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Sauter – ein Paradebeispiel für den Arbeitskampf
Vereint gegen Tarifflucht: Beschäftigte aus der Region beim Streik vor der Firma Sauter in Metzingen. Bild: Haas
Über den jüngsten Erfolg der IG Metall

Sauter – ein Paradebeispiel für den Arbeitskampf

Der Arbeitskampf bei der Metzinger Firma Sauter, der in dieser Woche mit der Rückkehr des Betriebs in die Tarifbindung zu Ende gegangen ist, kann durchaus als Paradebeispiel dafür gesehen werden, was die IG Metall erreichen kann und wofür eine solche Gewerkschaft letztlich steht.

24.02.2018
  • Thomas de Marco

„Im vergangenen Jahr bin ich von der Geschäftsleitung noch völlig ignoriert worden. Sie wollte die Gewerkschaft nur aus dem Haus haben und mit dem Betriebsrat eigene Vereinbarungen treffen“, sagt Michael Bidmon, der Verhandlungsführer der IG Metall. Das ist gründlich schiefgegangen.

Der Tarifvertrag bedeute, dass die IG Metall auf jeden Fall als Verhandlungspartner im Betrieb präsent bleibe, erklärt Gewerkschaftssekretär Bidmon. Der Betriebsrat sei etwa bei Lohnforderungen nur ein „zahnloser Tiger“: Denn was dieser aushandle, sei rechtlich nicht gültig – mithin sei der Betriebsrat da nur Bittsteller.

Der Arbeitskampf in Metzingen hat aber auch gezeigt, dass es der IG Metall mitnichten nur darum geht, mehr Geld für die Beschäftigten herauszuholen. Denn die verdienen nun einiges weniger als in den übrigen Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie, für die der Flächentarifvertrag gilt. „Aber die Sicherheit des Tarifvertrags ist wichtig“, betont Bidmon. Der garantiere Verhandlungen in einem gegenseitigen Kräfteverhältnis von Geschäftsführung und Gewerkschaft.

Mit den nur moderaten Gehaltserhöhungen habe die IG Metall Rücksicht auf die finanziellen Verhältnisse bei Sauter genommen, sagt der Verhandlungsführer. Auch das ein Paradebeispiel, wofür die Gewerkschaft steht. „Aber dazu hätte es nicht so eine Auseinandersetzung gebraucht. Da hätte der Geschäftsführer nur auf uns zukommen müssen“, sagt Bidmon. Schon in der Vergangenheit habe die IG Metall finanzielle Schieflagen von einzelnen Betrieben sehr wohl im Blick gehabt: „Wafios haben wir mehrfach aus der Tinte geholt, Burkhard+Weber würde es ohne uns vermutlich gar nicht mehr geben“, betont der Gewerkschaftssekretär. Dass ein Tarifvertrag der Strick um den Hals des Arbeitgebers sei, „das ist ein Ammenmärchen“.

Was bei Sauter nun durch fünf Streiktage erreicht worden ist, gehe nur über den Zusammenhalt der Belegschaft, stellt Bidmon klar. „Es hätte auch schieflaufen können, wenn der Kampfgeist zusammengebrochen und viele Beschäftigte zur Arbeit zurückgekehrt wären.“ Deshalb lote die Gewerkschaft vorher aus, ob genügend Kampfbereitschaft da ist. „Denn nach einem verlorenen Arbeitskampf brauchen wir uns zehn Jahre lang gar nicht mehr in dem Betrieb sehen lassen.“

Bidmon selbst lag nach dem Erfolg in Metzingen erst einmal krank im Bett. Denn während der Streiktage jeden Morgen um 3 Uhr aufstehen und bis 21 Uhr vor den Werkstoren aktiv sein – das geht an die Substanz. Der euphorische Applaus für die Betriebsratsvorsitzende Manuela Dankesreiter und für ihn auf der Betriebsversammlung am Dienstag, als das Ergebnis verkündet wurde, hätten ihn aber für die Strapazen entschädigt, sagt Bidmon. Und er ist froh, dass so eine Auseinandersetzung auch nicht jedes Jahr ansteht.

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24.02.2018, 01:00 Uhr
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