B27

Rund 500 Rückmeldungen zur Endelbergtrasse

Das RP hat einen ersten Überblick über die Einwendungen zu den Plänen für den Ausbau der B27. Die Antwort auf Äußerungen kann bis zu einem Jahr dauern.

09.10.2020

Von Moritz Siebert

Am vergangenen Freitag endete die Frist für Einwendungen von Betroffenen zu den Plänen für den vierspurigen Ausbau der B27 zwischen Bodelshausen und Nehren. Diese Woche haben sich die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums (RP) eine erste Übersicht verschafft: Rund 500 Rückmeldungen zählt die Behörde.

Darunter sind 26 Stellungnahmen von sogenannten Trägern öffentlicher Belange, unter anderem zehn Leitungsträger, zwei anerkannte Umweltvereinigungen, verschiedene Fachbehörden, der Regionalverband, die Industrie- und Handelskammer sowie die Kreisbauernverbände.

Zusätzlich gingen rund 470 Schreiben von Privathaushalten ein. Davon kommen etwa 200 Schreiben aus Mössingen, 160 aus Nehren, 50 aus Ofterdingen und drei aus Bodelshausen. Die restlichen Schreiben trafen aus anderen Städten und Gemeinden ein.

Die Zahl der eingegangenen Rückmeldungen liege im Vergleich zu anderen Projekten dieser Art im normalen Rahmen, heißt es in einer Mitteilung des RP. Regierungspräsident Klaus Tappeser überrascht die Zahl nicht: „Jedes Bauvorhaben muss im Detail geprüft und abgewogen werden. Je konkreter die Maßnahme in den einzelnen Planungsschritten wird, umso klarer und greifbarer sind die Betroffenheiten.“

Die Äußerungen von Privatleuten betreffen insbesondere den Eingriff in Natur und Landschaft, verursacht durch den Bau und den Betrieb der Straße. Sie kritisieren die Variantenwahl zugunsten der Endelbergtrasse. Viele Leute fordern die erneute Bewertung einer Tunnellösung durch Ofterdingen. Häufig finde sich die Einschätzung, das Projekt sei nicht mehr zeitgemäß und widerspreche der Notwendigkeit, Klima, Arten, Natur und Landschaft zu schützen sowie die Verkehrswende zu vollziehen. So seien zu erwartende Entlastungen durch die Regionalstadtbahn nicht berücksichtigt.

Teilweise listen die Schreiben auch negative Auswirkungen auf Gesundheit und Grundeigentum. Einige Kritiker der Pläne befürchten zunehmende Schallbelastung und den Verlust von Naherholungsflächen. In der Kritik steht auch die geplante große Parkplatz-Anlage zwischen Bodelshausen und Bad Sebastiansweiler, insbesondere wegen ihrer Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zur geplanten Grünbrücke.

Landwirtschaftliche Betriebe weisen in ihren Einwendungen auf ihre Doppelbelastung durch Straße und Ausgleichsmaßnahmen hin. Auch andere betroffene Grundeigentümer und Betriebe haben sich geäußert.

Einwendungen hat auch die Gemeinde Nehren angemeldet. Hauptsächlich handelt es sich um Punkte, die Naturschutzvereinigungen gesammelt haben. Der Gemeinderat befürchtet eine deutliche Einschränkung der kommunalen Entwicklungsmöglichkeiten und stellt die Immissionsprognose in Frage.

Die Stadt Mössingen betont in ihrer Stellungnahme die verkehrliche und wirtschaftliche Notwendigkeit des vierstreifigen Ausbaus. Sie regt unter anderem verschiedene Verbesserungen bei der Anbindung der Kurklinik Bad Sebastiansweiler und des Fuß- und Radverkehrs an.

„Ich werte es als Erfolg“, kommentiert Claudia Rüll Calame-Rosset vom Bündnis „Nachhaltige Mobilität Steinlachtal“ zu den 500 Einwendungen. Das Bündnis ist eine von mehreren Gruppen, die in den vergangenen Monaten mit Spaziergängen entlang der geplanten Trasse über die Dimension des Bauprojekts informierten. „Wenn wir uns nicht um Öffentlichkeit bemüht hätten, dann wären nicht so viele Einsprüche eingegangen“, meint sie, zumal die Auslegung der Unterlagen über die Sommerferien und in Pandemiezeiten erfolgte.

Als „gute Marke“ sieht sie auch die 26 Eingänge von Trägern Öffentlicher Belange: „Das zeigt ja schon, dass Diskussionsbedarf besteht.“ Dass diese Stellungnahmen Gewicht haben werden, davon geht auch die Nehrener SPD-Rätin Tanja Schmidt aus, die sich für die Einsprüche ihrer Gemeinde eingesetzt hat. Insgesamt sieht sie die Zahl an Einwendungen auch als Erfolg des Protests der vergangenen Monate. Zwar sei die Zeit kräfteraubend gewesen, meint Claudia Rüll Calame-Rosset, das Bündnis plane aber schon die nächsten Aktionen. „Das Thema soll weiter oben schwimmen.“

Die weiteren Schritte im Planungsprozess

Die Planfeststellungsbehörde wird die eingegangenen Äußerungen erfassen und der Straßenbauverwaltung in Kürze zur Stellungnahme weitergeben. Erfahrungsgemäß werde die Beantwortung der Stellungnahmen bis zu einem Jahr oder länger in Anspruch nehmen, kündigt Regierungspräsident Klaus Tappeser an. Liegen die Rückmeldung der Straßenbauverwaltung der Planfeststellungsbehörde vor, wird diese Behörde über das weitere Vorgehen entscheiden und gegebenenfalls einen sogenannten Erörterungstermin einberufen. Zur Vorbereitung auf einen solchen Termin werden die von der Straßenbauverwaltung erarbeiteten Antworten zur Verfügung gestellt.

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Erstellt:
9. Oktober 2020, 13:56 Uhr
Aktualisiert:
9. Oktober 2020, 19:18 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2020, 19:18 Uhr

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