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Schicksalsjahr im Irak
Iraks Regierungschef Haidar Al-Abadi kämpft gegen Korruption - und gegen Widersacher im eigenen Lager. Foto: dpa
Die Eroberung von Ramadi könnte Regierungschef Al-Abadi stützen

Schicksalsjahr im Irak

Noch immer beherrscht der IS im Irak riesige Gebiete. Auch der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten belastet das Land. Regierungschef Al-Abadi steht unter Druck. 2016 werden wichtige Weichen gestellt.

28.12.2015
  • JAN KUHLMANN ZIAD HARIS, BEIDE DPA

Bagdad. Diesmal sind sich die irakischen Offiziere ganz sicher. Noch in diesem Jahr, verkündete das Verteidigungsministerium vor kurzem, würden die Sicherheitskräfte Ramadi einnehmen, die Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Westen des Landes.

Das Militär hat zwar schon häufiger angekündigt, die Befreiung der Provinzhauptstadt stehe unmittelbar bevor. Jetzt aber trifft die Vorhersage offenbar zu. Nach monatelangen Kämpfen rückte die Armee gestern ins Regierungsviertel vor. IS-Kämpfer hätten den Amtssitz der Provinzregierung geräumt, teilte ein Militärsprecher am Abend mit.

Für das Militär und die Regierung des Irak wäre dies politisch, militärisch und symbolisch ein äußerst wichtiger Erfolg - für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hingegen eine schmerzhafte Niederlage. Ramadi ist bisher neben Mossul im Norden und Falludscha im Westen mit die wichtigste Hochburg der sunnitischen Extremisten im Land. Sie liegt im Kerngebiet der irakischen Sunniten, wo die Dschihadisten unter der Bevölkerung die stärkste Unterstützung finden.

Für Regierungschef Haidar al-Abadi ist ein Erfolg der Offensive im Westen fast schon überlebenswichtig. Hinter dem schiitischen Politiker liegt ein Jahr mit vielen Rückschlägen. Zwar konnte die Armee mit Hilfe schiitischer Milizen die Stadt Tikrit aus der Gewalt des IS befreien. Zugleich aber verlor sie Ramadi im Mai an die Extremisten - nach dem Verlust Mossuls eine weitere Schmach für Militär und Regierung.

Politisch steht der Ministerpräsident unter Druck. Al-Abadi ging in den vergangenen Monaten mehrere Reformen an, mit denen er Korruption und Vetternwirtschaft bekämpfen will. Doch dagegen regt sich Widerstand, vor allem unter schiitischen Politikern und Milizen, die um ihren Einfluss fürchten. Politisch und militärisch sind die eng mit dem Iran verbundenen Milizen längst einer der wichtigsten Akteure im Land. Die Milizen machten Stimmung gegen Al-Abadis Plan, Nationalgarden in den irakischen Provinzen zu schaffen, weil damit die sunnitischen Kräfte gestärkt würden.

Das verweist auf das neben der Korruption größte Übel im Irak: das tiefe Misstrauen zwischen den beiden großen Konfessionen. Die Minderheit der Sunniten fühlt sich durch die Mehrheit der Schiiten diskriminiert. Einem Ausgleich zwischen ihnen ist der Irak in dem Machtgerangel nicht näher gekommen, dabei gilt er als Voraussetzung dafür, den IS besiegen zu können.

Der Rückgang des Ölpreises macht dem Land zusätzlich schwer zu schaffen, schließlich speist sich der Haushalt fast vollständig aus Öleinnahmen. So dürfte 2016 entscheidend werden für Al-Abadi. Ein Sieg in Ramadi würde ihn stärken. Sollte die Armee die Stadt befreien, will sich Al-Abadi der nächsten großen Aufgabe zuwenden: der Eroberung Mossuls. Dann erst wird sich das Schicksal der Terrormiliz im Irak entscheiden.

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28.12.2015, 08:30 Uhr
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