Lust am Weltmusikalischen

Rock-und-Pop-Preis-Gewinner Limanja kommt ins franz.K

Nazim Sabuncuoglu ist erst 29 Jahre alt, hat aber mit „Limanja“ schon zahlreiche Spuren hinterlassen. Bei der Interkulturellen Woche in Reutlingen tritt die deutsch-türkische Band bei der Orient-Nacht im franz.K auf.

14.09.2011

Reutlingen. Die Konfrontation mit türkischer Musik findet für viele ausschließlich im Döner-Imbiss statt, im Bauchtanzkurs oder an der Ampel, wenn orientalische Weisen zu wummernden Disco-Beats aus dem Auto dröhnen. Ein Beispiel, dass türkische Musik viel mehr sein kann, ist das Stuttgarter Quintett „Limanja“, das sich gekonnt zwischen den Kulturen bewegt und einen dichten Klangteppich aus eingängigen Melodien webt.

Im Jahr 2007 führte das dazu, dass die Band mit dem Song „Karma“ den Deutschen Rock- und Pop-Preis in der Kategorie „bestes Arrangement“ gewann. Später folgte die Teilnahme an dem renommierten Creole-Wettbewerb, bei dem sie es unter die besten zehn Bands schaffte. Seit 1999 besteht die Combo, die sich Anfang des Jahres zur Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Yoldayiz“ von „Grup-Liman“ (Hafenband) in Limanja (ausgesprochen: Limandscha) umbenannte. „Eine reine Namensänderung“, so der Sänger, Gitarrist und Mitbegründer Nazim Sabuncuoglu, „weil wir in musikalischer Hinsicht offener gegenüber anderen Einflüssen geworden sind“.

Von der Urbesetzung sind nur noch Nazim Sabuncuoglu und Hüseyin Temiz (Langhalslaute und Gesang) dabei. Die beiden haben sich 1999 kennengelernt und sofort gut verstanden. Nicht nur, weil sie beide einen türkischen Hintergrund haben und dieser Kultur sehr nahe stehen, sondern weil sie in musikalischer Hinsicht von Beginn an gut miteinander konnten. Während Lautenspieler Hüseyin Temiz in Izmir geboren wurde und mit elf Jahren nach Deutschland kam, ist Nazim Sabuncuoglu im hessischen Weinheim zur Welt gekommen und lebt seit 25 Jahren in der Stuttgarter Region.

Seine Eltern stammen aus der Türkei. Die Mutter kam bereits als Kind, der Vater als Jugendlicher nach Deutschland. Nazim ist zwar zweisprachig aufgewachsen, hat aber erst über die Musik so richtig zur türkischen Sprache gefunden: „Ich singe lieber auf Türkisch“, sagt er, „das fühlt sich für mich echter an und erinnert mich daran, wo meine Wurzeln liegen.“ Gitarrenunterricht war Nazims erster Kontakt mit der Musik, fortan ließ er sich mit Leib und Seele auf ihre tiefen Geheimnisse ein. Mit zwölf Jahren hat er begonnen, Gitarre zu spielen und zu singen.

Nach einem abgeschlossenen Maschinenbau- und Designstudium entschied er, sein Hobby zum Beruf zu machen: „Mit dem Herzen war ich schon immer bei der Musik, und nach Abschluss des Studiums beschloss ich endgültig, Musiker zu werden.“

Zur Türkei, insbesondere zu Istanbul, hat er nicht nur musikalisch viele Berührungspunkte. Zahlreiche Verwandte und Freunde ziehen ihn dort hin: „Am liebsten würde ich alle paar Wochen nach Istanbul reisen, um den musikalischen Austausch und das kulturelle Miteinander zu pflegen.“

Neben Nazim Sabuncuoglu und Hüseyin Temiz komplettieren drei weitere Musiker die Band: Der in Österreich geborene Geiger Deniz Dag, der Stuttgarter Bassist Stephan Schelens und Schlagzeuger Robert Wittmaier, dessen Mutter Griechin ist. Abgesehen davon, dass man sofort hört, über welche Bandbreite musikalischer Möglichkeiten die Band verfügt, ist es die Vorstellung von Rhythmus, die den Sound prägt. Gitarre, Saz (persische Langhalslaute) und Geige werden dabei durch eine Palette von Effektgeräten gejagt und verleihen der Musik einen „spacigen Drive“, wie es Nazim beschreibt.

Das Repertoire von „Limanja“ ist aus Einflüssen unterschiedlicher türkischer Regionen zusammengepuzzelt, reicht von funkigen Grooves bis hin zu Oriental Space-Rock – und wundersamerweise passt all das unter einen Hut.

Jürgen Spieß

„Limanja“ spielt bei der Orient-Nacht am Samstag, 24. September, 20 Uhr, im Reutlinger franz.K.

Die Band „Limanja“ aus Stuttgart gewann 2007 den Deutschen Rock- und Pop-Preis in der Kategorie „bestes Arrangement“. Auch beim Creole-Wettbewerb war sie dabei.Bild: Agentur

Der Bandleader Nazim Sabuncuoglu. Bild: Spieß

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Erstellt:
14. September 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. September 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. September 2011, 12:00 Uhr

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