Missbrauch

„Schändlich und unentschuldbar“

Die Verantwortlichen in Köln müssen ihren Hut nehmen. Das fordert der katholische Theologe und Kirchenrechtler Thomas Schüller.

25.11.2020

Von ELISABETH ZOLL

Der in Münster lehrende Kirchenrechtler Thomas Schüller. Foto: Privat

Münster.

Die Missbrauchs-Aufklärung des Kölner Kardinals Woelki gerät zum Debakel. Welche Botschaft sendet der Streit um Gutachten aus?

Thomas Schüller: Wenn die Wahrheit über Vertuschung ans Licht kommt, drückt sich der Kölner Kardinal vor der Veröffentlichung und schützt seine Täter.

Woran sind Kardinal Woelki und die Verantwortlichen in Köln gescheitert?

Vor allem daran, dass die noch lebenden Verantwortlichen für Vertuschung im Erzbistum Köln voneinander genau wissen und jeder weiß, dass wenn einer fällt, alle andere mit abstürzen.

Was war der größte Fehler der Verantwortlichen um Kardinal Woelki?

Vollmundig maximale und zeitnahe Aufklärung zu versprechen und dann umzufallen, als die Wahrheit ans Licht kam. Vertreter des Betroffenenbeirates beklagen einen Missbrauch des Missbrauchs.

Sind Forderungen verschiedener Verbände nach einem Rücktritt der Verantwortlichen überzogen?

Der Missbrauch von Missbrauchsopfern in diesem Fall ist ruchlos, schändlich und unentschuldbar. Die hierfür Verantwortlichen müssen ihren Hut nehmen.Und man kann nur hoffen und beten, dass die Betroffenen diese zweite Instrumentalisierung, diesen zweiten geistlichen Missbrauch gesundheitlich einigermaßen überleben.

Kann die katholische Kirche überhaupt Aufklärung?

Augenscheinlich nicht so, wie es notwendig ist. Wobei es durchaus einigen Diözesen wie zum Beispiel in Münster gelingt, unabhängige Forscherteams untersuchen und ohne jede Einschränkung ihre Ergebnisse publizieren zu lassen. Da dies aber leider immer noch die Ausnahme ist, sollte der Staat endlich die gesetzlichen Grundlagen für unabhängige Wahrheitskommissionen schaffen, die kirchenunabhängig den Missbrauch in der Kirche untersuchen.

Können die Bischöfe den Vertrauensverlust wieder gut machen?

Der Kölner Kardinal hat es durch sein unsägliches Verhalten geschafft, dass in Zukunft auch keiner mehr den redlichen Bischöfen glauben wird, die schonungslos aufklären wollen. Somit hat er der deutschen Kirche einen Bärendienst erwiesen, der noch lange nachwirken und die Vertrauenskrise weiter verschärfen wird. Elisabeth Zoll

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Erstellt:
25. November 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. November 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. November 2020, 06:00 Uhr

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