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Rund 200 Beschäftigte der Uniklinik wehrten sich gegen den Personalnotstand und die Dauerbelastung
Mit knallgrünen Sprechblasen protestierten Beschäftigte des Uniklinikums Tübingen gestern auf dem Holzmarkt gegen die Personalnot an den Kliniken und die Überlastung des Pflegepersonals. Bild: Metz
Die Pflegekräfte sind pflegereif

Rund 200 Beschäftigte der Uniklinik wehrten sich gegen den Personalnotstand und die Dauerbelastung

Es hat sich mittlerweile rumgesprochen: In den Kliniken fehlt es an Personal. Auch Bundes- und Landespolitiker sind hellhörig geworden – zumindest vor der Wahl. Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach erst vor wenigen Tagen, man wolle den „Personalschlüssel überarbeiten“. Deutschland hinkt anderen Ländern hinterher. Hier kümmert sich im Schnitt eine Pflegekraft um 13 Patienten.

20.09.2017
  • Ulla Steuernagel

Eine Kundgebung am gestrigen Mittag auf dem Tübinger Holzmarkt ließ rund 200 Beschäftigte des Uniklinikums deshalb richtig laut werden. Die skandierte Forderung „Mehr Personal“ wurde mit Trillerpfeifen und Johlen unterstützt. Ein ganzer Sprechblasen-Schilderwald kam hier zusammen. Auf den Plakaten stand: „Station 65, 1500 Überstunden“. Oder: „Orthopädie 31 und 31, gemeinsam 3000 Überstunden.“ Auf den Treppen der Stiftskirche setzten Demoteilnehmer die Zahl 26 347 zusammen. Diese Zahl markierte die Überstunden, die allein die anwesenden Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmer angehäuft hatten. Mit dem derzeit vorhandenen Personal müsse das Klinikum eigentlich schon am 25. jedes Monats dicht machen, sagte Verdi-Landesfachbereichsleiterin Irene Gölz.

Bei der Kundgebung wurden viele Zahlen genannt, die den Notstand deutlich machten. Allein in der Pflege fehlten 70 000 Stellen in deutschen Krankenhäusern. Der Krankenhausbetrieb, so wie er derzeit organisiert ist, „geht auf Kosten eurer Gesundheit“, warnte Gölz. Denn das hohe Berufsethos der Pflegekräfte verlange, dass zu allerletzt die Patienten unter dem Personalnotstand leiden dürften. Der Notstand habe nichts mit Fachkräftemangel zu tun, er liege allein daran, dass zu wenig Stellen ausgewiesen seien.

Dem Aufruf von Verdi zur „Pausenaktion“ wurde gestern auch an anderen baden-württembergischen Kliniken gefolgt. Laut Arbeitszeitgesetz muss spätestens nach sechs Stunden eine halbstündige Pause eingelegt werden. 75 Prozent der Beschäftigten, so ermittelte der Personalrat des Klinikums vor einiger Zeit, machen keine Pause. „Ein Skandal!“ rief Personalratsvorsitzende Angela Hauser in die Menge. Auf dem Holzmarkt legte man also eine öffentliche Pause ein. Wie viele tatsächlich ihre Arbeit zum Spaziergang in die Stadt unterbrochen hatten und wie viele ihre Freizeit zur Demonstration nutzten, blieb offen. Ein einziger Mann unter den vielen Frauen, die auf dem Holzmarkt versammelt waren, streckte jedenfalls die Hand hoch, als Hauser fragte, wer sich denn am gestrigen Tag eine Pause gewährt hatte. Hauser forderte, dass ein Mindestpersonalstand an Pflegekräften gesetzlich geregelt werden müsse, auch Regeln zum Belastungsausgleich sollten aufgestellt werden und Azubis sollten nicht weiter Personalausfälle ausgleichen müssen. Notfalls werde eine Bettensperrung erwogen. Klinikseelsorgerin Beate Schröder sprach für das im April gegründete Tübinger Bündnis für mehr Personal an den Krankenhäusern und ermunternde die Anwesenden, nicht die Hoffnung darauf zu verlieren, dass sich etwas ändert.

Unter den Solidaritätsbekundungen stach eine besonders hervor. „Ein Kollege“, so Benjamin Stein von Verdi, „hat sich entschuldigt: Herr Bamberg.“ Er wolle aber zum nächsten Aktionstag kommen.

Parteienvertreter/innen

Als Repräsentanten ihrer Parteien waren gestern die Bundestagskandidierenden Martin Rosemann (SPD), Chris Kühn (Grüne), Heike Hänsel (Linke) und Claudia Lenger-Atan (MLPD) anwesend. Die SPD, die Linke und die Grünen, so betonte Benjamin Stein, unterstützten die Forderungen der Klinikbeschäftigten schon lange.

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20.09.2017, 01:00 Uhr
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