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Italiener in Kairo gefoltert und getötet

Rom will Auskunft im Mordfall Regeni

Die italienische Regierung verlangt Aufklärung über Giulio Regenis Tod. Der 28-Jährige Doktorand, der in Kairo recherchierte, wurde umgebracht.

06.02.2016
  • MARTIN GEHLEN

Kairo. Zwischen Rom und Kairo herrscht ein eisiger Ton. Italiens Regierung ist außer sich, seit der italienische Doktorand Giulio Regeni am Mittwoch in der ägyptischen Hauptstadt halbnackt, mit Folterspuren am Körper und schwer entstelltem Gesicht tot gefunden wurde. Man habe Messerstiche und Brandwunden von Zigaretten, Schnitte im Ohr und Spuren von Schlägen an der Leiche gefunden, die auf einen "langsamen Tod" hindeuteten, erklärte die ägyptische Staatsanwaltschaft. Die Täter hatten die Leiche nahe der Ringautobahn am Rand der Wüste in einen Graben geworfen.

"Wir wollen die ganze Wahrheit wissen, bis ins letzte Detail", schimpfte Italiens Außenminister Paolo Gentiloni. Wirtschaftsministerin Federica Guidi brach ihren Besuch am Nil ab und kehrte mit der 60-köpfigen Firmendelegation vorzeitig in die Heimat zurück. Vor ihrer Abreise warnte sie Ägyptens Staatspräsident Abdel Fattah al-Sissi, der Fall könne die Beziehungen zwischen beiden Ländern empfindlich stören. Italien hatte den Ex-Feldmarschall 2014 als erste westliche Nation zum Staatsbesuch eingeladen und damit in Europa wieder hoffähig gemacht.

Giulio Regeni promovierte an der britischen Universität Cambridge über die Rolle der Gewerkschaften in Ägypten nach 2011. Er war seit September als Gastwissenschaftler an der Amerikanischen Universität Kairo (AUC), um seine Arabischkenntnisse zu vertiefen und für die Doktorarbeit zu forschen.

Nach Angaben seiner Mitbewohner wollte Regeni am 25. Januar mit der Metro ins Zentrum von Kairo fahren, um einen Freund zu treffen. An diesem Tag, dem fünften Jahrestag des arabischen Frühlings auf dem Tahrir-Platz, wimmelte es in der Hauptstadt von Polizei und Militär, während die meisten Bürger aus Angst vor Gewalt und Übergriffen zu Hause blieben.

Die Hintergründe des mysteriösen Mordfalls an dem Doktoranden sind unklar. Er könnte einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein. Er könnte aber auch - wie prominente Menschenrechtsanwälte vermuten - von der Staatssicherheit verhaftet und verschleppt worden sein. Das angesehene "Al-Nadeem Center for Rehabilitation of Victims of Violence" in Kairo dokumentierte 2015 640 Fälle von Folter in Gefängnissen und 137 Todesfälle in Haft.

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06.02.2016, 08:30 Uhr
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