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Russland bejubelt den Putin-Versteher Trump
Ein US-Demokrat warnt auf dem Konvent seiner Partei vor einem neuen politischen Gespann Putin/Trump. Foto: dpa
Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat erntet in Moskau Beifall, bleibt aber dem Kreml ein Rätsel

Russland bejubelt den Putin-Versteher Trump

Erstmals erlebt Russland einen US-Präsidentschaftswahlkampf, in dem ein Kandidat Moskau unterstützt. Aber richtig trauen will man keinem der Anwärter.

03.08.2016
  • STEFAN SCHOLL

Der Vizepremier der russischen Krimregierung Michail Scheremet hat den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump auf die Krim eingeladen. „Wir freuen uns über alle Freunde, die sich bei uns erholen“, sagte Scheremet der Nachrichtenagentur Ria Nowosti.

Trump ist Russlands Held des Tages. Der Republikaner erklärte am Sonntag erneut, er werde als Präsident die Anerkennung der Krim als Teil Russlands in Betracht ziehen. „Das Volk der Krim, soweit ich weiß, würde es vorziehen, bei Russland zu sein, und nicht dort, wo es früher war“, sagte Trump. Eine Aussage, die in großen Teilen der westlichen Öffentlichkeit als Skandal gewertet wurd?n. Ende März 2014 hatte die UN-Vollversammlung den Anschluss der Krim durch Russland für rechtswidrig erklärt, damals stellten sich nur 10 Länder auf die Seite Moskaus.

Trump aber verkündete außerdem, er wolle das miserable Verhältnis zu Russland verbessern. „Wenn Russland uns helfen würde, den Islamischen Staat loszuwerden, könnten wir sehr viel Geld und Menschenleben erhalten.“

Trumps Äußerungen gelten als Reaktion auf die Wahlkampfäußerungen seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton. Sie griff den Kreml wiederholt an. „Wir wissen, dass russische Geheimdienste das Nationalkomitees der Demokraten gehackt haben“, sagte sie am Sonntag. „Und wir wissen, dass Donald Trump eine Besorgnis erregende Bereitschaft zeigt, Putin zu unterstützen.“

US-Experten machten für die Cyperattacke auf den Server der Clinton-Partei die Hackergruppen Cozy Bear und Fancy Bear verantwortlich, die angeblich vorher Wirtschaftsspionage für Russland betrieben. Die Computerexperten ordnen die Hackergruppen den russischen Geheimdiensten GRU und FSB zu.

Der Kreml wies Clintons Vorwürfe zurück. Aber dass Russland zum Hauptthema des Rennens um das Weiße Haus geworden ist, kommentiert auch Putin-Sprecher Dmitri Peskow mit Genugtuung: „Die russische Karte liegt während des Wahlkampfs auf den Schreibtischen aller Washingtoner Politiker ganz oben.“ Und die Zeitung RBK-Daily titelt: „Russland führt im amerikanischen Wahlkampf.“

Die russische Öffentlichkeit erlebt im Gegensatz zu früheren Wahlkämpfen mit Donald Trump erstmals einen aussichtsreichen Kandidaten für das Weiße Haus, der Moskau offen unterstützt. „Trump ist der erste echte Oppositionelle unter den US-Politikern“, schwärmt der nationalistische Schriftsteller Eduard Limonow.

Trump wählt Worte, die man sonst eher von europäischen Rechtspopulisten hört. „Trump spricht über die Anerkennung einer russischen Krim wie Marie Le Pen oder Matteo Saldini von der Liga Nord“, sagt der italienische Osteuropa-Experte Guiseppe D'Amato. „Also wie Leute, die im Ruf stehen, sich vom Kreml finanzieren zu lassen.“

Kremlnahe Medien bejubeln den „russischen“ Schlagabtausch zwischen Trump und Clinton: „Russland ist zu einem Symbol der Tapferkeit geworden – eine mächtige, findige, erzkluge Kraft“, erklärt die Zeitung Iswestija die Heftigkeit der amerikanischen Russland-Debatte.

Allerdings rätselt man auch in Moskau, wie Trumps Außenpolitik wirklich aussehen könnte. „Der Kreml wird versuchen, Trump auszunutzen und zu manipulieren,“ sagt der Politologe Michail Vinogradow. „Aber er wird ihm nicht trauen.“ Die Internetzeitung gazeta.ru warnt schon jetzt davor, das Thema Russland könne sich im Verlauf des US-Wahlkampfes weiter aufschaukeln und die Widersprüche zwischen Moskau und Washington noch vertiefen. Und der Publizist Maxim Schewtschenko räsoniert: „Clinton und Trump sind für Russland wie Wolf und Krokodil.“

Schon wird in Moskau spekuliert, ob die Amerikaner ihrerseits Cyberattacken gegen russische Behörden gestartet haben. Wie die Nachrichtenagentur Tass am Samstag meldete, hat der Inlandsgeheimdienst FSB einen fremden Computer-Virus entdeckt, der sich Zugang zu Geheiminformationen aus 20 staatlichen- und militärischen Einrichtungen verschaffte. Die Operation sei professionell geplant und durchgeführt worden. „Die USA und Russland haben den 3. Weltkrieg im Internet ausgelöst“, kommentiert die Zeitung Nesawissimaja Gaseta.

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03.08.2016, 06:00 Uhr
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