Der Paradiesvogel

Schillernder Künstler im Traumtheater

Der wohl schillerndste Akteur des Traumtheaters Salome heißt Philip Golle alias Phil Plastie. Sein Markenzeichen: rosa Haare, pinkfarbene Brauen und schwarz-silber geschminkte Augen mit grünem Glitzer.

17.12.2011

Von JULIA HANAUER

Stuttgart Doch nicht nur durch sein extravagantes Aussehen fällt der "Paradiesvogel" auf, sondern auch, weil er alle Umstehenden überragt. Denn Philip Golle - ein groß gewachsener junger Mann - trägt gerne High Heels mit einem Absatz von mindestens 15 Zentimetern.

Allerdings nicht immer: Bei seiner Vorstellung auf der Bühne im orangefarbenen Bauchtanz-Kostüm kommt er ohne sie aus. Er begeistert das Publikum durch eine Hula-Hoop-Einlage, bei der er die Ringe mit lasziven, weiblichen Bewegungen um seinen Körper kreisen lässt.

Aufgewachsen ist Philip Golle in Johannestal, einem kleinen Dorf in der Nähe von Berlin. Mit zwölf Jahren kam er in der Hauptstadt zum Kinderzirkus Cabuwazi (steht für: chaotisch bunter Wanderzirkus). "Ich habe erst einmal alles ausprobiert", erinnert sich der 20-Jährige an seine ersten künstlerischen Versuche. Schließlich entdeckte er das Vertikaltuch für sich. Bei dieser Luftakrobatik werden zwei Tücher an der Decke befestigt. Der Artist klettert an diesen hinauf, zugleich kann das Tuch um den Körper geschwungen werden und der Künstler viele Hängefiguren präsentieren.

Doch mit einer ganz anderen Nummer wurde Philip Golle, der 2006 an die staatliche Artistenschule Berlin kam, erfolgreich: der Hula-Hoop-Nummer. Zu der kam er eher zufällig. Sein Trainer hatte eine entsprechende Buchung für ihn - aber er musste den Artisten erst noch von diesem Auftritt überzeugen. "Er sagte, diese Nummer passe besser zu mir. Dann hatte ich den ersten Reifen in der Hand."

In diesem Jahr hat er an der Artistenschule das Abitur gemacht und seine künstlerische Ausbildung abgeschlossen. Danach tourte er zusammen mit anderen Absolventen mit einer eigenen Show durch ganz Deutschland.

Als "androgyner Schönling" trat er dabei auf. Der "Exotenstatus" kommt ihm entgegen. "Ich liebe den Job, weil ich machen kann, was ich will." Zudem könne er den Leuten einen wunderschönen Tag machen, schwärmt er von seinem Beruf, den er als sein Hobby bezeichnet.

Der Auftritt im Traumtheater ist sein erstes Engagement. Zustande gekommen ist es durch eine Kooperation zwischen Salome und der Artistenschule. Im letzten Jahr verbrachte Golle drei Monate in Mannheim beim Traumtheater. Danach engagierte Harry Owens ihn für das Gastspiel in Stuttgart. "Besonders gut gefällt mir, dass jeder Künstler im ganzen Stück mitwirkt und nicht nur bei seinem Auftritt." Zudem mache ihm der Einlass, der direkte Kontakt zu den Besuchern, viel Spaß.

Von seinen Salome-Kollegen, mit denen er während des Gastspiels zusammen wohnt, ist der Paradiesvogel restlos begeistert. "Die Gruppe ist herzallerliebst." Für die Zukunft wünscht er sich, dass der Beruf Artist wieder mehr geschätzt wird. "Ich wünsche mir, dass der Job wieder so wird, wie er mal war."

Phil Plastie während seines Auftritts im Traumtheater. Foto: Julia Hanauer

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Erstellt:
17. Dezember 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Dezember 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2011, 12:00 Uhr

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