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Sack voller Bonbons
Der spanische Bildhauer Jaume Plensa hat einen Skulpturenplatz auf der Art Karlsruhe gestaltet. Foto: Gerda Meier-Grolman
"Mensch. Markt. Kunst": Die Art Karlsruhe in ihrem dreizehnten Jahr

Sack voller Bonbons

Wie eine Kunstmesse mit großem Eifer versucht, ihr eigenes Erscheinungsbild aufzupolieren und zu schärfen, das ist jetzt bei der 13. Art Karlsruhe gut zu beobachten. Ein Rundgang zur Eröffnung.

18.02.2016
  • BURKHARD MEIER-GROLMAN

Karlsruhe. Bei mehr als 200 beteiligten Ausstellern darf es nicht verwundern, dass man beim Flanieren von Koje zu Koje über die gegensätzlichsten Kunstprodukte stolpert. Da finden sich gediegen altmeisterlich gepinselte Ölschinken direkt neben schrill-pinkbunten, aus Abfallresten gezauberten Objekten. Und es funktioniert wie beim Karnevalsumzug: Um das Publikum bei Laune zu halten, sollte man eben einen prallen Sack voller Bonbons bereithalten und die dann alle paar Meter mit Schwung in die Menge werfen. Eine nicht nur regional beachtete Kunstmesse, die ins dreizehnte Jahr geht, sollte aber trotz allem Brimborium darauf achten, dass bei der Abwicklung nicht die Routiniers das Sagen haben.

Wenn also der Ideengeber für die Art Karlsruhe, wenn der Patriarch Ewald Karl Schrade erklärt, es sei Jahr für Jahr eine Freude, mit Künstlern, Ausstellern und Besuchern über Kunst zu sprechen und damit zu erreichen, dass immer mehr Menschen die Kraft der Kunst spüren, dann ist das aller Ehren wert. Aber es reicht bei weitem nicht aus, um im international gesteuerten Ranking der Kunstmessen einen Logenplatz zu ergattern. Da muss noch mehr passieren, und aus diesem Grund wird in den Karlsruher Messehallen draußen in Rheinstetten auch gründlich nach Alleinstellungsmerkmalen gesucht. Natürlich sind die Organisatoren so clever, dass sie auch fündig werden. Es sind zwar nicht die ganz großen Fische, die da ins Netz gehen, aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist.

So wird beispielsweise der Sponsor SWR ins Messe-Boot geholt. Der in Baden-Baden beheimatete Südwestrundfunk streute gleich zu Beginn der Art Karlsruhe Glitzerstaub über die Messekojen, indem er zu seinem ersten Kulturtalk die Direktorin des Frankfurter Museums für moderne Kunst, Susanne Gaensheimer, einbestellt hatte. Diese Dame heimste immerhin bei der Kunstbiennale in Venedig mit ihrer Schlingensief-Hommage im deutschen Pavillon den Goldenen Löwen ein und in diesem Frühsommer wird sie die Kleinplastik-Triennale in Fellbach bei Stuttgart kuratieren.

Andere Prominenz war zum Auftakt ebenfalls vor Ort. Denn der seit jeher kunstaffine Karlsruher Hausphilosoph Peter Sloterdijk durfte die Messeeröffnungs-Laudatio halten. Höhere Weihen beschert sich die Karlsruher Art mitunter auch selbst, indem sie in den eigenen Galeristenkreisen nach Vorzeigekandidaten beziehungsweise Vorzeigekandidatinnen forscht. So wurde beispielsweise die Lüpertz-Tochter Anna Jill erst kürzlich in den Messebeirat berufen; außerdem präsentiert sie in ihrer Koje Künstlerinnen und Künstler, die die Bemühungen der Messeleitung, die ganz aktuelle Kunstszene nach vorne zu bringen, stützen.

Im Beiprogramm der Art Karlsruhe geht es auch 2016 wieder darum, Ausrufezeichen zu setzen. Wenn hier eine Sonderschau angekündigt wird, dann muss sie Besonderheiten aufweisen. Die jetzt eingeladene Kirchner-Stiftung aus dem schweizerischen Davos bringt also nicht ausschließlich Meisterstücke des Expressionisten nach Karlsruhe. Nein, Ernst Ludwig Kirchner wird, was keiner vermutet hätte, als nicht ganz unbegabter Fotograf vorgestellt.

Und auch die badische Messmer-Foundation aus Riegel am Kaiserstuhl darf mit einer Überraschung aufwarten. Sie macht die rund 50 000 Kunstfreunde, die sich vermutlich an diesen fünf Messetagen in den Rheinstettener Hallen tummeln werden, mit dem nahezu unbekannten Schweizer Maler André Evard (1876-1972) bekannt, einem Künstler, der schon 1913 mit kubistischen und konstruktiven Bild-Kompositionen experimentierte und so eigentlich in die erste Reihe der eidgenössischen Avantgardisten gestellt werden muss.

Nur muss man sich beim diesjährigen Messeslogan "Mensch. Markt. Kunst" fragen, wo da die Erfindungsgabe der Organisatoren abgeblieben ist. "Mensch. Markt. Kunst", das klingt natürlich ungeheuer bombastisch, es sind aber im Grunde doch völlig abgegriffene und leergepumpte Worthülsen, in die man so gut wie alles stopfen kann.

Zugegeben, hier in den Karlsruher Hallen bewegen sich jede Menge Menschen. Zugegeben, das hier hat schon sehr viel mit Markt zu tun, und mit Kunst wird hier tatsächlich kräftig gehandelt. Aber wer will schon glauben, dass wegen dieses ziemlich einfältigen Messe-Mottos eine ganze Besuchermeute ihren warmen Platz hinter dem Ofen aufgibt und sich in Richtung Karlsruhe in Bewegung setzt.

Von einem weiteren Alleinstellungsmerkmal kann hier also wirklich keine Rede sein.

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18.02.2016, 08:30 Uhr
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