwelt umgehen.“ Der Ressortchef präsentierte gestern in Stuttgart das Ergebnis der amtlichen Kontrolle, die sich auf das ganze Land erstreckt. Der Zeitpunkt für die Bekanntgabe war wohl nicht zufällig: Vor knapp einem Jahr wurde nach einem Brand die Jagst durch Gift so schwer geschädigt, dass die amtlichen Aufseher ausschwärmten.

307 Lager von insgesamt 276 Betrieben bekamen unangemeldeten Besuch. Kontrolleure tauchten dort auf, wo Düngemittel mit und ohne Ammonium vorrätig gehalten werden – ob ein Zentner oder tausende Tonnen. Zum Angebot gehörten demnach oft auch Mittel für Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung. Vereinzelt befinden sich auf dem Gelände auch Treib- und Brennstoffe wie Diesel oder Heizöl. Inspiziert wurde, ob sicherheitsrelevante Vorschriften aus dem Wasserrecht wie Rückhaltung von Löschwasser eingehalten würden.

Vorsorge für das Auffangen von Löschwasser bei einem Brand wie in der Mühle in Kirchberg/Jagst muss etwa die Hälfte der kontrollierten Betriebe treffen. Tatsächlich seien entsprechende Einrichtungen nur bei 54 Prozent wirklich vorhanden gewesen. Dort wiederum sei dieser Schutz lediglich bei 23 Prozent auch ausreichend bemessen gewesen. Die Existenz der Stoppstellen garantierte allerdings noch keine Sicherheit, weil manche gar nicht funktioniert hätten. Laut Untersteller hätten beispielsweise Absperrvorrichtungen gefehlt.

Auf der Mängelliste stehen auch Schlampereien bei Kontrollen. 81 Betriebe sind gemäß der „Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen“ zu regelmäßigen Überprüfungen durch Sachverständige verpflichtet. Dieser Verpflichtung seien nur 40 Prozent nachgekommen. Die Mehrheit sei offenbar davon ausgegangen, dass Düngemittel nicht zu den Stoffen zählen, die eine Gefahr für das Wasser darstellen. An dieser Einschätzung habe sich selbst dann nichts geändert, wenn zum Sortiment Pflanzenschutzmittel gehörten.

Die Prüfer stießen außerdem auf Versäumnisse bei den Dokumenten. Mal waren bei älteren Betrieben die Genehmigungen unvollständig, mal gar nicht auffindbar, mal waren wassergefährdende Stoffe nicht erwähnt. Auch organisatorische und fachliche Mängel wurden entdeckt. So fehlten Kenntnisse über gemeinsames Lagern bestimmter Materialien, über Mindestabstände und Kennzeichnungspflichten.

„Die Mängel sind erschreckend“, fasste Untersteller zusammen, sie müssten schnellstmöglich beseitigt werden. Am „mangelnden Gefahrenbewusstsein“ seien „erhebliche Informationsdefizite“ schuld. Offenbar fürchtet der Grüne weitere Gefahren für Gewässer. In Kunststoffdepots sieht er ein „vergleichbares Schadenspotenzial“. Deshalb sollen diese Betriebe unter die Lupe genommen werden. Mit ersten Ergebnissen sei 2018 zu rechnen.

Der Verband der agrargewerblichen Wirtschaft in Stuttgart hält die Feststellungen Unterstellers für „unsachlich“, sagte Manfred Koppenhagen der SÜDWEST PRESSE. Der Agraringenieur ist der Fachreferent für Landhandel und Mühlen. Er kennt etliche der kontrollierten Betriebe, es habe „so gut wie keine Beanstandungen“ gegeben, dort werde „ordentlich geschafft“. Koppenhagen bezeichnete die Überprüfung des Ministeriums als „alibimäßiges Rumstöbern“, weil „man sich nicht traut, schlimmere Dinge anzupacken“. Als Beispiel nannte er das Kerosin der Flugzeuge, „die jeden Tag über uns hinwegdonnern“.

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09.08.2016, 06:00 Uhr
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