Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Tausende Flüchtlinge suchen auf Berliner Messe Kontakt zu Unternehmen

Riesenandrang an Jobbörse

Hoffnungsvolle Gesichter - aber auch skeptische, fragende. Auf einer großen Jobbörse in Berlin treffen arbeitssuchende Flüchtlinge auf potenzielle Arbeitgeber. In vielen Fällen gelingt diese Annäherung.

01.03.2016
  • BERND RÖDER, DPA BERLIN.

Der Andrang ist schon vor Öffnung der Halle so groß, dass Polizisten den Fußgängerverkehr auf der kleinen Straße davor regeln müssen. Dann geht es für die ersten paar Hundert Leute hinein ins Warme. Dort wartet kein Popstar, sondern - vielleicht - eine bezahlte Arbeit. Die Jobbörse in Berlin-Neukölln sei "die bislang größte Veranstaltung ihrer Art" in Deutschland, sagt André Hanschke von der Berliner Arbeitsagentur.

Es ist im wörtlichen Sinne ein Arbeitsmarkt, speziell für Flüchtlinge. Rund 4000 Interessenten hatten sich angemeldet. Sie kommen meist aus dem Bürgerkriegsland Syrien, aus dem Irak, dem Iran, Eritrea, Afghanistan oder Ägypten. An 211 Ständen von Unternehmen und Bildungsträgern können sie sich informieren und Kontakte knüpfen.

Zu den teilnehmenden Firmen gehören große Konzerne wie Bayer und Vattenfall, aber auch kleine wie die örtliche Reederei Riedel, die Schiffsführer und Matrosen sucht. Die Aussteller hätten 1000 Stellen - darunter auch Praktika - zu besetzen, hatte das Hotel Estrel als Veranstalter angekündigt. Doch gleich mit einem Arbeitsvertrag verlässt kaum jemand diesen Ort.

Es gehe darum, sich gegenseitig kennenzulernen, die Qualifikation der Bewerber abzufragen, heißt es unisono bei den Unternehmen und der Arbeitsagentur. "Die Interessenten kommen super positiv auf uns zu", erzählt Vodafone-Personalberaterin Lisanne Lauer von ihren Begegnungen. Oft sei deren Erwartungshaltung aber auch groß, und sie müsse erst einmal zurückfragen: "Sag mir, was Du mitbringst."

Denn der Telekommunikationskonzern suche Arbeitskräfte in vielen Bereichen - Technik, Kommunikation, Marketing, Einzelhandel. Lauer hat schon einen kleinen Stapel von Lebensläufen gesammelt, die sie mit Kollegen genauer durchsehen will. Binnen zweier Wochen werde jeder Bewerber Bescheid bekommen, ob und wie es weitergeht.

Dazu könnte auch Adel Idris gehören, der sich selbst als Video-Künstler bezeichnet. Der 39-Jährige kam aus Moldawien nach Deutschland und hat den rechtlichen Status eines Geduldeten. Damit ist es kaum möglich, eine feste Stelle zu finden - doch er hofft auf ein Praktikum in der Software-Entwicklung von Vodafone.

Den Syrer Bilal Nasser (30) hat die ärztliche Behandlung nach einem Motorradunfall nach Deutschland geführt. Er kann einen Bachelor-Abschluss in Elektrotechnik vorweisen. Seine Online-Bewerbungen hätten bislang "null Ergebnisse" gebracht. Deshalb versuche er nun auf der Jobbörse sein Glück. Er erkundigt sich beim Versandhändler Zalando nach einem Job.

Viel Betrieb herrscht auch am Infostand des Dienstleisters 3B Premium Hotelservice. Die 26 Jahre alte Syrerin Navan Hassan, als Sekretärin ausgebildet, möchte als Reinigungskraft arbeiten. Wie an allen Ständen üblich, füllt sie einen Bewerberbogen aus, mit persönlichen Daten, Aufenthaltsstatus, Schulabschluss, Berufsausbildung, Arbeitserfahrungen und Qualifikationen. 3B-Geschäftsführerin Petra Toller sagt, Quereinsteiger seien in ihrem Unternehmen nicht unüblich. Die Firma biete auch Deutschkurse an.

Klar ist: Ohne Sprachkenntnisse geht es nicht. Das bestätigen alle Personalberater. Allenfalls bei Technikern könne Englisch als Arbeitssprache ausreichend sein. Die Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, Franziska Giffey (SPD), fordert mehr Deutschkurse. Jetzt beginne, nach der Notversorgung, "Phase zwei": die Integration der Flüchtlinge. Die Berliner Arbeitssenatorin Dilek Kolat fügt hinzu: "Sie sind motiviert, sie wollen nicht vom Staat alimentiert werden."

Bremsspuren auf dem Stellenmarkt

Nachfrage gesunken Monatelang sprang die Zahl der offenen Stellen in Deutschland von Rekord zu Rekord – jetzt scheint das rasante Wachstum bei Jobangeboten vorerst gestoppt. Erstmals seit knapp zwei Jahren ist im Februar die Arbeitskräftenachfrage leicht gesunken; sie liege aber nur knapp unter dem bisherigen Rekordniveau vom Januar, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Die Bundesbehörde beruft sich dabei auf ihren monatlich ermittelten Stellenindex BA-X. Dieser sank zuletzt im Vergleich zum Januar um einen Punkt auf 209 Zähler. Im Vorjahr hatte er um 26 Punkte niedriger gelegen. „Nach dem schwungvollen Wachstum der letzten Zeit entwickelt sich die Arbeitskräftenachfrage in diesem Monat etwas moderater. Sie befindet sich aber nach wie vor auf sehr hohem Niveau“, betonte die Bundesagentur. Angesichts der weiterhin guten wirtschaftlichen Lage rechnen die Nürnberger Arbeitsvermittler auch für die kommenden Monate mit einer „hohen Einstellungsbereitschaft“. Viele Unternehmen, vor allem in Dienstleistungsbranchen, hätten weiter großen Bedarf an neuen Mitarbeitern. Für den Februar rechnen derweil Arbeitsmarktexperten allenfalls mit geringen Veränderungen auf dem Jobmarkt. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

01.03.2016, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular