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Alterswohnsitz der PC-Rentner

Schätze im Computermuseum an der Universität

Alterswohnsitz der PC-Rentner: Das Computermuseum an der Universität Stuttgart zeigt funktionsfähige Exponate aus der wechselvollen Geschichte der mechanischen und elektronischen Rechner.

07.11.2012

Von JAN-PHILIPP SCHÜTZE

Stuttgart Die monströse mintgrün lackierte Maschine brummt wie ein wilder Hornissenschwarm. Knapp drei Minuten dauert es, bis der LGP-30 seine Betriebstemperatur erreicht hat. Was aussieht, wie eine Mischung aus einer Jukebox und einer Tiefkühltruhe der 1950er-Jahre ist in Wirklichkeit ein mit Röhren bestückter Computer der ersten Generation. Der im Jahre 1958 von der deutschen Firma Schoppe & Faeser in Lizenz gebaute Rechner wurde seiner Zeit in großen Unternehmen für mathematische und statische Berechnungen verwendet. Auf einer eingelegten Magnettrommel konnten 4096 Worte à 31 Bit gespeichert werden. 250 000 Mark mussten damals für den leistungsfähigen Rechner berappt werden - zu einer Zeit, als ein VW Käfer 4000 Mark kostete.

Heute ist der immer noch voll funktionsfähige LGP-30, von dem weltweit nur 450 Stück hergestellt wurden, das Schmuckstück des Computermuseums der Universität Stuttgart. Hier in einem etwas abgelegenen Raum der Fakultät für Informatik hortet Klemens Krause seine größten Schätze. Der 57 Jahre alte gelernte Laboringenieur ist seit 1982 an der Stuttgarter Universität angestellt und unterstützt derzeit als Systemadministrator die Abteilung für Programmiersprachen. Krauses Leidenschaft für Computer begann aber bereits als Student der technischen Informatik. "1991 habe ich dann angefangen, die ersten Computer zu sammeln", erinnert sich Krause. Für wenig Geld kaufte er der Universität ausgediente Rechner ab, und lagerte diese in seiner damaligen Abteilung der Informatik-Fakultät ein. Einige Jahre später keimte dann erstmals die Idee für ein eigenes Computermuseum auf, das mit Unterstützung mehrerer Professoren im Februar 1997 schließlich realisiert werden konnte. Zuerst noch auf 30 Quadratmetern in einem Nebenraum der alten Fakultät an der Breitwiesenstraße untergebracht, folgte dann 2003 und viele Computer-Spenden später der Umzug an den heutigen Standort im Informatikneubau auf dem Vaihinger Uni-Campus.

Auf rund 100 Quadratmetern zeigt Krause hier, finanziell unterstützt vom Informatik-Forum Stuttgart, die Entstehungsgeschichte des Heimcomputers. Zu den Besuchern zählen vor allem Privatpersonen, Schulklassen und Firmen, aber auch ehemalige Studenten der Informatik schauen immer mal wieder zu Besuch vorbei. Anhand zahlreicher Ausstellungsstücke führt die Reise von der mechanischen Rechenmaschine Wilhelm Schickards aus dem Jahr 1623 über die ersten elektronischen Tischrechner aus den späten 1960er-Jahren bis hin zu diversen Apple-Rechnern aus den 1980er-Jahren, darunter auch der allererste Macintosh von 1984. Zu sehen ist zudem mit dem Intel 4004 der erste Mikroprozessor der Welt von 1970, darüber hinaus wird gezeigt, wie früher noch große Datenmengen mit Hilfe von Lochkarten aus Papier erfasst und verarbeitet wurden.

Zu den Meilensteinen, die im Stuttgarter Computermuseum zu sehen sind, gehört sicherlich auch der Commodore PET 2001, Spitzname "Air Landing", von 1977. Mit integrierter Tastatur, Bildschirm, Kassettenrekorder zur Datenspeicherung und kompakten Abmessungen gilt er unter Fachleuten als der erste komplette Computer für den Heimgebrauch. Im für damalige Verhältnisse stolzen Preis von 2000 Mark enthalten waren neben eher rudimentären Grafikfähigkeiten auch zahlreiche Programmierfehler. Doch rund 90 Prozent der im Museum ausgestellten Rechenmaschinen, Computer und Peripheriegeräte sind dank regelmäßiger Wartung und Reparatur immer noch funktionsfähig. "Es war schließlich von Anfang an die Idee, die Maschinen auch in Aktion zu zeigen."

Info Das Computermuseum befindet sich im Neubau der Fakultät Informatik an der Universität Stuttgart, Universitätsstraße 38, Stuttgart-Vaihingen. Öffnungszeiten jeden Dienstag von 16.15 bis 18.30 Uhr und nach Vereinbarung. Kontakt: Klemens Krause, Telefon: (0711) 685-883 41.

Heimcomputer von Apple aus den 1980er-Jahren im Computermuseum an der Uni. Foto: Jan-Philipp Schütze

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Erstellt:
7. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. November 2012, 12:00 Uhr

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