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40 Jahre sind nicht genug

Reutlinger Umweltschützer feiern Jubiläum: Erfolgsgeschichte mit Hindernissen

Der BUND-Kreisverband feiert das 40-jährige Bestehen des BfU (Bund für Umweltschutz). Die ehrenamtlichen Mitstreiter/innen eint vier Jahrzehnte unermüdlichen Einsatzes für den Umwelt- und Naturschutz – und kein Ende ist abzusehen.

04.11.2014

Von Uschi Kurz

Reutlingen. Anfang der 1970er-Jahre wuchs allgemein das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines engagierten Umweltschutzes. Auch in Reutlingen und Umgebung protestierten die Menschen, unter anderem gegen einen Großflughafen im Schönbuch, ein geplantes AKW in Mittelstadt, den Autoverkehr auf dem Marktplatz, die chemisch bunt gefärbte Echaz und eine fehlende Baumschutzsatzung.

Der Bund für Umweltschutz bei einer Demonstration gegen genmanipulierte Pflanzen hinter der Marienkirche.Bild: BUND

Letztere, erinnert sich Margit Geyer, war schließlich ausschlaggebend dafür, dass 14 Reutlinger Bürgerinnen und Bürger aus verschiedenen Gruppierungen beschlossen, sich künftig gemeinsam für eine bessere Umwelt einzusetzen: Im November 1974 gründeten sie den Reutlinger Bund für Umweltschutz (BfU). Dieser trat 1982 dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) bei, blieb jedoch weiterhin als eigenständiger Verein bestehen.

Margit Geyer ist fast eine Frau der ersten Stunde. Die 77-Jährige trat dem BfU vor 36 Jahren bei, war langjährige „Protokollchefin“ des Vereins – und ist immer noch aktiv. Dass Reutlingen 40 Jahre nach der Vereinsgründung immer noch über keine Baumschutzsatzung verfügt, ist für Geyer ein großes Ärgernis: „Reutlingen ist eine der wenigen Städte ohne eine solche Verordnung.“ Auch Rainer Blum, der Vorsitzende des BUND-Kreisverbandes, und Edith Willmann, Vorstandskollegin und Umweltberaterin, finden, dass der Naturschutz von der Stadt noch recht stiefmütterlich behandelt wird. „Umwelt- und Naturschutz brauchen einen ganz langen Atem“, das ist die bittere Quintessenz nach vier Jahrzehnten ehrenamtlicher Arbeit.

Und doch hat der BfU/BUND auch Erfolgsgeschichten geschrieben. Manches, was der Vorstand in seiner gelungenen Festschrift aufzählt, erscheint heute so selbstverständlich, dass man es kaum mehr mit dem Verein in Verbindung bringt. Es gibt im Schönbuch keinen Großflughafen, stattdessen einen Naturpark. Die Hochspannungsleitung über der Achalm konnte mit Hilfe der Umweltschützer genauso verhindert werden wie das Atomkraftwerk in Mittelstadt. An dem Naturschutzgebiet auf dem ehemaligen Panzerübungsgelände war der BfU/BUND ebenso beteiligt wie am Aufbau des Umweltbildungszentrums Listhof.

Der BfU/BUND ist nicht nur Gründungsmitglied im Trägerverein des Umweltbildungszentrums, er hat sich auch an der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach beteiligt. Auch Erms- und Ammertalbahn wurde mit Hilfe der Naturschützer auf die Schiene gebracht. Geradezu visionär sind die Verkehrspläne, die der früh verstorbene ehemalige Vorsitzende Erich Jacobi für den Verein entwickelt hat. Der Architekt war nicht nur ein Verfechter der Stadtbahn: Sein Vorschlag, den Omnibusbahnhof beim Bahnhof zu belassen, ist längst wieder im Gespräch. Und last but not least ist auch der Reutlinger Warentauschtag unter den Fittichen des BfU/BUND entstanden.

Auch wenn dem Verein die Umweltthemen noch lange nicht ausgehen, so ist doch am Freitag erst einmal Feiern angesagt. Ein Geburtstagsgeschenk gibt es auch: Der BfU/BUND schenkt der Stadt eine Winterlinde – und will sie möglichst zentral in der Innenstadt pflanzen. Ein Standort wird noch gesucht.

Der BfU/BUND, der 1974 in Reutlingen gegründet wurde, zog 1986 in der Lederstraße 86 ein. Zusammen mit dem Bund Naturschutz Alb-Neckar (BNAN) und dem Deutschen Bund für Vogelschutz, dem heutigen NABU (Naturschutzbund Deutschland), wurde das Naturschutzzentrum (NZR) unterhalten, das damals über mehrere Arbeitsplätze und Zivildienststellen verfügte. 2006 zog der Verein dann in die Weingärtnerstraße 14, wo das NZR vom Bund betrieben und von den anderen Naturschutzgruppen mitfinanziert wird. Das 40-jährige Bestehen des BfU wird am Freitag, 7. November, ab 19 Uhr im Spitalhof gefeiert. Dabei lässt der Vereins-Vorstand die Highlights der vier vergangenen Jahrzehnte Revue passieren. Den musikalischen Rahmen bestreitet das Kondschak&Kapelle-Trio mit Liedern von Heiner Kondschak selbst und Freunden. 40 Jahre sind nicht genug: Reutlinger Umweltschützer feiern Jubiläum: Erfolgsgeschichte mit Hindernissen 04.11.2014 Kommentar · Bund für Umweltschutz: Spiel nicht mit den Kellerkindern 04.11.2014

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Erstellt:
4. November 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. November 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. November 2014, 12:00 Uhr

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