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Elfe im Schmetterlingsnetz

Rollenspieler stellten ihr Hobby in der Stadtbibliothek vor

Rätsel lösen, Schätze sammeln, Bösewichten auf die Finger hauen: Rollenspiele erfreuen sich seit Jahren einer stabilen Fanszene. Am Samstag bot der Tübinger Rollenspiel-Verein (Troll) eine Schnupper-Spielrunde in der Stadtbibliothek an.

29.03.2015
  • Michael Sturm

Tübingen. Einmal eine andere Identität einnehmen, die Fantasie walten lassen, das ist es, was Rollenspieler an ihrem Hobby so fasziniert. Man sucht sich einen Charakter aus und interagiert mit anderen. Maja Fink reizt es, „eine neue Welt zu erschaffen und sich darin umzuschauen“. Kontakt zur Tübinger Rollenspiel-Szene fand die Gomaringerin, nachdem sie einmal in den Tübinger Fantasy-Laden spazierte, um sich die Fortsetzung eines Table-Top-Spiels zu besorgen. Einer Art Brettspiel also, vor dem Hintergrund einer ausgedachten, oft jedoch auch vorgegebenen Geschichte. Figuren spielen die Hauptrolle und es geht um Taktik: „Man hat eine Armee aus kleinen Plastikfiguren, die man bemalt und dann gegen Figuren anderer Leute antreten lässt“, erklärt Maja Fink.

Sie gehört zu einer Szene, die sich LARP abkürzt: Life Action Role Play. Auf Deutsch bedeutet das in etwa lebensechtes Rollenspiel. Diese Art von Spielen gebe es schon lange, sagt der promovierte Astrophysiker Indro Biswas, der den Tübinger Rollenspiel-Verein (Troll) mit aus der Taufe gehoben hat und ihm nun vorsteht. Rollenspiele habe es im Grunde schon am Hof des preußischen Königs gegeben: „Die haben das erfunden“, sagt Biswas. Das Kabinett habe sich damals die Freizeit damit vertrieben, Schlachten nachzustellen, möglicherweise habe das zur taktischen Schulung der Kadetten beigetragen.

Marodierende Horden ziehen durch ein Dorf

Der Tübinger Thomas Ulrich nimmt am liebsten die Rolle des Spielleiters ein, also die des Erzählers der Geschichte. Er sagt: „Man lernt seinen Charakter kennen, während man spielt.“ Manches erkläre sich rückwirkend, im Lauf des Spiels. Für die meisten Rollenspiele braucht man Würfel verschiedener Farben und Formen. Damit bestimmt man etwa die Stärke oder Geschicklichkeit des eigenen Charakters. Sie treiben auch die Geschichte voran: Ein verpatzter Wurf und schon ist ein an sich hervorragend schleichender Dieb entdeckt und muss vor den Wachen flüchten. Andererseits kann ein Charakter mit Würfelglück eine seiner Schwächen verdecken und kommt überraschend gut durch. „Alles spielt sich im Kopf der Spielleiter und Spieler ab“, sagt Maja Fink.

Bleibt man in seinem Charakter, wenn ein Rollenspiel-Abend zu Ende ist? Maja Fink überlegt kurz und spricht dann von einem „Hochgefühl, wenn man beispielsweise den Oberbösewicht platt gemacht hat.“ Dennoch sagt sie, es mache ihr wenig Spaß, Kämpfe zu beschreiben: „Als Spielleiterin tendiere ich dazu, die Mitspieler rätseln und forschen zu lassen.“

Für den Tübinger Thomas Ulrich gehören Kampfszenen und imaginierte Gefahren dazu. Da ziehen schon mal marodierende Horden durch ein Dorf und bringen jeden um. Andererseits könne es aber auch zu Situationen kommen, in denen man Elfen mit einem Schmetterlingsnetz einzufangen habe. „Das hängt aber immer stark von der Runde ab, die an einem Abend zusammentrifft“, so Ulrich.

Die Rollenspieler verkleiden sich schon mal. Manche schneidern sich Kostüme, oder bauen Waffen nach. Etwa Schwerter aus Schaumstoff, mit denen man dann aufeinander einprügle. Das hört sich wesentlich martialischer an, als es eigentlich ist: „Wir sind die Nerds“, sagt Thomas Ulrich selbstironisch. Also bebrillte Intellektuelle, die in ihrer eigenen Welt leben? Das ist ein Klischee, das zu kurz greift – die Rollenspiel-Szene gilt als recht gesellig. 40 bis 50 Leute seien es wohl in Tübingen, schätzt Maja Fink. Man treffe sich privat zu den Spielen. Einmal im Monat lädt der Verein Troll zum Rollenspieltreff im Jugendhaus in der Paulinenstraße – immer am letzten Sonntag im Monat. Es sei die sozialere Alternative zu den Online-Spielen, die man allein am Computer verbringe.

Eine Alternative zu Online-Spielen

Am Samstag blieben die Tübinger Rollenspieler in der Stadtbibliothek allerdings weitgehend unter sich. Zwei Mädchen würfelten sich durch ein Fantasie-Szenario, gingen dann aber bald wieder. „Die meisten trauen sich nicht so richtig an uns ran“, stellte Maja Fink fest.

Im Durchschnitt steigen die Rollenspieler in ihr Hobby ein, wenn sie die Teenager-Jahre fast schon hinter sich haben. Ausnahmen soll es geben, doch für kleine Kinder, die Schwierigkeiten damit haben, den Zusammenhang einer Geschichte zu begreifen, sind Rollenspiele definitiv noch nichts.

Rollenspieler stellten ihr Hobby in der Stadtbibliothek vor
Am Tisch lehnt ein Schwert aus Schaumstoff, doch das kam am Samstag beim Rollenspieltag in der Tübinger Stadtbücherei nicht zum Einsatz. Im Bild (von links): Maja Fink, Thomas Ulrich und Indro Biswas vom Tübinger Rollenspiel-Verein (Troll). Bild: Faden

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29.03.2015, 12:00 Uhr
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