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Rundum ein Entertainer
Billy Joel singt live nicht nur seine Hits, er erzählt auch gerne und ausführlich Geschichten zu seinen Liedern. Foto: Boris Roessler
Billy Joel gibt sein einziges Deutschlandkonzert im Frankfurter Stadion

Rundum ein Entertainer

Nach zehn Jahren war der „Piano Man“ wieder in Deutschland – für ein Konzert. Im Frankfurter Stadion wird Billy Joel von seinen Fans frenetisch gefeiert.

05.09.2016
  • CLAUDIA REICHERTER

Frankfurt. Der Mann platzierte in drei Jahrzehnten 33 Hits in den Top 40 der US-Charts, war für 23 Grammys nominiert und gewann sechs davon, wurde von Tony Bennett und Barbra Streisand gecovert und ist für so unvergessliche Ohrwürmer und Evergreens verantwortlich wie „Piano Man“ (1973), „She's Always A Woman“ (1977), „Honesty“ (1978), „Still Rock 'n' Roll To Me“ (1980) sowie, nach seinem zu Kalten-Krieg-Zeiten aufsehenerregenden Auftritt in der damaligen Sowjetunion, „Leningrad“ (1989). Mit 150 Millionen verkaufter Alben gilt er als einer der kommerziell erfolgreichsten Musiker aller Zeiten – obwohl er schon 1993 aufgehört hat Alben zu veröffentlichen. Plaketten mit seinem Namen hängen in diversen Halls of Fame, von jener für die Liedermacher bis hin zu der für gestandene Rock 'n' Roller. „An Innocent Man“ konnte 1982 als Album des Jahres nur von Michael Jacksons „Thriller“ geschlagen werden und vereinte in Deutschland solch unterschiedliche Medien wie die Frauenzeitschrift „Brigitte“ und das Musikmagazin „Rolling Stone“ in übereinstimmendem Jubel.

Der brandet noch immer auf, wenn Billy Joel an die Öffentlichkeit tritt. Obwohl es von ihm seit Jahrzehnten kein neues Material gibt, sind seine Konzerte im New Yorker Madison Square Garden traditionell ausverkauft. Doch auch wenn sein Vater Helmut gebürtiger Deutscher war und sein Halbbruder Alexander bis vor Kurzem Musikchef des Staatstheaters Braunschweig, trat der in der New Yorker Bronx geborene und aufgewachsene Sänger, Songwriter und Pianist seit zehn Jahren nicht mehr live in Deutschland auf. Auch auf seiner aktuellen Tour macht er hier nur eine Station: in der nahezu ausverkauften Frankfurter Commerzbank-Arena.

Was macht diesen leicht untersetzten braungebrannten Star mit Henriquatre-Bart so unwiderstehlich? Dass es hier trotz hervorragender Band um ihn und nur um ihn geht, illustriert der eine Spot, der zu Konzertbeginn das drehbare Rund mit Billy Joels Flügel in blaues Licht taucht. Der ganz in Schwarz gekleidete Musiker beginnt mit „Miami 2017 (Seen The Lights Go Out On Broadway)“. Dazu flackern New-York-Impressionen über die Videoleinwände. Das dürfte noch keinen vom Sitz reißen. Tut es aber: Beim ersten Akkord brandet Riesenjubel auf, viele Fans in den vorderen Rängen springen begeistert auf und bleiben das ganze Konzert über singend, tänzelnd, klatschend stehen.

Nach dem virtuos-instrumentalen „Prelude“, das in einem rockigen „Angry Young Man“ mündet, begrüßt er die Fans auf Denglisch: „I think I haven't been here for zehn Jahre!“ Und jetzt habe er keine Haare mehr, sehe aus wie sein Dad. Der Grund dafür: Er war lange auf Tour mit „diesem anderen Klavierspieler“ – Joel spielt „Piano Man“ an, bricht dann aber mit einem „Ach, scheiße!“ ab. Das ist es. Der 67-Jährige ist nicht nur ein außergewöhnlicher Musiker und Texter, sondern vermittelt wahre Freude an seiner Musik – und Humor.

Die weiteren Stücke des gut zweieinhalbstündigen Sets kündigt er oft ausführlich an, samt Entstehungsjahr und Album, begrüßt seinen anwesenden Bruder, lässt das Publikum per Akklamation wählen zwischen „Summer, Highland Falls“ und „Vienna“ und stellt nach diversen Soli, wenn es gerade passt, respektvoll seine hervorragenden Mitmusiker vor.

Vor der Doo-Wop-Hommage „The Longest Time“ stimmt er „The Lion Sleeps Tonight“ als launiges Warm-up für die später zum beachtlichen A-cappella-Chor mutierende Band an. Roadie Chainsaw darf „Highway To Hell“ singen und Gitarrist Michael DelGuidice glänzt nebenbei als Tenor in „Nessun Dorma“. Billy Joels berühmter Softrock wird nicht nur mit Hardrock und Oper angereichert, sondern auch mit Jazz, Blues, Gospel und Boogie. Er selbst haut nicht nur in die Tasten seines Flügels und singt, er nimmt auch die Mundharmonika und sogar die E-Gitarre zur Hand. „The Entertainer“ also, rundum.

Zunächst hatte der Sohn eines jüdischstämmigen Pianisten geboxt, bis er sich die Nase brach – und fing dann zum Glück auf Drängen der Mutter das Klavierspielen an. Bald spielte er in Bands, bei den Shangri-Las, den Echoes und – bevor er seinem Mitmusiker die Freundin ausspannte – im Duo Attila.

In den frühen 70er Jahren entdeckte Billy Joel schließlich solo sein Talent fürs Songwriting. Und diese in drei Jahrzehnten entstandenen Songs haben bis heute die Kraft, ein ganzes Stadion zu fesseln. Auch wenn der Sound bei den rockigeren Stücken übersteuert wirkt und das kollektive Feiern bei „We Didn't Start The Fire“, seiner meisterhaft minimalistischen Tour-de-Force durch die jüngere Geschichte, ein komisches Gefühl hinterlässt: Als Billy Joel doch noch zur Mundharmonika greift und seinen großen Hit „Piano Man“ spielt, gibt's für die bescheiden-ironisch klingende Zeile „It's a pretty good crowd for a Saturday“ Zwischenapplaus. Bei „Uptown Girl“, „Big Shot“ und „You May Be Right“ wird der Jubel ohrenbetäubend. Es ist eben „Still Rock 'n' Roll“ – nicht nur für den New Yorker, sondern für eine ganze Menge Menschen quer durch alle Altersgruppen und soziale Schichten.

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05.09.2016, 06:00 Uhr
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