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Saudi-Arabien wehrt sich in Zeitungsanzeige mit ungelenker PR-Kampagne gegen den Vorwurf, islamistis
Soll PR befohlen haben: Mohammed bin-Salman (links), hier mit Innenminister Mohammed bin-Nayef. Foto: afp
"Unwillkommene Umgebung für Terroristen kreiert"

Saudi-Arabien wehrt sich in Zeitungsanzeige mit ungelenker PR-Kampagne gegen den Vorwurf, islamistische Extremisten zu fördern

Destabilisiert Saudi-Arabien den Nahen Osten? Der BND warnt davor. Das Königreich wehrt sich mit einer PR-Kampagne in der FAZ.

14.12.2015
  • MARTIN GEHLEN

Bewunderer nennen den Unbekannten unter anderem den "Julian Assange von Saudi-Arabien". Wer sich hinter den Twitter-Leaks des Accounts @Mujtahidd verbirgt, weiß niemand. Schon seit 2011 stellt der geheimnisvolle Online-Aktivist wie kein Zweiter peinliche Details aus dem saudischen Königshaus und seinen endlosen Korruptionsskandalen ins Netz.

Einmal bereits ließen die Mächtigen in Riad den ihnen lästigen Twitter-Account blockieren, der fast 1,5 Millionen Follower hat. Nach einigen Wochen jedoch war der königliche Insider wieder online. Und so bereicherte er vergangene Woche die deutsch-saudische Kontroverse um die Warnung des Bundesnachrichtendienstes (BND) vor einer destabilisierenden Rolle des Landes mit allerlei Details. Demnach soll der 30-jährige Vize-Kronprinz Mohammed bin-Salman, auf den das BND-Urteil einer "impulsiven Interventionspolitik" vor allem gemünzt war, wütend den saudischen Botschafter in Berlin angerufen und ihm eine PR-Kampagne befohlen haben, "um die Dinge richtigzustellen". Gleichzeitig ließ der Königssohn - laut Mujtahidd - dem deutschen Botschafter in Riad durch Außenminister Adel al-Jubeir drohen, das Ganze werde Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen haben - die übliche Reaktion saudischer Gewaltiger auf auswärtige Kritik.

Die Folgen des saudischen Gewitters ließen nicht lange auf sich warten. Erst distanzierte sich das deutsche Außenministerium in ungewöhnlich scharfer Form von der Analyse des Bundesnachrichtendienstes, ein Wohlverhalten, das Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) jedoch einige Tage später in einem Interview mit dem Vorwurf zunichte machte, Saudi-Arabien exportiere islamischen Extremismus, und man dürfe darüber künftig nicht mehr hinwegsehen.

Der von Mohammed bin-Salman befohlene innersaudische Gehorsamsakt dagegen ließ wegen der geheimen internen Entscheidungsprozesse in Riad etwas länger auf sich warten und erschien nun am vergangenen Freitag in Form einer 66 000 Euro teuren, ganzseitigen Anzeige in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der eng gedruckte, sechsspaltige Text unter dem Titel "Das Königreich Saudi-Arabien - Initiativen und Aktionen zur Bekämpfung des Terrorismus" gehört zum Merkwürdigsten, was seit langem in einer deutschen Tageszeitung zu lesen war.

Beim Honorar für eine professionelle Übersetzung aus dem englischen Original wurde offenbar geknausert. Stattdessen preist das Königreich nun in ungelenkem Übersetzungsroboter-Deutsch "anti-terroristische Zielstellungen" und "taillierten Strategien gegen Radikalismus" sowie seine militärischen Operationen über Syrien "zur Besiegung des Terrorismus" an. Der mörderische Krieg im Jemen, den vor allem Vize-Kronprinz Mohammed bin-Salman zu verantworten hat, wird gerechtfertigt als "Unterstützung der Bevölkerung von Jemen und der legitimierten Regierung von Jemen". Weiter streicht das konfuse Dokument die Rolle Saudi-Arabiens bei der "Demontierung der physischen Präsenz" von Al-Kaida heraus. Auch im Königreich selbst hätten Sicherheitskräfte viele terroristische Pläne vereitelt und "eine unwillkommene Umgebung für Terroristen und Extremisten kreiert". Im Blick auf den radikalen Klerus im Land schließlich wird den deutschen Lesern versichert, "Imame wurden verboten zu Anstiftungen und Gespräche über Intoleranz zu halten".

Wer das beispiellose PR-Desaster zu verantworten hat, auch dieses Geheimnis wird @Mujtahidd wohl demnächst lüften. Der saudische Botschafter in Berlin, Ossama bin- Abdul Majed Shobokshi, jedenfalls war es wohl nicht. Er spricht perfekt deutsch: er hat in Erlangen Medizin studiert und promoviert.

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14.12.2015, 08:30 Uhr
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