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Da röhrt der Hirsch

Schau in Karlsruhe: "Waren und Welten" der 1950er-Jahre

Vom Eierwärmer bis zum Nylon-Hemd: Die Schau "Waren und Welten" in Karlsruhe zeichnet ein buntes Bild jener Zeit, in der sich Deutschland in eine Konsumgesellschaft nach US-Vorbild verwandelte.

21.12.2009

Karlsruhe . Die "Schwangere Luise" ist auch da. Ruhig steht die ausgebeulte Vase aus den 50er Jahren im Regal zwischen den Tonbandgeräten und Eierwärmern, Strumpfautomaten, grellbunten Nylon-Hemden, kleinen Reiseweckern und Frisiercremes. Mit einer schwelgerischen Ausstellung zu den "Waren und Welten" der Jahre des Wirtschaftswunders, Modernisierungsschubs und Wiederaufbaus lässt das Badische Landesmuseum die 50er Jahre lebendig werden - zumindest für einige Monate.

Im Karlsruher Museum am Markt, einer der Zweigstellen des Landesmuseums, laden rund 1000 verschiedene Erinnerungsstücke zu nostalgischem Schwärmen ein - und zum Schmunzeln angesichts röhrender Hirsche, von Tütenlampen oder Mocca-Tassen.

"Es gab damals eine ungeheure und reichhaltige Warenwelt", erklärt Museumsdirektor Harald Siebenmorgen. Die Jahre rund um das deutsche Fußballwunder von Bern seien auch Jahre des Widerspruchs gewesen, zwischen Nostalgie und Emanzipation, zwischen Vergangenheitsbewältigung und der Öffnung für Neues vor allem aus den USA. "Diese Ambivalenz wird auch in den Waren deutlich, wenn es zum einen das schwere Gelsenkirchener Barock gibt, zum anderen aber den knallbunten Nierentisch."

Die kleinen Räume des Museums hat der Kurator und leidenschaftliche Sammler Wolfgang Knobloch in eine Karlsruher Shopping-Meile vergangener Zeiten verwandelt. Eingezwängt von blinden Fenstern und Wänden aus grauem Putz und Beton, die an die Jahre des Wiederaufbaus erinnern, werden Hunderte von Waren in rund einem Dutzend Schaufenstern präsentiert.

In den Fenstern: Design-Klassiker neben reinen Gebrauchsobjekten, Nippes und Werbe-Schnickschnack, etliches davon in grellbunter Optik, um die Tristesse der Nachkriegszeit zu überwinden. "Nach Trümmerschrott und Ruß haben sich die Leute nach einer neuen und farbigen, einer exotischen Welt gesehnt", erklärt Knobloch. "Es konnte ihnen damals gar nicht bunt genug sein." Für Knobloch waren die 50er Jahre auch die Jahre der Ordnungsliebe: "Es gab Ständer und Regale für alles nur Denkbare", sagt er. Kleinteilige Möbel, viele davon wuchtig, dunkel und glänzend, erinnern an die akute Raumnot und die kleinen Parzellen im sozialen Wohnungsbau. Wichtig für die Kunden damals war auch die Technik: "Man hat versucht, jeden Arbeitsgang im Haushalt nach US- Vorbild zu elektrifizieren", sagt Knobloch und erinnert an Geräte fürsHosenfalten und zum Bügeln von Krawatten.

Die Ausstellung, die ausdrücklich keine wissenschaftliche Aufarbeitung bieten will, präsentiert Produkte wie Tischuhren, tragbare Plattenspieler und Taschenbücher von "Pucki" und "Polly" bis zum "Hilfreichen Ratgeber für die Sekretärin" und den "Neuen Adenauer-Anekdoten" - alles entweder aus den reichhaltig bestückten Depots des Landesmuseums oder von privaten Leihgebern. Für Knobloch ist auch der heutige Trend zu den 50ern als Retro-Chic keine Überraschung: "Es war alles schon mal da und es wird alles wiederkommen." dpa

Info

Waren und Welten - Alltagskultur der 1950er-Jahre, Museum am Markt Karlsruhe, bis 7. März 2010, geöffnet Di-Do 11-17 Uhr; Fr, So, feiertags 10-18 Uhr.

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War das nicht ein schnuckeliges kleines Auto: Ein Ausstellungsbesucher inspiziert eine gut erhaltene BMW Isetta. Fotos: ddp

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Erstellt:
21. Dezember 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Dezember 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Dezember 2009, 12:00 Uhr

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