Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Arbeitsmarkt

Risiko für die Rente: Jung, weiblich, Südwesten

Jung, weiblich, aus dem Südwesten: Diese Gruppen haben oft keinen unbefristeten Vollzeitjob. Mit langfristigen Folgen.

25.06.2019

Von SIMONE DÜRMUTH

Vor allem Frauen in Baden-Württemberg haben häufig befristete Verträge oder arbeiten in Teilzeit. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Teilzeit, Leiharbeit, befristete Verträge, Minijobs – die so genannten atypischen Beschäftigungsverhältnisse bleiben trotz der guten Arbeitsmarktlage in Deutschland weit verbreitet. Das zeigt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Besonders stark betroffen sind demnach Frauen in Westdeutschland, die aus familiären Gründen oft in Teilzeit oder Minijobs arbeiten, zudem jüngere Beschäftigte, geringer Qualifizierte und Beschäftigte ohne deutschen Pass. Auch Ost- und Westdeutschland unterscheiden sich erheblich.

Im Südwesten ist der Studie zufolge fast jeder vierte Arbeitnehmer nicht mit einem unbefristeten Vollzeitvertrag ausgestattet: Das Saarland kommt auf einen Anteil von 24 Prozent, Rheinland-Pfalz auf 23,6 Prozent und Baden-Württemberg auf 23 Prozent. Stärker betroffen ist nur noch Bremen (26,2).

Im bundesweiten Schnitt lag die Quote 1991 erst bei 12,8 Prozent, auf dem Höhepunkt 2007 bei 22,6 Prozent, nun sind es 20,8 Prozent. Brandenburg weist mit 14,0 Prozent die niedrigste Quote atypisch Beschäftigter auf. Hier haben auch besonders viele Frauen einen Vollzeitjob – nur 16,7 Prozent arbeiten verkürzt.

Als „erstaunlich“ bewerten die Autoren die Entwicklung in Baden-Württemberg, „wo die atypische Beschäftigung seit der Wiedervereinigung um mehr als 10 Prozentpunkte zugenommen hat und trotz des boomenden Arbeitsmarktes in den vergangenen Jahren kaum zurückgegangen ist“.

Mehr Männer in Minijobs

„Es ist auffällig, dass die atypische Beschäftigung bei den Männern in Baden-Württemberg seit 2010 sogar angestiegen ist“, so Eric Seils. Laut dem Studienleiter könnte es sich dabei um eine Folge der Einwanderung, sowohl von Flüchtlingen als auch von Arbeitnehmern aus Osteuropa, handeln. „Die Männer unter den Einwanderern haben eher eine Stelle gefunden als die Frauen und diese sind dann häufig befristet oder geringfügig“, erklärt Seils den Effekt auf die Gesamtstatistik. Dass die Forscher das vor allem in den westlichen Bundesländern feststellen konnten, liege daran, dass diese bevorzugt das Ziel von Einwanderern sind. Bei den Frauen in Baden-Württemberg ist der Anteil der atypisch Beschäftigten vom Höchststand 2006 (38 Prozent) leicht zurückgegangen.

Atypische Beschäftigung ist laut dem Sozialverband VdK ein Risiko mit Blick auf die Rente. Viele Frauen verzichten zum Beispiel für die Kindererziehung auf Vollzeitstellen und arbeiten stattdessen in Mini- oder Teilzeitjobs. So erhielten sie später nur eine kleine Rente und seien besonders häufig von Altersarmut betroffen, erklärt VdK-Sprecherin Cornelia Jurrmann.

Minijobs erleichtern Einstieg

Flexible Beschäftigungsformen wie Minijobs sind aus Sicht der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) aber auch unverzichtbar für die Arbeitsmarktdynamik: „Sie erleichtern den Einstieg in Arbeit und bieten neue Beschäftigungsperspektiven für gering Qualifizierte und Langzeitarbeitslose.“

In den Augen der Gewerkschaften ist das jedoch „Rosinenpickerei“. „Der Arbeitgeber holt sich den Arbeitnehmer ran, wenn er ihn braucht, und wenn er ihn nicht mehr braucht, wird er wieder entlassen“, kritisiert der Arbeitsmarktexperte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Johannes Jakob. Minijobs führten zu einer Entwertung der eigenen Qualifikation. „Die meisten sind nicht qualifikationsgerecht beschäftigt, der Fachkräftemangel wird verschärft.“ Dasselbe gilt demnach für Leiharbeiter. Diese seien trotz abgeschlossener Berufsausbildung häufig als Helfer beschäftigt und verdienten deshalb weniger. (mit dpa)

x Foto: x

Zum Artikel

Erstellt:
25. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Aus diesem Ressort
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+