Scharfes Geschütz der Kritiker

S-21-Aktionsbündnis droht Bahn-Aufsichtsräten

Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erhöht den Druck auf die Aufsichtsräte der Bahn. Sollten sie in ihrer Sitzung Anfang März bei dem Projekt nicht die Reißleine ziehen, drohen ihnen Strafanzeigen.

21.02.2013

Von JULIA GIERTZ, DPA

Stuttgart Die Stuttgart-21-Kritiker fahren scharfes Geschütz auf: Wenn die Bahn-Aufsichtsräte sich für den Weiterbau des Milliarden-Vorhabens entschieden, werde er Strafanzeige gegen sie wegen Untreue-Verdachtes stellen, kündigte der Jurist Eisenhart von Loeper vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 am Mittwoch in Stuttgart an. Eine Entscheidung der Kontrolleure mit unabsehbaren finanziellen Folgen für den Staatskonzern wäre aus seiner Sicht eine "klare Pflichtverletzung", die von der Staatsanwaltschaft unter die Lupe genommen werden müsse, sagte von Loeper.

Die Aufsichtsräte treffen sich voraussichtlich am 5. März. Ob sie dann tatsächlich über die Zukunft des Bahnprojektes entscheiden, ist allerdings noch unklar. Das Unternehmen hatte im Dezember verkündet, dass das Projekt statt wie zuletzt 4,5 Milliarden bis zu 6,8 Milliarden Euro kosten könne. Von Loeper und der ehemalige Vorsitzende Richter am Landgericht Stuttgart Dieter Reicherter hatten vergangene Woche bereits Strafanzeigen gegen Bahnchef Rüdiger Grube und Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs eingereicht. Das Aufsichtsgremium soll auch ein eigenes Gutachten zu Haftungsrisiken in Auftrag gegeben haben.

Zugleich wollen die S-21-Gegner der Bahn den Ausstieg aus dem Vorhaben erleichtern. Um dem Unternehmen Angst vor Schadenersatzforderungen zu nehmen, müssten das Land und die Stadt auf schon geflossenes Geld verzichten. Das Land müsste dann 112,7 Millionen Euro abschreiben.

Nach einem vom Aktionsbündnis geforderten Ausstieg müsse der Kopfbahnhof saniert werden. Dafür veranschlagen die Kritiker 20 bis 50 Millionen Euro. In einem zweiten Schritt müssten mit Beteiligung der Bürger Alternativen entwickelt werden, etwa die Modernisierung der bestehenden Trasse nach Ulm oder eine Anbindung an die Neubautrasse nach Ulm über das Neckartal.

Am kommenden Samstag erwartet das Bündnis mehrere tausend Menschen bei einer Kundgebung und einem Demonstrationszug unter dem Motto "Endstation Stuttgart 21 - bitte alle aussteigen".

Konzernzentrale der Deutschen Bahn in Berlin: S-21-Gegner fordern den Aufsichtsrat auf, gegen den Weiterbau zu stimmen. Foto: DB AG/Max Lautenschläger

Zum Artikel

Erstellt:
21. Februar 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Februar 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2013, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App