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Auf einer Fläche von 1163 Fußballfeldern haben sich seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten

Rotwildpark ist das größte Naturschutzgebiet

Mit sieben Naturschutzgebieten nimmt Stuttgart eine Spitzenposition unter den Großstädten Deutschlands ein. Großen Anteil daran hat der Rotwildpark, der seit 75 Jahren unter besonderem Schutz steht.

28.08.2014

Von ELKE HAUPTMANN

Stuttgart Den Rotwildpark mit dem Bärenschlössle, den Wildgehegen und Parkseen, den Grill- und Spielplätzen sowie den Lehr- und Sportpfaden kennt eigentlich jeder Stuttgarter. Was heute jedoch kaum jemand weiß: Dieser Wald durfte vor 100 Jahren nur auf drei Wegen - Bärensträßle, Glemssträßle und Königsweg - betreten werden. Das damalige Jagdgebiet der Obrigkeit war umzäunt. Und an den Eingängen hatte man Eintritt zu bezahlen.

1919 wurde mit dem Ende des Königreichs Württemberg das Wild abgeschossen, der Zaun entfernt und der gesamte Park für Besucher geöffnet. Er wurde zur Attraktion. Was fatale Folgen für die Natur hatte: Innerhalb kurzer Zeit wurden die blauen und gelben Schwertlilien, Arnika und Tausendgüldenkraut geplündert. Eisvogel, Wiedehopf und Ziegenmelker wurden vertrieben.

Der Massenbesuch zeigte aber auch auf eine andere Art Wirkung: Je bekannter die Schönheit des Waldes wurde, desto mehr regte sich der Wunsch, den alten Weidewald zu erhalten und vor der drohenden Umwandlung in Nadelholz zu bewahren.

Der damalige Forstmeister Otto Feucht gab in den 1930er-Jahren den Anstoß zur Ausweisung des Naturschutzgebiets durch das Regierungspräsidium Stuttgart. 1958 wurde das Naturschutzgebiet Rotwildpark um den Schwarzwildpark und Teile des Pfaffenwalds erweitert und in "Rot- und Schwarzwildpark" umbenannt. Mit 830 Hektar Fläche, was 1163 Fußballfeldern entspricht, ist es nach dem Eybtal bei Geislingen das größte Naturschutzgebiet im Regierungsbezirk Stuttgart. Es besteht zu 95 Prozent aus Wald und zu fünf Prozent aus Seen und Wiesenlichtungen.

Etwa ein Zehntel des Gebiets wird von besonders schützenswerten Waldbiotopen eingenommen, allen voran die Weidewaldreste mit ihren mächtigen, alten und seltenen Bäumen - darunter die 16-stämmige Buche. Sieben Spechtarten brüten im Naturschutzgebiet. Auch Baumfalke, Sperber, Wespenbussard und Rotmilan sind hier anzutreffen.

In den vergangenen Jahren wurden die alten Baumriesen samt ihrer Tierwelt, den Moosen und Flechten genau untersucht. "Die Ergebnisse unterstreichen, dass es sich um einen einzigartigen Baumbestand handelt, der von seltenen Arten besiedelt wird", unterstreicht Regierungspräsident Johannes Schmalzl. Die Naturschutz- und Forstverwaltungen würden eng zusammenarbeiten, um den Wald in seinem Charakter zu erhalten und fortleben zu lassen.

Schützenswert ist auch die reiche Pflanzen- und Tierwelt der Seen, Weiher und Tümpel. Mehr als 60 Wasser- und Sumpfpflanzen sowie 26 im und am Gewässer lebende Vogelarten seien festgestellt worden, so Schmalzl. Die Umgebung des Bärensees, Bernhardsbachweihers und Glemsweihers biete ideale Quartiere und Nahrungsbiotope für Fledermäuse. "Der Rotwildpark ist in ganz Deutschland einmalig. Es wird daran gearbeitet, ihn für nachfolgende Generationen zu erhalten", betont der Regierungspräsident.

Einer der geschützten Baumriesen im Stuttgarter Rotwildpark. Der Park hat eine Fläche, die 1163 Fußballfeldern entspricht. Foto: Regierungspräsidium Stuttgart

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Erstellt:
28. August 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
28. August 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. August 2014, 12:00 Uhr

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