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"Der Stopfen muss wieder ins Loch"

Schäden an einer Schule und mehr als zehn Häusern in Schorndorf nach Erdwärmebohrungen

Als "zweitschlimmsten Fall nach Staufen" sieht das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises Schäden an Gebäuden in Schorndorf. Nach einer Erdwärmebohrung senken sich Häuser und Pavillons einer Schule.

18.12.2009

Von HANS GEORG FRANK

Schorndorf Zuerst versiegte die Quelle, der See vor der Keplerschule in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) trocknete rasch aus. Dann zogen sich die ersten Risse durch Pavillons der Grundschule. Inzwischen hat Rektor Dieter Leins über 160 Schäden gezählt. Zusätzliche Stahlträger stützen jetzt neben den Betonpfeilern die Decken ab. Wöchentlich kontrolliert ein Statiker die Entwicklung. Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) befürchtet wegen der "immer größer werdenden Risse" die Schließung der Grundschule für 260 Kinder.

Im Norden der Stadt mit ihren 40 000 Einwohnern haben die Besitzer von fast einem Dutzend Wohnhäusern gleichfalls Beschädigungen festgestellt. OB Klopfer geht derzeit von Schäden "im zweistelligen Millionenbereich" aus. "Die Lage ist höchst besorgniserregend", beschreibt er die Lage. Baubürgermeisster Andreas Stanicki sah "fingerdicke Risse" in den Privathäusern, "da ist richtig Bewegung drin".

Die Schuld an den durch Senkungen entstandenen Rissen geben Experten einer Firma, die im Oktober 2008 offenbar nicht ordnungsgemäß Bohrungen für zwei 115 Meter tiefe Erdwärmesonden ausgeführt hat. Bisher drangen die Rohre meist nur bis 40 Meter Tiefe vor. Die Hohlräume - kaum 200 Meter von der Schule entfernt - seien nicht fachgerecht verpresst, der Stand der Technik sei nicht beachtet worden, berief sich Rathaus-Sprecher Jörg Aschbacher auf Erkenntnisse der Fachleute. "Wir bereiten uns auf alle Eventualitäten vor, falls die Senkungen nicht zur Ruhe kommen", sagte Aschbacher.

Durch das Anzapfen der Erdwärme floss Grundwasser aus oberen Gesteinsschichten in die Tiefe. "Die hydraulische Trennung von Gipskeuper- und Muschelkalkgrundwasser muss wieder hergestellt werden", erklärte das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg. Der Waiblinger Vize-Landrat Bernd Friedrich drückte sich einfacher aus: "Der Stopfen muss wieder ins Loch."

Friedrich bezeichnete das Ausmaß in Schorndorf als "zweitschlimmsten Fall nach Staufen", wo die Altstadt großflächig von Rissen nach Hebungen, gleichfalls ausgelöst durch Bohrungen, betroffen ist.

Nach einer für Januar vorgesehenen Erkundungsbohrung könnte das Schorndorfer "Loch" aufgefüllt werden, wahrscheinlich mit Ton. Das Umweltministerium stellt dafür 300 000 Euro bereit. Der Betrag wird als "Ersatzvornahme" verbucht, weil die Bohrfirma sich keiner Schuld bewusst ist und auch nicht zahlen will. Stadt und Hausbesitzer müssten daher ihren Schadenersatz vor Gericht erstreiten.

Oberbürgermeister Klopfer hat in einem Brief an Umweltministerin Tanja Gönner und Wirtschaftsminister Erwin Pfister "nachdrücklich" eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen verlangt: "Es muss sichergestellt sein, dass bei Vorliegen schwieriger geologischer Verhältnisse Geothermie-Bohrungen in Tabu-Zonen" verwehrt werden können." Bisher genügte für den Bereich Schorndorf eine Information des Landratsamtes als "vereinfachtes Verfahren".

Für Klopfer, in dessen Stadtgebiet bereits 28 Mal Wärme aus der Tiefe geholt wird, ist es notwendig, größere Schutzzonen auszuweisen. Sicherheit müsse "absoluten Vorrang" haben. Denn: "Das Schadensrisiko bei fehlerhaften Bohrungen ist immens."

Dem Umweltministerium sind über 10 000 verlegte Erdwärmesonden bekannt. Außer in Staufen und Schorndorf, sagte Karl Franz, "haben wir von keinen Problemen gehört". Möglicherweise wird allerdings nicht immer erkannt, welche Folgen die Bohrungen haben können. In einem anderen Viertel von Schorndorf klagen Hausbesitzer ebenfalls über Senkungen. Doch zwei Gutachter nannten als Grund dafür die Auswirkungen des Klimawandels.

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Erstellt:
18. Dezember 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Dezember 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2009, 12:00 Uhr

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