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Er hat ein großes Herz für Katzen

Rottenburger Hans Noé ist seit 20 Jahren Vorsitzender des Tierschutzvereins Tübingen und Umgebung

Hans Noé engagiert sich seit 35 Jahren für den Tierschutz. Viel Zeit verbringt der 66-Jährige mit dem Einsammeln von verwilderten Katzen. Der Tierschutzverein Tübingen und Umgebung, dessen Vorsitzender Noé ist, sucht ehrenamtliche Helfer und Nachwuchskräfte.

16.08.2016
  • Dunja Bernhard

Ein halbes Jahr dauerte es, bis Hans Noé Zeit für ein Gespräch mit dem TAGBLATT fand. Er sei fast täglich unterwegs, um verwilderte Katzen einzufangen, berichtet er. In der Woche zuvor seien es 20 Tiere gewesen. Der 66-Jährige ist im ganzen Landkreis Tübingen unterwegs. Die Katzen werden eingefangen und kastriert, damit sie sich nicht unkontrolliert vermehren. Erwachsene Katzen, die nicht weiter vermittelt werden können, weil sie zu scheu sind, werden anschließend wieder ausgesetzt. Futter bekommen sie von Leuten, die sich um die Katzen kümmern. Katzenjunge bekommen einen Chip unter die Haut implantiert oder werden am Ohr tätowiert, entwurmt und geimpft. Für sie ein Zuhause zu finden, sei nicht schwierig, sagt Noé: „Die Nachfrage ist da.“

Nicht jeder Wohnort komme als Katzenzuhause in Frage. An viel befahrenen Straßen sei die Gefahr für Freigänger zu groß, überfahren zu werden. Wenn das Tübinger Tierheim eine Katze vermittelt, regelt ein Vertrag, dass der Tierschutzverein kontrollieren darf, ob es die Katze gut hat. Die neuen Halter müssen sich verpflichten, die Katzen kastrieren zu lassen. Für eine Katze nimmt das Tübinger Tierheim, die Auffangstation des Tierschutzvereins, eine Vermittlungsgebühr von rund 100 Euro.

Um die unkontrollierte Vermehrung von Katzen weiter einzudämmen, setzt sich der Deutsche Tierschutzbund für ein Gesetz ein, das private Halter verpflichtet, alle Katzen, die frei laufen dürfen, kastrieren und kennzeichnen zu lassen. Diese Bemühungen stehen jedoch noch ganz am Anfang, sagte Noé. Das Land versuche die Verantwortung auf die Kommunen abzuschieben. „Viele Bürgermeister sträuben sich gegen ein Gesetz oder eine Verordnung.“ Unklar sei bisher, wie die Einhaltung kontrolliert werden kann.

Hans Noé, der sich als Katzenmensch bezeichnet, kümmert sich nicht nur um Katzen. Bei ihm laufen auch Beschwerden auf, wenn Hunde, Kaninchen oder Meerschweinchen vernachlässigt werden. Er schaut dann, ob die Anschuldigungen stimmen. Für Großtiere wie Pferde, Kühe, Schweine und für gewerbliche Tierhaltung ist das Veterinäramt zuständig. „Da haben wir kein Recht, auf den Hof zu gehen.“

In jüngster Zeit werden viele Wasserschildkröten im Tierheim abgegeben oder einfach vor der Tür abgestellt, erzählt Noé. Die Leute kauften die Schildkröten, wenn sie noch klein sind, und verlören die Lust an ihnen, wenn sie größer werden. Noé: „Wasserschildkröten sind schlecht weiterzuvermitteln.“

Alle Tiere, die kein neues Zuhause finden, kommen im Tierheim, unter. Es wird als GmbH geführt. Angestellte Mitarbeiter kümmern sich dort um die Tiere. Unterstützt werden sie von Menschen, die ehrenamtlich mit Hunden spazieren gehen.

Vor zwei Jahren stand das Tübinger Tierheim kurz vor der Insolvenz, berichtete Noé. Er habe der Stadt Tübingen angeboten, dass sie das Tierheim übernehmen könne. Das vom Verein erwirtschaftete Geld reichte nicht, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Der Verein finanziert sich aus Beiträgen, Spenden, Erbschaften und durch Verkäufe auf Märkten und bei Festen. Allein die Tierarztkosten belaufen sich auf rund 150000 Euro im Jahr.

Jetzt erhält der Tierschutzverein einen Zuschuss von jährlich 180000 Euro – vertraglich zugesichert auf fünf Jahre. „Die Stadt Tübingen hat wohl durchgerechnet, dass es noch teurer wird, wenn sie das Tierheim übernimmt.“ Es gehe wieder aufwärts, sagt Noé. Ab September sollen neue Hundehäuser gebaut werden. Auch hier hofft Noé auf eine Förderung.

Vor 20 Jahren übernahm der Rottenburger Hans Noé den Vorsitz des Tübinger Tierschutzvereins „eigentlich nur kommissarisch.“ Seitdem sei noch kein anderer gefunden worden, der denm Job machen wollte. „In vier Jahren ist endgültig Schluss“, sagt Frührentner Noé. Seine Anstellung bei der Telekom hat er vor 18 Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben.

Zum Tierschutz kam Noé über einen Besuch im Tierheim vor 36 Jahren. Eigentlich wollte er nur zwei Katzen mit nach Hause nehmen. Der damalige Leiter wünschte sich „Leute, die fester mitarbeiten“, erzählt Noé. Dann wurden Interessenten für den Ausschuss gesucht. Noé: „Ich gab den kleinen Finger und wurde mit Haut und Haaren gefressen.“

950 Mitglieder hat der Tierschutzverein. Nur die wenigsten von ihnen arbeiten aktiv mit. Deshalb sucht Noé dringend ehrenamtliche Mitstreiter. Junge Leute, die neue Ideen bringen, oder rüstige Rentner mit Führerschein, die helfen können, Tiere einzusammeln. Jeder andere Helfer ist auch willkommen. Und spätestens in vier Jahren braucht Noé einen Nachfolger für den Vorsitz in dem knapp 80 Jahre alten Verein..

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16.08.2016, 01:00 Uhr
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