Hilfsangebote

Rettungsdienste versorgen Isolierte mit Lebensmitteln

Die positive Seite der Corona-Krise: Die Solidarität wächst. Mit kreativen Ideen sollen die Menschen in der Quarantäne unterstützt werden.

24.03.2020

Von PETRA WALHEIM

Julia Gerst vom Malteser Hilfsdienst trägt Lebensmittel in einer Kiste zu einem Haus. Innerhalb von drei Tagen haben die Mitarbeiterinnen in Freiburg einen Einkaufs- und Lieferdienst für Bedürftige auf die Beine gestellt. Foto: Patrick Seeger/dpa

Stuttgart/Emmendingen/Baden-Baden. Im Mehrfamilienhaus von Susanne B. wohnt auch ein älteres Ehepaar. Beide sind über 80. Obwohl sie noch fit sind, möchten sie wegen des Corona-Virus' nicht mehr einkaufen gehen. Damit das Ehepaar trotzdem gut versorgt ist, fragen Nachbarn immer wieder nach, ob sie etwas brauchen. Einer hat ans Schwarze Brett am Hauseingang einen Zettel gehängt: „Wer Hilfe braucht, bitte melden“. Doch nicht nur Nachbarn bieten Hilfen an. Immer mehr Rettungsdienste im Land wie Deutsches Rotes Kreuz (DRK) und Malteser Hilfsdienst unterstützen Menschen in Quarantäne. Die sozialen Netzwerke sind voll von Hilfsangeboten. Die Welle der Solidarität wächst. Das ist eine der positiven Seiten der Corona-Krise.

Lieferservice des DRK

„Da passiert in der Gesellschaft gerade ganz viel“, sagt Alexander Breisacher, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Emmendingen. Der war mit der erste Verband im Land, der den Lieferservice für Lebensmittel angeboten hat. „Wir haben überlegt, wie wir den Menschen helfen können“, sagt Breisacher. Der Lieferservice ist das Ergebnis.

Der funktioniert so, dass Leute, die zur Quarantäne verdonnert sind und Lebensmittel brauchen, bei einem der 15 DRK-Ortsvereine anrufen, die an der Aktion teilnehmen. „In manchen Ortschaften läuft die Bestellung auch über die Kommune“, sagt Breisacher. Dort werde die Bestellung aufgenommen und weitergeleitet. Manche Lebensmittelhändler schnüren die bestellten Waren zu fertigen Paketen zusammen, die nur noch abgeholt werden müssen.

Ansonsten kaufen die ehrenamtlichen DRK-Mitglieder selbst ein und strecken das Geld vor. Der Belieferte überweist den Betrag. „Die Lieferung selbst kostet nichts“, sagt Breisacher. Der Service, der seit einer Woche läuft, werde gut angenommen. Die Ortsvereine hätten inzwischen drei bis fünf Bestellungen ausgeliefert.

Der DRK-Ortsverband Schwenningen hat die Idee übernommen. Dort kommen die Fahrzeuge, die sonst für den Transport von körperlich und geistig behinderten Schülerinnen und Schülern genutzt werden, zum Einsatz, sagt Katharina Burger vom Schwenninger Ortsverein. Der macht seit einigen Tagen gemeinsame Sache mit den Kollegen in Villingen, sodass die Doppelstadt und das Umland versorgt werden können. In Freiburg haben Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes innerhalb von drei Tagen einen Einkaufs- und Lieferdienst für Bedürftige auf die Beine gestellt.

Diese Angebote sind vor allem für diejenigen interessant, die keinen Zugang zum Internet haben. Andere finden im Netz einiges an Unterstützung. Die Stadt Baden-Baden hat auf ihrer Webseite eine Liste angelegt mit den Geschäften, die noch offen haben oder einen Abhol- und Bringservice anbieten. In Villingen-Schwenningen baut die Stadt ein ähnliches Angebot auf. Auf der Webseite des Tourismusverbands Schwäbische Alb (www.schwaebischealb.de) ist eine Liste von mehr als 70 Restaurants von Balingen über Tübingen bis Aalen zu finden, die einen Abhol- oder Lieferservice anbieten. „Gönnen Sie sich also trotz aller Einschränkungen zwischendurch ein leckeres Menü von Ihrem Lieblingsrestaurant“, heißt es da.

Eine andere Idee verfolgt die Donaubergland Tourismus GmbH. Sie ruft in der Region Tuttlingen zu einer Solidaritäts-Aktion für die gastronomischen Betriebe auf. Dabei können unter www.ehrengasthaus.de bei 30 Betrieben Gutscheine bestellt, bezahlt und später als „Ehrengast“ eingelöst werden.

Tipps für die Fitness

Da alle Fitness-Studios geschlossen haben, besteht die Gefahr, dass die gelieferten Menüs zügig ansetzen. Dagegen helfen Gymnastik-Übungen, die im Netz zu finden sind. Kreative bauen die Wohnung zum Fitness-Studio um, nutzen Stühle, Tische und selbst Wasserflaschen, um die Muskeln zu stärken.

Damit auch der Geist beschäftigt ist, bieten mehrere Städte ein virtuelles kulturelles Programm. In Baden-Baden können sich Kinder und Jugendliche unter dem Stichwort „Kulturgehtweiter“ ein eigenes Programm zusammenstellen. Es gibt einen Online-Jugendtreff, eine Schachgesellschaft bietet Internet-Blitzturniere an. Etliche Museen im Land können virtuell besucht werden. Manche stellen täglich neue Videos ins Netz, unter anderem mit Online-Führungen.

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Erstellt:
24. März 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. März 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. März 2020, 06:00 Uhr

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