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Russland betrachtet Einladung als Provokation - Im Land selbst herrscht Uneinigkeit
Demnächst Mitglied? Montenegros Außenminister Igor Luksic (links) und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Foto: afp
Montenegro darf der Nato beitreten

Russland betrachtet Einladung als Provokation - Im Land selbst herrscht Uneinigkeit

Montenegro ist eingeladen, der Nato beizutreten. Russland, das traditionell enge Beziehungen zu dem kleinen Balkanstaat hat, sieht darin eine Provokation. Und auch die Montenegriner sind skeptisch.

03.12.2015
  • NORBERT MAPPES-NIEDIEK

Brüssel. Bis zuletzt war die Entscheidung umstritten, erst am Dienstag hatten die Nato-Botschafter ihren Ministern grünes Licht gegeben: Montenegro ist eingeladen, 29. Mitglied des Atlantikpaktes zu werden. Nach anderthalb Jahren Verhandlungen und Ratifizierungen wird der endgültige Beitritt des kleinsten Balkanlandes nun für Mitte 2017 erwartet.

Umstritten ist der Nato-Beitritt auch in der nur 620 000 Köpfe zählenden Bevölkerung des Landes: 47 Prozent sind dafür, 38 Prozent dagegen. Die Zahlen markieren eine Spaltung der Gesellschaft, die sich vor zehn Jahren aufgetan hat. Ein großer Teil der überwiegend orthodoxen Bevölkerung, besonders an der Küste, und die nationalen Minderheiten traten damals entschieden für die Unabhängigkeit Montenegros von Serbien ein. Ein nicht minder großer Teil der ethnischen Montenegriner, vor allem im Norden des Landes, wollte bei Serbien bleiben. Im Mai 2006 schließlich stimmten 55,5 Prozent der Bevölkerung für die Unabhängigkeit, 44,5 Prozent dagegen.

Die unterlegenen, pro-serbisch eingestellten Montenegriner deklarieren sich bei Volkszählungen seither überwiegend als Serben. Das Nationalgefühl bestimmt auch ihre Haltung zur Nato: Im Mutterland Serbien, das während des Kosovo-Krieges 1999 von der Nato bombardiert wurde, wäre ein Beitritt zum Bündnis nicht durchsetzbar, weshalb in Serbien auch die pro-europäischen Parteien auf militärische Neutralität setzen. Die serbisch fühlenden Montenegriner schließen sich ihnen an.

Neben Montenegro wollen auch Georgien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien Nato-Mitglieder werden. Doch es gibt Widerstand: Schon eine Einladung an die drei Balkanstaaten nannte Russlands Außenminister Sergej Lawrow eine "Provokation", denn damit würde das System der "gleichen und geteilten Sicherheit in Europa" unterwandert.

Gerade zwischen dem großen Russland und dem kleinen Montenegro sind die historischen Bande besonders eng, seit St. Petersburg sich 1878 für die Unabhängigkeit des damaligen Fürstentums einsetzte. Wiederbelebt wurde das Verhältnis in den 2000-er Jahren, als massenhaft Touristen, aber auch Investoren aus Russland an die warme Mittelmeerküste drängten. Wie andere ausländische Unternehmen auch haderten die Russen aber rasch mit der extremen Vetternwirtschaft in dem Kleinstaat. Mit Einbruch der Ukraine-Krise ging Montenegros starker Mann Milo Djukanovic dann hart auf Westkurs, schloss sich den westlichen Sanktionen an und nahm die Verschlechterung des Verhältnisses zu Moskau gern in Kauf.

Der 53-jährige Djukanovic hat sein kleines Land seit einem Vierteljahrhundert fest im Griff - mal als Premier, mal als Präsident, zwischendurch auch nur als sozialistischer Parteichef. Wenigstens der EU-Beitrittsprozess mit seinen vielen Auflagen würde dem genialen Taktiker den Garaus machen, hoffte die Opposition. Aber das Gegenteil trat ein: Die rasch wechselnden Botschafter und EU-Emissäre ließen sich blenden und freuten sich, wenn das Parlament auf einen Wink des starken Mannes hin die Gesetze beschloss, die die EU wollte.

Eine Protestwelle im Land, die schon seit Ende September anhält, richtet sich vor allem gegen die Korruption, zum Teil aber auch gegen den Nato-Beitritt. Die Korruption des byzantinischen Regimes unter Djukanovic war auch der Grund, dass die Nato mit der Beitrittseinladung zögerte.

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03.12.2015, 08:30 Uhr
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