Von der Transportfirma auf der Alb zum Weltspediteur

Reutlinger Betriebsgründer Willi Betz ist am Samstag im Alter von 88 Jahren verstorben

Große Betroffenheit bei Reutlinger Spedition: Firmengründer Willi Betz ist am Samstag verstorben

15.12.2015

Von Thomas de Marco

Er trug Reutlingens Namen hinaus in die Welt: Willi Betz.Bild: Unternehmen

Reutlingen. Der größte Sprung seines Lebens sei die Umstellung vom Holzvergaser auf Diesel gewesen, hatte Willi Betz vor 15 Jahren als Redaktionsgast im TAGBLATT gesagt und damit die Firmengründung 1945 gemeint. Damals besorgte er sich einen ausrangierten Chevy von den Amerikanern und rüstete diesen zu seinem ersten Laster um.

Er war 17 Jahre alt, als er in Undingen auf der Alb sein Transportunternehmen gründete. In der von Mangel geprägten Nachkriegszeit entdeckte Betz eine Marktlücke und transportierte Lebensmittel, Baumaterial und Kohlen. Dinge in Bewegung setzen, Verbindungen schaffen, das war die Vision, mit der Betz startete. Es war der Beginn einer enormen Erfolgsgeschichte. In den 50er-Jahren Jahren wuchs das Unternehmen und verlegte seinen Firmensitz auf ein größeres Gelände nach Reutlingen. Bereits in den 60er-Jahren gründete Betz Niederlassungen in Österreich, Italien und Frankreich und nahm die Zusammenarbeit mit dem staatlichen Transportunternehmen Somat in Bulgarien auf.

In dieser Zeit begann der Konzern auch mit Transporten in den Iran, nach Pakistan, Afghanistan und entwickelte sich zum Spezialisten im Nahostverkehr. 2008 schaffte das Unternehmen einen Umsatz von über einer Milliarde Euro. Damals soll die Firma an 105 Standorten weltweit bis zu 8000 Beschäftigte gehabt haben. Überall auf den Straßen Europas waren die Lastwagen mit den gelben Planen und dem blauen Schriftzug „Willi Betz“ zu sehen.

Der Seniorchef schaute bis vor wenigen Jahren noch täglich im Büro des Unternehmens vorbei, bis zuletzt besuchte er immer wieder seine Firma. „Er ist präsent und interessiert und steht der Geschäftsführung mit Rat und Tat zur Seite“, sagten die Manager vor drei Jahren.

Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp von der Industrie- und Handelskammer (IHK) äußerte gestern großen Respekt vor der unternehmerischen Lebensleistung des Firmengründers. „Bei einigen Gelegenheiten habe ich ihn als klassischen schwäbischen Unternehmer kennengelernt“, sagte Epp.

Betz hat freilich auch viele Schattenseiten durchleben müssen: Er wurde wiederholt erpresst und vor 20 Jahren Opfer eines Anschlags: Ein später gefasster Einbrecher schoss ihn mehrfach an. Vor sechs Jahren ging der Seniorchef vor dem Landgericht Stuttgart straffrei aus, weil er wegen mehrerer schwerer Krankheiten verhandlungsunfähig war. Das Verfahren gegen ihn wegen Bestechung, Sozialversicherungsbetrug und Steuerhinterziehung wurde deshalb eingestellt. Sein Sohn Thomas Betz wurde dagegen zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von 2,1 Millionen Euro verurteilt.

Der Betz-Konzern setzte zuletzt mit einem Verbund von rund 40 Speditions- und Autohandelsfirmen Firmen europaweit knapp 250 Millionen Euro um. An etwas über 40 Standorten beschäftigt das Unternehmen noch rund 2000 Mitarbeiter, darunter 100 in Reutlingen.

Privat war Betz Stammgast bei der Tübinger Reitgesellschaft und ein großer Unterstützer von deren Turnieren. Dort schickte Betz viele seiner eigenen Pferde auf den Parcours. Als seine Enkelin, Dressur-Ass Natalie Betz, vor einem Jahr das Goldene Reitabzeichen in Tübingen erhielt, war Willi Betz einer der ersten Gratulanten.

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Erstellt:
15. Dezember 2015, 17:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Dezember 2015, 17:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2015, 17:00 Uhr

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