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"Für uns beide eine Herausforderung"

Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch sind neue Fraktionschefs der Linken im Bundestag

Die Bundestagsfraktion der Partei Die Linke hat eine neue Spitze gewählt. Von nun an führen Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch die Abgeordneten. Davon, wie einig sie sich dabei sind, hängt viel ab.

14.10.2015
  • ANDRÉ BOCHOW

Berlin Drei Empfehlungen gestattet sich Gregor Gysi, als er zum letzten Mal als Vorsitzender eine Fraktionssitzung eröffnet. Die ersten beiden beziehen sich darauf, dass seine Nachfolger doch bitte als Chefs aller linken Bundestagsabgeordneten agieren mögen und nicht als Vorsitzende bestimmter Gruppierungen. Links von Gysi sitzt Dietmar Bartsch, rechts Sahra Wagenknecht. Ob sie wirklich zuhören, ist nicht ganz klar. "Und drittens", sagt Gysi, "macht nicht den Fehler und vernachlässigt Euer Privatleben. Das bereut man später." Und als ob das nicht ohnehin allen klar ist: "Ich habe diesen Fehler begangen und es tut mir heute sehr leid."

Gysi hat das so ähnlich schon auf dem Parteitag in Bielefeld gesagt. So wie er jetzt da sitzt, sieht er für den Moment traurig aus. Kein Zweifel: Das beschäftigt ihn. Auch einige in der Fraktion wirken bedrückt. Gewiss aber nicht alle. Trotzdem: Alle wissen, dass hier etwas zu Ende geht. Dann muss die Presse den Fraktionssaal verlassen.

Als Gysi nach einer Stunde herauskommt, ist er, wie er sagt, "nur noch einfacher Abgeordneter". Zur Befragung durch die Medienvertreter, zu der Wagenknecht und Bartsch von der Bundespressekonferenz eingeladen wurden, kommt er schon nicht mehr mit.

Das erste Wort hat Bartsch. Überhaupt lässt Wagenknecht dem früheren Intimfeind an diesem Nachmittag häufig den Vortritt. Bartsch erinnert erst einmal an die Vergangenheit. "Es ist sicher so, dass vor drei Jahren noch niemand gedacht hätte, dass es eine solche Doppelspitze geben würde." Ganz stimmt das eigentlich nicht. Auch vor dem Göttinger Parteitag, der die Linken fast zerrissen hätte, fanden viele Genossen, dass das gemischte Doppel eine vernünftige personelle Lösung für den Parteivorsitz wäre. Das war aber seinerzeit nicht mehrheitsfähig. In der Fraktion war an Gysi kein Vorbeikommen. Der stellte seine eigene Kompromissfähigkeit nicht zu sehr auf die Probe und verweigerte die gemeinsame Führung mit Sahra Wagenknecht.

Nun sagt Wagenknecht über sich und Bartsch, "die Wahl ist für uns beide eine Herausforderung". Ihr Duett-Partner versichert, beide würden "in 90 Prozent aller Fragen übereinstimmen". Und was gehört zu den 10 Prozent, die übrigbleiben? "Sahra, such dir mal was raus", sagt der Mann aus Vorpommern und dann sind es Europa und der Euro, die strittig sind. Aber so sei das eben in ihrer lebendigen Partei.

Sahra Wagenknecht braucht keine zehn Sekunden, dann ist sie beim "Staatsversagen der Großen Koalition in der Flüchtlingskrise", bei der "Kluft zwischen arm und reich" und bei der Umverteilung. Mit einer Reichensteuer ließe sich auch das Flüchtlingsproblem lösen. Zwar ist Bartsch der Meinung, die Haushaltslage im Bund sei so gut, dass man erst einmal kein zusätzliches Geld brauche, aber den Reichen will auch er an den Kragen. "Zweites wichtiges Thema", so Bartsch, "Krieg und Frieden". Es fallen die Stichworte, Saudi-Arabien, Jemen und die deutschen Waffenexporte. Die beiden schaffen es locker, sich die Bälle zuzuspielen. Man verweist auf ein gemeinsames Positionspapier und ist sich auch in der Beurteilung der SPD einig. "Wir werden im kommenden Wahlkampf eine Koalition mit Merkel ausschließen", sagt Bartsch lächelnd. "Mal sehen, wer da noch mitmacht." Wagenknecht hört das gern und schiebt nach: "Wir wünschen uns eine sozialdemokratische SPD." Auch das bessere Wahlergebnis von Bartsch trübt die Harmonie nicht. Er freut sich über "unser gutes Ergebnis."

Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch sind neue Fraktionschefs der Linken im Bundestag
Lachend vereint: Die neu gewählten Fraktionsvorsitzenden der Partei Die Linke im Bundestag, Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht. Foto: dpa

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14.10.2015, 12:00 Uhr
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