Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Putin freut sich über deutsche Besucher

Russlands Wirtschaft befindet sich in schlechter Verfassung - Investoren bleiben aber an Bord

In der Krim-Krise warnt die Weltbank vor einer Rezession in Russland. Experten mahnen schon lange eine Modernisierung an. Dass deutsche Investoren trotz des Streits zu Putin reisen, kommt im Kreml gut an.

29.03.2014

Von DPA

Moskau Kapitalflucht, Abschwung, massive Inflation: Es ist ein extrem hoher Preis, den Russlands Wirtschaft zahlen muss für die Einverleibung der Halbinsel Krim. "Angesichts des Konjunktureinbruchs muss sich der Kreml wohl auf Jahrzehnte vom Modernisierungskurs verabschieden", sagt der Moskauer Ökonom Wladimir Tichomirow. Er meint, dass der Ukraine-Konflikt die Schwächen der russischen Wirtschaft auf einen Schlag freilege - "wie unter einem Mikroskop".

Die Regierung in Moskau versucht erst gar nicht, die Lage zu beschönigen. Allein im ersten Quartal hätten Anleger 70 Mrd. US-Dollar (rund 51 Mrd. EUR) aus dem Schwellenland abgezogen, sagt der Vizeminister für Wirtschaftsentwicklung, Andrej Klepatsch.

Damit ist die Summe bereits jetzt höher als im gesamten vergangenen Jahr. Die Krim-Krise komme Russland auch weiterhin teuer zu stehen, räumt Klepatsch ein. Während sich die Weltwirtschaft insgesamt erhole, drohe Russland, den Anschluss zu verlieren, mahnen Experten.

Wladimir Putin in politischer Isolation: So sehen westliche Staatenlenker wie Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama den Kremlchef in der schlimmsten Krise seit dem Kalten Krieg. Doch Russlands Staatsmedien präsentieren ein anderes Bild. So ist der Besuch von Siemens-Chef Joe Kaeser in Putins Residenz Nowo-Ogarjowobei Moskau das wichtigste Thema der abendlichen TV-Nachrichten. Von einem "freundlichen Gespräch in vertrauensvoller Atmosphäre" schreibt die Zeitung "Kommersant". Es ist eine kleine achtköpfige Runde, die sich da gegenübersitzt - darunter ein Mann, den die USA wegen des Krim-Konflikts auf ihre Sanktionsliste gesetzt haben: Russlands Bahnchef Wladimir Jakunin. Und Russland erwartet bald schon wieder Besuch aus Deutschland: Schon im April will der Vorstandsvorsitzende der Bahn, Rüdiger Grube, nach Moskau reisen.

Die Botschaft der vom Kreml kontrollierten Medien ist klar: Es gelingt dem Westen nicht, Präsident Putin wie ein ungezogenes Kind in die Ecke zu stellen. Auch die jüngsten Aussagen von Altkanzler Helmut Schmidt, er finde Putins Haltung in der Krim-Krise "durchaus verständlich", werden von Moskauer Medien prominent platziert.

Als "bedauernswerte Propaganda" empfinden dies viele Experten in Moskau. "Russlands Wirtschaftsprobleme stammen nicht allein vom Ukraine-Konflikt - aber er hat sie verstärkt", meint etwa Nikolai Petrow vom Carnegie Center in Moskau. Bereits im vergangenen Jahr sei der Rubel stark abgesackt, und die Konjunktur habe an Schwung verloren. Die Krim-Krise sei doch jetzt eine gute Gelegenheit, die Ursachen zu beheben, sagt Petrow dem Radiosender Echo Moskwy.

Einer Prognose der Weltbank zufolge muss Moskau allein in diesem Jahr mit einer Kapitalflucht von bis zu 150 Mrd. US-Dollar rechnen. Wie zum Trotz stellte Russlands Zentralbankchefin Elvira Nabiullina daraufhin den Banken frisches Geld vom Staat in Aussicht. Erwogen werden ungedeckte Kredite, um rasch für Liquidität zu sorgen. Und angesichts westlicher Sanktionen kündigt Putin erneut ein eigenes Bezahlsystem an, als Konkurrenz zu US-Kreditkartenanbietern. Mastercard und Visa haben vorübergehend Dienste für russische Banken eingestellt.

Der russische Präsident Wladimir Putin (links) empfing diese Woche Siemens-Chef Joe Kaeser. Er war sichtlich angetan von diesem Besuch. Foto: afp

Zum Artikel

Erstellt:
29. März 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. März 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. März 2014, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+