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Saucen gegen Fernweh

Seit 2009 gibt es in Walddorfhäslach die Hottpott Saucen Manufaktur. Über 20 verschiedene Saucen, Pasten, Pestos, Chutneys und Konfitüren hat Gründerin Njeri Kinyanjui bereits kreiert, die sie über ihren Internetshop oder vor Ort verkauft. Jeden Freitag lädt sie zum Afrikanischen Frühstück ins gemütliche Wohnzimmer ihrer Saucenmanufaktur, für ihre Kochkurse kamen schon Teilnehmer aus Hamburg angereist und mit ihrem Catering verleiht sie so manchem Fest die kulinarische Würze.

16.03.2018
  • TEXT: Evi Miller|FOTO: Unternehmen

Ein Hobby ist ein Hobby. Zwei Hobbys können zum Unternehmen werden, zumindest wenn die Gründerin Njeri Kinyanjui heißt und ihre Hobbys Reisen und Kochen sind. „Ich bin schon immer gern und viel gereist. Einmal im Jahr besuche ich meine Familie in Kenia. Letztes Jahr war ich in Thailand. Zuvor in Bali. Oft verbinde ich die Reise mit einem Kochkurs, so dass ich immer neue Ideen mit nach Hause bringe“, sagt Njeri Kinyanjui. Zehn Jahre wohnte sie nahe der Grenze zu Frankreich – auch im Nachbarland fand sie viele Anregungen für ihre Saucen. Am allerwichtigsten für ihre kreativen Rezepte ist aber immer das eigene Ausprobieren. „Und ich habe sehr viel ausprobiert“, sagt sie. Mit anderen Worten heißt es auf ihrer Homepage: „Mit afrikanischer Gelassenheit und einer Portion schwäbischer Tüchtigkeit nehmen wir uns viel Zeit für unsere exotischen und leckeren Kreationen.“ Auch dank gewagter Kombinationen, wie zum Beispiel Pflaume mit schwarzem Pfeffer oder Rhabarber mit Kardamom, und exotischer Gewürze aus aller Welt, verleiht sie ihren Produkten einen ganz eigenen Charakter. Scharf und würzig wie zum Beispiel in den Curry- und Zitronengraspasten. Oder mild exotisch mit frischem Koriander. Schon die Namen Hottstuff Afrika, Salsa Hasira oder Sina Macosa – was in Swahili übrigens so viel heißt wie fehlerfrei – stimmen auf den exotischen Genuss ein.

Ihre ersten Saucen machte sie übrigens als Schülerin, damals im Internat in Kenia: „Das Essen in der Mensa schmeckte so fad, dass wir Mädchen uns unsere eigenen Gewürze mischten und im Glas mitnahmen“, erinnert sie sich. Der Prototyp der grünen Soße bestand aus Koriander, Zwiebeln, Zitronensaft, Tomate. Damals verarbeitete sie die Gewürze frisch, wie allgemein üblich in Afrika. Dass man Gemüse und Obst auch einkochen und damit haltbar machen kann, erfuhr Kinyanjui erst in Deutschland.

Als 1981 die einzige Universität in Kenia wegen eines Putschversuchs geschlossen wurde, ging Njeri Kinyanjui nach Berlin, um Volkswirtschaftslehre zu studieren. Dort lernte sie ihren Mann kennen. Nach einem Umzug dessen Heimatstadt, nach Reutlingen, schloss Kinyanjui ihr Studium in Tübingen ab. Dann zog es die Familie weiter nach Freiburg. Für die junge Mutter mit zwei kleinen Kindern keine einfache Zeit: die nicht vorhandene Kinderbetreuung machte das Arbeiten erst einmal unmöglich. „Ich bin zehn Jahre zu Hause geblieben und konnte viel ausprobieren, auch kochen und reisen“, sagt Kinyanjui und fügt lachend hinzu: „Dafür kann ich ja jetzt so viel arbeiten wie ich will.“ Ihre Tochter studiert heute an der gleichen Universität in Berlin, ihr Sohn hat sein Ingenieur-Studium bereits beendet.

Ihre berufliche Karriere nahm mit der Rückkehr nach Reutlingen und einer Weiterbildung in Stuttgart Fahrt auf. Sie fand eine Anstellung in der Lebensmittelbranche. Das Problem: „Ich war nicht so richtig ausgelastet und dachte immer, ich könnte mehr machen“, beschreibt sie ihre damalige Situation. Und eigentlich wollte sie sich ja auch schon immer selbstständig machen. „Meine Mutter, meine Oma, meine Tanten sind selbstständig. Auch ich wollte Unternehmerin werden“. Den Schritt in die Selbstständigkeit wagte sie 2009. Zuerst als Garagenstart-up. 2011 zog sie in eine ehemalige Gaststätte direkt an der Durchgangstraße von Walddorfhäslach und hat jetzt alles was sie braucht an einem Standort: Lagerräume, Küche und ein gemütliches Wohnzimmer. Mittlerweile geht das Geschäft so gut, dass ihr zwei Mitarbeiter beim Saucenkochen und den Events helfen. Außerdem hat sie Geschäftsbereiche ausgesourct, nämlich das was sie besonders gut kann, sagt die studierte Volkswirtin mit einem Augenzwinkern: „Buchhaltung und Steuer“. Die Saucenmanufaktur Hottpott wird nicht nur im Ort gut angenommen – ihre Saucen sind auch gern gesehene Geschenke und Mitbringsel – auch von weiters her finden die Leute den Weg nach Walddorfhäslach. Vom Bodensee oder selbst Hamburg kamen schon Teilnehmer zum afrikanischen Kochkurs. Das Internetgeschäft läuft ebenfalls gut.

Gleichwohl findet sie Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Seit 2014 ist sie Vorbildunternehmerin der vom Bundesministerium ins Leben gerufenen Initiative „Frauenunternehmen“, besucht Schulen und hält Vorträge, um Frauen und Mädchen für das Berufsbild „Unternehmerin“ zu begeistern. Sie ist auch Stadträtin im Reutlinger Gemeinderat und im Vorstand des Reutlinger Dachverbands BIM, Bildung in Migrantenhand. „Ich bin ausgelastet“, sagt Njeri Kinyanjui zufrieden. Sie würde es anders auch kaum haben wollen. Sie gehört zum Stamm der Kikuyu, deren Frauen emanzipiert, fleißig und geschäftstüchtig sind. „Ein Kikuya würde nie in Miete leben, sondern baut sich ein eigenes Haus“, sagt Kikuyu. Die Redensart „schaffe, schaffe Häusle bauen“, scheint also nicht nur auf Schwaben zu passen. Neben der schwäbischen Tüchtigkeit steckt übrigens auch eine gute Portion schwäbische Zutaten in der Produktion der Hottpott Saucen Manufaktur. Das heimische Obst und Gemüse stammen aus dem eigenen Gütle in Altenburg.

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16.03.2018, 07:07 Uhr
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