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Alle sechs Wochen neue Schuhe

Robert Born gründet einen Verein für Rollbrettkultur und hofft auf einen neuen Skatepark in Tübingen

Mit zehn Jahren tauschte Robert Born seine Yu-gi-oh-Sammelkarten gegen ein neues Skateboard. Seitdem lebt er für das Brett mit vier Rollen, fuhr schon in Spanien, Polen, Bolivien, Argentinien und Chile. Derzeit gründet er einen Skateverein und sammelt Spenden für einen neuen Skatepark.

20.02.2016
  • Lorenzo Zimmer

Tübingen. Wenn Robert Born einen Tag mit Skateboard-Idol Tony Hawk verbringen dürfte, würde er sich mit ihm in Venice-Beach, Los Angeles, treffen. Der berühmte Ocean Front Walk ist der Geburtsort des Skate-Sports: „Die Atmosphäre dort soll einmalig sein“, schwärmt der Student aus Tübingen. Doch auch Europa muss sich seiner Meinung nach nicht verstecken, was Orte für Skater angeht: „Das europäische Mekka ist sicherlich Barcelona.“

Born war da. Nach dem Abitur drehte er dort für drei Wochen ein Skatevideo, flog anschließend weiter nach Südamerika. Dort reiste er ein halbes Jahr lang durch Argentinien, Chile und Bolivien – das Skateboard immer unter dem Arm. Oder unter den Füßen. „Jeder, dem ich von Barcelona erzählt habe, war sofort richtig neidisch.“ Der Ruf der katalanischen Metropole reicht in Skaterkreisen um die ganze Welt.

Schon mit knapp sechs Jahren begeisterte sich Born für die Bretter mit den vier Rollen – wünschte sich zu jedem Geburtstag und Weihnachtsfest ein eigenes Brett. Drei Jahre lang. Im Alter von acht bekam er schließlich eins. Damit übte er am Entringer Bahnhof den Ollie – wie ein Sprung mit dem Brett an den Füßen und die Landung auf allen vier Rädern in der Skatersprache heißt. Als er ihn nach zwei Jahren voller Schürfwunden und Stürzen schließlich beherrschte, brach eine Achse an seinem Brett: „Ich habe dann meine Yu-gi-oh-Sammelkarten bei einem Freund gegen ein neues Skateboard eingetauscht“, erinnert sich der heute 23-Jährige.

Für Born ist das Skaten mehr als ein gewöhnlicher Sport: „Es ist ein Lebensgefühl. Es bedeutet Freiheit, individuelle Mobilität.“ Und damit auch Unabhängigkeit. Wenn Robert Born mit seinem Skateboard die Mühlstraße hinuntersaust, hat er richtig Spaß. Schutzkleidung trägt er dabei meistens nicht: „Ich fühle mich davon in meinen Bewegungen eingeengt.“ Außerdem habe er es ja immer selbst in der Hand, ob er stürzt: „Wenn man sich nicht überschätzt, fällt man auch nicht.“

Schwer verletzt hat sich der Rollbrettfahrer, wie er sich selbst scherzhaft nennt, noch nie: „Ich bin ein paar mal mit dem Fuß umgeknickt. Aber außer ein paar Bänderdehnungen ist mir quasi nie etwas passiert.“ Wenn man von einem Sturz in Barcelona absieht. Born fuhr die steile Auffahrt eines Strandhotels hinab. „Ich sprang oben einen 180 (eine halbe Drehung, d. Red) und fuhr dann Switch (verkehrt herum, mit dem rechten statt dem linken Fuß vorne, d. Red.) den Hang hinunter“, erinnert er sich. Dabei wurde Born zu schnell. „Das war ziemlich unbedacht.“ Er stürzte und zog sich eine Platzwunde am Kopf zu. Vor wenigen Wochen – Jahre nach dem Sturz – entdeckte seine Mutter die Narbe, als sie ihm die Haare schnitt: „Begeistert war sie davon nicht“, sagt Born lachend. „Natürlich machen sich meine Eltern ein bisschen mehr Sorgen um meine Gesundheit als ich, aber der Sturz in Barcelona war mir ja schon auch eine Lehre.“

Born möchte sich in Tübingen für Skater einsetzen, mehr Verständnis für den Sport bei der Bevölkerung schaffen. Dafür gründet er jetzt mit Freunden den „Verein für Rollbrettkultur“. Derzeit sitzen die Skater an der Satzung. „Und dann wollen wir uns für einen schönen neuen Skatepark in Tübingen einsetzen.“ Im Gespräch sei ein 3in1-Park für Parcour-Turner, Kunstradler und eben Skater. „Denn der Park, den es in Derendingen gibt, ist ziemlich marode“, sagt Born. Über eine Facebook-Seite werden bereits Spenden gesammelt. „Für jeden Euro, den wir zusammenkriegen, will die Stadt einen Euro drauflegen.“

Born studiert seit einem Semester Spanisch und Französisch an der Uni Tübingen. Inzwischen wird er vom Tübinger Skateshop „Brett-a-porter“ gesponsert. Bei Wettbewerben trägt er Kleidung mit seinem Logo oder beklebt sein Deck (das Brett, an dem die Rollen montiert sind, d. Red.) mit Werbung für den Kleiderladen. Und trotzdem bleibt das Hobby teuer: „Ich brauche etwa alle sechs Wochen neue Turnschuhe“, sagt er grinsend. Diese bewege er ständig auf rauem Sandpapier: „Das tut ihnen natürlich nicht so gut.“

Zum Üben von Tricks trifft sich Born mit seinen Freunden meist vor der Mensa Uhlandstraße: „Das ist der Spot Nummer eins! Dadurch dass es eine Spielstraße ist und man Autos früh genug sieht, kann nicht viel passieren.“ Wenn er keine Tricks übt, rollt Born am Liebsten auf der Mühlstraße. Auch die Strecken von den Schnarrenberg-Kliniken ins Tal oder von Entringen nach Bebenhausen fährt er gerne. Wie schnell er dabei wird, weiß er nicht genau. Dann sagt er lachend: „Auf der Wilhelmstraße habe ich von der Geschwindigkeitsmessung schon einmal keinen grünen Smiley bekommen!“

Von Hoverboards – Marty McFly probiert im Film „Zurück in die Zukunft“ ein solches aus – träumt Born nicht: „Die Rollen gehören dazu.“ Schön simpel mag es der Tübinger: „Einfach ein Brett mit Rollen dran.“ Deswegen versteht er auch nicht, wieso das Fahrrad zuerst erfunden wurde: „Es ist doch viel logischer, einfach ein paar Rollen an ein Brett zu schrauben. Wer braucht da schon Ketten oder Zahnräder?“

Robert Born

1993 geboren in Tübingen

2010 Realschulabschluss an der Walter-Erbe-Realschule

2013 Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Derendingen

2013 - 14 Nebenjobs in einer Schreinerei und bei Mercedes Benz in Sindelfingen

2014: Reise nach Barcelona für einen Videodreh und anschließend sechsmonatiger Trip durch Südamerika

seit 2015 Bachelorstudium Spanisch und Französisch an der Universität Tübingen

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20.02.2016, 01:00 Uhr
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