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Roadmovie in brackiger Brühe

Schauspiel Stuttgart zeigt Thomas Jonigks "Liebe Kannibalen Godard"

Genug gefremdelt: Das neue Stuttgarter Schauspielteam um Armin Petras scheint anzukommen. Auch mit kleineren Premieren wie "Liebe Kannibalen Godard": ein irres Roadmovie, makaber, bizarr, bitterböse.

06.12.2013

Von OTTO PAUL BURKHARDT

Stuttgart Manchmal gehts zu wie im Splatterfilm, dann wieder wie bei Monty Python. Kidnapping und Kannibalismus kommen auch vor. Es wird grauslich geflucht, häufig geschossen, hart gealbert und zwischendurch über die geldgeile Welt philosophiert: hoch gebildet bis global subversiv. Die Handlung? Schwamm drüber. Nur so viel: "Liebe Kannibalen Godard" von Thomas Jonigk feierte jetzt in der Außenspielstätte Nord des Schauspiels Stuttgart Premiere. Das Stück, eine Hommage an Jean-Luc Godards legendären Experimentalfilm "Week-End" aus dem Jahre 1967, rast vorbei wie eine schwarze, makabre, surreal-fantastische Satire. Das Publikum nimmt"s mehrheitlich amüsiert.

Godard! Cineasten alten Schlags pflegen da kennerisch aufzuraunen. Mireille Darc! Jean-Pierre Léaud! "Week-End" gilt als einer von Godards wichtigsten Filmen "über eine Welt am Rande des Abgrunds". Mit seinem 2006 uraufgeführten Tribute-Stück "Liebe Kannibalen Godard" versucht der Autor Thomas Jonigk, etwas vom Geist dieses Films ins 21. Jahrhundert zu retten.

Den Rest besorgt in Stuttgart Regisseur Niklas Ritter, der auch am Gorki mit Petras und im Leitungsteam Dessau gearbeitet hat. Die Bühne sieht ein bisschen aus wie Venedig bei acqua alta: Die Darsteller balancieren auf schmalen Holzstegen übers Wasser oder waten gleich bis zu den Knöcheln in der Brackbrühe herum. Überhaupt das Personal: Neben einem moralisch verrotteten Erbschleicher-Pärchen (zynisch-trocken: Susanne Böwe, Andreas Leupold), das mit dem Auto unterwegs ist, geistern historische Figuren wie der 1789er-Revolutionär St. Just durch die Geschichte. Statt der berühmten zehnminütigen Kamerafahrt entlang einer Autokolonne bei Godard lässt Ritter seine Darsteller Pappschilder am Publikum vorbeitragen - mit Wäldern, Bergen, Dinosauriern drauf.

Jonigks Hommage kommt ja schon als Godard-Update daher (mit Bezügen zu Bush und Blair), und Ritter zieht das Ganze auf eine eher zeitlose Ebene. Was bleibt, ist ein durchgeknalltes Roadmovie ohne Autos auf der Bühne. Und eine groteske, anarchische Satire auf die Gier in der Welt.

Info Weitere Termine: 8., 19. und 30. Dezember

Andreas Leupold als Roland und Susanne Böwe als Corinne in "Liebe Kannibalen Godard". Foto: Conny Mirbach

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Erstellt:
6. Dezember 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Dezember 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Dezember 2013, 12:00 Uhr

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