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Dank der guten Konjunktur sinkt Interesse an illegalen Jobs

Schattenwirtschaft schrumpft

"Rechnung? Muss nicht sein, zahle bar." Solche Dialoge dürften vielen Deutschen nicht völlig fremd sein: Wenn beim Handwerker-Besuch Bares den Besitzer wechselt, geht es zumeist um Schwarzarbeit.

03.02.2016
  • DPA

Tübingen/Linz. In Deutschland schwächt sich die Schwarzarbeit einer Studie zufolge ab, obgleich Tausende Flüchtlinge in die illegale Beschäftigung abdriften könnten. Die Eckpunkte der Analyse des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftswissenschaften und der Universität Linz im Überblick:

Worum geht es? Die alljährlich vorgelegte Studie gilt als wichtige Bestandsaufnahme zur Schattenwirtschaft - es geht um Schwarzarbeit sowie andere illegale Beschäftigungsverhältnisse zur Umgehung von Steuern und Sozialabgaben, etwa wenn osteuropäische Subunternehmer auf deutschen Baustellen den Mindestlohn unterschreiten. Die Studie ist nicht unumstritten, weil sie nicht nur auf gesicherten Daten, sondern auch auf Schätzungen basiert. "Es ist nun mal das Wesen der Schattenwirtschaft, dass sie sich der Beobachtung entzieht", sagt Co-Autor Bernhard Boockmann. Der Tübinger Professor und Friedrich Schneider von der Universität Linz stützen sich auf Faktoren wie etwa den Bargeldumlauf. Geht mehr Bargeld von Hand zu Hand, spricht das für mehr Schwarzarbeit.

Wie ist der Stand der Dinge? Laut Prognose schwächt sich die Schwarzarbeit in Deutschland wegen der guten Konjunktur ab. Da viele Beschäftigte im Schnitt besser verdienen oder leicht bezahlte Überstunden machen können, müssen sie sich in ihrer Freizeit nicht mehr als Schwarzarbeiter verdingen.

Was verliert der Staat durch die Schattenwirtschaft? Der Studie zufolge liegen die staatlichen Einbußen bei jährlich etwa 60 Mrd. EUR, beispielsweise durch entgangene Einkommenssteuer und nicht eingezogene Krankenkassen-Beiträge. Diese Einbußen könnten theoretisch auf etwa 30 Mrd. EUR gesenkt werden, etwa mit einer Niedrigsteuer-Politik. Darunter gehe der Wert wohl aber nicht, meint Schneider.

Welche Rolle spielen die Flüchtlinge beim Thema Schwarzarbeit? Die Autoren schätzen, dass viele Flüchtlinge in diesem Jahr illegal arbeiten könnten, ob als Tellerwäscher, Putzkraft oder Helfer auf dem Bau. Zwischen 100 000 und 300 000 Flüchtlinge könnten in diesem Jahr in Deutschland schwarzarbeiten, am plausibelsten erscheint laut Studienautor Schneider der höhere Wert. Er schränkt aber ein: "Das ist nur eine Annahme, das sind keine Fakten." Trotz dieser "neuen" Schwarzarbeiter schwäche sich die Schattenwirtschaft insgesamt aber ab, weil eben sehr viele Inländer wegen der guten Wirtschaftslage auf das Jobben nebenbei verzichten.

Welche Bereiche sind betroffen? Klassisches Beispiel: die Putzfrau in der Privatwohnung. "Da liegt der Anteil der Schwarzarbeit in Deutschland bei 90 Prozent", sagt Schneider. Auch auf dem Bau, in der Landwirtschaft und der Gastronomie sei der Anteil hoch - da hier aber vom Zoll stark kontrolliert wird, sind die Beschäftigungsverhältnisse auf dem Papier oft legal, über unbezahlte Mehrarbeit werden sie dann aber zur Schattenwirtschaft. Auch Handwerker setzen der Studie zufolge viel auf Schwarzarbeit - wenn der Klempner den Wasserhahn repariert, werde oft auf eine Rechnung verzichtet.

Wie geht es auf längere Sicht weiter? Gut möglich, dass die Schwarzarbeit weiter sinkt, schließlich ist die Konjunktur robust. Bekommt die Wirtschaft aber einen Dämpfer, werde auch die Schwarzarbeit wieder ansteigen, sagt Boockmann. "Wenn die Menschen weniger legal arbeiten können, suchen sie sich Jobs in der Schattenwirtschaft." Der steigende Anteil von Senioren an der Bevölkerung spricht tendenziell für mehr Schwarzarbeit, weil die Älteren mehr Zeit für Hilfsjobs hätten. 2017 könnte die Anhebung des Mindestlohns für eine Zunahme der Schwarzarbeit führen.

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03.02.2016, 08:30 Uhr
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