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Helvetiens Volkstribun

SVP stärkste politische Kraft in der Schweiz - Partei-Schwergewicht Blocher kämpft gegen EU und Migranten

Der rechtsnationale Milliardär Blocher keilt gegen Fremde und dominiert die Schweizer Politik. Gestern gewann seine Schweizer Volkspartei die Wahl.

19.10.2015
  • JAN DIRK HERBERMANN

Ein älterer Herr schlurft zu einem großzügigen Swimmingpool, im Hintergrund glänzen die Alpen. Auch eine schneeweiße Villa mit einem Turm ist zu sehen. Der Herr springt ins Wasser. Es ist Christoph Blocher. Der Werbe-Videoclip für die Schweizer Parlamentswahlen, die gestern mit einem großen Erfolg für Blocher und dessen Schweizer Volkspartei (SVP) endeten, zeigt das private Refugium des rechtsnationalen Politikers, gelegen in Herrliberg an der Zürcher Goldküste: Es ist eine streng geordnete, blitzsaubere Welt, eine Welt in der außer Blocher kein Mensch zu sehen ist.

So wie Blocher im Video niemanden neben sich duldet, so duldet der 75-jährige Milliardär auch in der Politik niemanden, der ihm die Schau stehlen könnte. Weder in der SVP noch in der Regierung, die nach der Wahl gestern weiter nach rechts rücken dürfte. Ersten Hochrechnungen und Prognosen zufolge gewann die SVP rund ein Drittel der Parlamentssitze. Nach einer Teil-Auszählung der Stimmen zusammen mit Prognosen kommt die Partei auf 65 von 200 Sitzen, wie die Schweizer Nachrichtenagentur SDA gestern Abend meldete. Damit baut die SVP, deren bisheriges Rekordergebnis 62 Sitze bei den Wahlen im Jahr 2007 war, ihre Führungsposition weiter aus. Die Partei würde demnach elf Sitze im Nationalrat hinzugewinnen.

Blocher kämpft für einen schroffen, isolationistischen Kurs. Sein Credo: "Die Schweiz muss frei bleiben." Blocher hetzt gegen Migranten und die EU. Dabei spricht er nur ungern über seine deutschen Vorfahren väterlicherseits, es waren Bauern aus Württemberg.

Blocher polarisiert - man liebt ihn oder man verachtet ihn. "Christoph Blocher ist eine Ausnahmeerscheinung, ich empfinde Bewunderung und Dankbarkeit für ihn", sagt der Journalist und SVP-Politiker Roger Köppel. Bei der Linken fällt das Urteil genauso klar aus: "Blocher ist ein gefährlicher, reaktionärer Autokrat, dem wir nicht die Macht geben dürfen", sagt Jean Ziegler, früherer sozialdemokratischer Abgeordneter und Buchautor.

Doch selbst Gegner müssen gestehen: Blocher hat aus der verschlafenen Volkspartei eine schlagfertige Truppe geformt. Seit Jahren lässt die SVP ihre Muskeln spielen und vollführt das Kunststück, in der Regierung mitzumischen und sie gleichzeitig als Opposition vor sich her zu treiben. Fast im Jahres-Rhythmus erzwingt die Partei kontroverse Volksabstimmungen - 2014 sagten die Eidgenossen Ja zum SVP-Plan zur Drosselung der "Masseneinwanderung".

Zwar brütet Blocher die meisten SVP-Initiativen aus, doch der frühere Chemie-Unternehmer und Ex-Justizminister übernahm nie den Vorsitz der Partei. Vielmehr überlässt er willfährigen Gefolgsleuten die Kärrnerarbeit der nominellen SVP-Führung. Er selbst ist Vizepräsident und führt Dauerwahlkampf. Kein anderer Schweizer Politiker füllt Hallen wie er: Vor den Massen schlüpft Blocher in die Rolle eines naiven Büttenredners, eines Verkünders, eines Zuchtmeisters. Der 75-Jährige setzt auf brachialen Humor und Härte. "Die Zuhörer waren benommen von der Kraft, der Sicherheit und der Wahrheit der Rede", hielt der Psychologe Andreas Iten schon vor Jahren fest. "Ja, es war fast unheimlich, wie diese Rede wirkte."

Damit seine markigen Botschaften permanent ankommen, bastelt der Volkstribun auch an einem Medienreich. Blocher spannte die Zeitung Weltwoche für sich ein, übernahm offiziell 33 Prozent der Basler Zeitung und warf auch schon ein Auge auf das Prestigeobjekt der Schweizer Publikationen, die renommierte Neue Zürcher Zeitung. Wer Blocher regelmäßig verfolgen will, dem bietet er "Blocher-TV" an: Kurz vor den Wahlen am Sonntag flimmerte die 423. Folge über Blochers Webseite.

SVP stärkste politische Kraft in der Schweiz - Partei-Schwergewicht Blocher kämpft gegen EU und
Triumph der SVP: Christoph Blocher hat Grund, sich zu freuen. Foto: afp

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19.10.2015, 12:00 Uhr
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