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USA warnen vor Flutkatastrophe mit 500 000 Toten - Erst auf Druck aus Washington lässt Iraks Regierung das Bauwerk sanieren

Risse im gefährlichsten Staudamm der Welt

Wenn in wenigen Wochen in den türkischen Bergen die Schneeschmelze einsetzt, muss der Mossul-Staudamm gewaltigen Wassermassen standhalten. Dabei klaffen in dem Bauwerk immer größere Risse.

06.02.2016

Von MARTIN GEHLEN

Bei Mossul wird das Tigris-Wasser aufgestaut. Die Staumauer steht auf löchrigem Erdreich, das mit großen Mengen Zement stabilisiert werden muss. Foto: afp

Der US-Oberbefehlshaber in Bagdad schlug Alarm. Die Staumauer des Mossul-Dammes könnte bersten, warnte General Sean MacFarland, der vor Ort die westliche Allianz gegen den "Islamischen Staat" kommandiert. "Wenn es passiert, wird es schnell gehen." Taucher würden derzeit die Fundamente der 113 Meter hohen und 3400 Meter langen Sperre untersuchen, welche Ingenieure der US-Armee als den gefährlichsten Damm der Welt ansehen. Das Bauwerk sei "in jeder Hinsicht unsicher", der Kollaps des Staudamms könne eine halbe Million Menschen in den Tod reißen und eine Million obdachlos machen, urteilten die Fachleute.

Und die Gefahr wächst. Ende Februar setzt in den türkischen Bergen die Schneeschmelze ein und lässt die Wassermassen des Tigris anschwellen. Seit die Terrorgruppe IS die Sperre im August 2014 für elf Tage in ihre Gewalt brachte, bevor kurdische Peschmerga sie zurückeroberten, sind Wartungsarbeiten gestoppt. Es klaffen immer größere Risse in der maroden Konstruktion.

1984 von Diktator Saddam Hussein als Prestigeprojekt errichtet, war der Damm von Anfang an ein chronischer Problemfall. Acht Milliarden Kubikmeter sind im größten Süßwasser-Reservoir des Irak aufgestaut, von dem Millionen Menschen mit ihrem Trinkwasser und zehntausende Bauern mit ihrer Feldbewässerung abhängen. Die Staumauer jedoch steht auf einem Untergrund aus Gips, Kalkstein und Tonerde. Wasser wäscht das weiche Material im Untergrund ständig aus und untergräbt das Fundament.

Während der Saddam-Zeit hielt die Barriere nur, weil Arbeiter rund um die Uhr große Mengen Zement ins löchrige Erdreich verpressten, insgesamt mehr als 50 000 Tonnen. Doch nach dem IS-Intermezzo im Sommer 2014 waren "alle Maschinen weg und alle Arbeiter verschwunden", bilanzierte ein Sprecher der US-Armee. Obendrein steht das Zementwerk in Mossul, das die spezielle Füllmischung zum Stabilisieren des Damms produzierte, nun unter der Kontrolle der Gotteskrieger.

Die Folgen eines Dammbruchs haben irakische Wissenschaftler schon 2009 in einem Gutachten beschrieben. Innerhalb von zwei Stunden würde die Zwei-Millionen-Metropole Mossul von einer 20 Meter hohen Tigriswelle überschwemmt, genauso wie die weiter flussabwärts liegenden Städte Tikrit und Samara. Weite Landstriche mit Ackerflächen und Dörfern würden versinken.

Selbst in Iraks Hauptstadt Bagdad wären Tage später die Wassermassen noch vier Meter hoch. Die amerikanische und mehrere westliche Botschaften haben daher Evakuierungspläne für ihre 30 000 Mitarbeiter ausgearbeitet.

Trotzdem gab sich die irakische Regierung in Bagdad unbeeindruckt. Noch Mitte Januar erklärte das Wasserministerium, dessen Chef Mohsin al-Shammari der Partei des schiitischen Predigers Moktada al-Sadr angehört, man brauche keine ausländische Hilfe und wolle die Bevölkerung nicht in Panik versetzen. Auch der Generaldirektor des Mossul-Dammes, Riyadh Ezzedine al-Nuaimi, versicherte, es gebe keinen Grund zur Sorge. Der Damm sei nicht ernsthaft gefährdet. Und so musste erst US-Präsident Barack Obama persönlich den irakischen Premierminister Haider al-Abadi per Telefon ins Gebet nehmen, bis die irakische Seite endlich reagierte. Am Dienstag beauftragte das Kabinett in Bagdad nach zweijährigem Hin und Her den italienischen Trevi-Konzern, die zerfressenen Fundamente zu sanieren und zu stabilisieren.

Die Arbeiten sollen 18 Monate dauern und 380 Millionen Dollar kosten, eine schwere Bürde für den gebeutelten irakischen Staatshaushalt. 450 italienische Soldaten werden die Damm-Spezialisten bei ihrem Rettungswerk schützen. Die IS-Terrormiliz operiert nur 40 Kilometer von der Baustelle entfernt.

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Erstellt:
6. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
6. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Februar 2016, 08:30 Uhr

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