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Universität Tübingen

Geraubte Zarenurkunde zurückgegeben

Die Zarenurkunde gelangte Ende der 1950er Jahre an die Universität Tübingen. Nun wurde sie an die Ukraine zurückgegeben.

14.03.2019

Von ST

Die Urkunde hält ein wichtiges Ereignis der Kirchengeschichte fest: 1708 bestätigte Zar Peter der Große die Ernennung Iosaf Krokovs`kyjs zum Metropoliten (Erzbischof) von Kiew. Bild: Auswärtiges Amt

Das Land Baden-Württemberg und die Universität Tübingen geben eine Urkunde Peters des Großen an die Ukraine zurück, dies teilt die Presseabteilung der Universität mit. Die Originalurkunde war seit den 1950er Jahren im Bestand der Bibliothek des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde. Eine deutsch-ukrainische Forschungsgruppe ermittelte, dass die für die ukrainische Kirchengeschichte äußerst bedeutsame Urkunde mit höchster Wahrscheinlichkeit 1941 als Kriegsbeute aus Kiew entwendet wurde.

Aufgrund der vorliegenden Indizien hat die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt und der Universität Tübingen entschieden, die Restitution der Ernennungsurkunde an die Ukraine einzuleiten. Sie wurde am Donnerstag, 14. März, im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes an den Botschafter der Ukraine, Andrij Melnyk, übergeben.

„Ich bin den Forscherinnen und Forschern aus Tübingen und der Ukraine dankbar für ihre wertvolle Arbeit und ihre Erkenntnisse, wie die Zarenurkunde an die Universität Tübingen gekommen ist“, sagte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Sie wertete es als ein positives Zeichen, dass diese symbolisch höchst bedeutsame Urkunde, die gewaltsam nach Deutschland gebracht wurde, nun an die Ukraine zurückgeben werden kann. „Das Land stellt sich seiner historischen Verantwortung“, sagte Bauer.

Seit Ende der 1950er Jahre befindet sich die farbige und prunkvoll gestaltete Originalurkunde Peters I. im Besitz der Universität Tübingen. Mit dieser kirchengeschichtlich bedeutsamen Urkunde von 1708 bestätigte der russische Zar die Ernennung des Metropoliten (Erzbischof) von Kiew. Die Urkunde mit Siegelkapsel schmückte jahrzehntelang die Bibliothek des Instituts. Über die Umstände ihres Ankaufs war nur mündlich überliefert, dass Prof. Werner Markert, der Gründungsdirektor des Instituts (1953-1965), sie Ende der 1950er Jahre erworben hatte.

Tübinger Osteuropa-Forscherinnen hatten im Frühsommer 2016 ein Projekt zur Erforschung der Provenienz der Urkunde initiiert, bei der es sich um ein Einzelstück handelt. Das Vorhaben wurde vom Auswärtigen Amt gefördert. Die Frage, wie die Zarenurkunde ihren Weg nach Tübingen fand, sollte geklärt werden besonders vor dem Hintergrund, dass Werner Markert Kontakte zu Personen hatte, die während der NS-Zeit mit der Beschlagnahmung von Kulturgut befasst waren. Ein deutsch-ukrainisches Forschungsteam recherchierte von Juli bis Oktober 2016 intensiv in Archiven in Kiew, Berlin, Freiburg und Tübingen.

Die Historikerinnen und Historiker konnten nachweisen, dass sich die Ernennungsurkunde im Juni 1931 noch in der Vernads’kyj-Nationalbibliothek in Kiew befunden hatte. Vermutlich wurde sie im Oktober 1941 während der deutschen Besatzung mit anderen Bibliotheksbeständen durch das dem Auswärtigen Amt unterstellten Sonderkommando Künsberg (seit Herbst 1942 SS-Sonderkommando Künsberg) abtransportiert. Nach 1945 erfolgte keine Restitution; die Urkunde gelangte in den Verkauf und wurde 1958/59 von Werner Markert für die Universität Tübingen erworben.

Die Projektgruppe empfahl, die Urkunde an die Ukraine zu restituieren. Das Rektorat der Universität Tübingen hat dem zugestimmt. Auf der Grundlage der Empfehlung hat das Wissenschaftsministerium nach einer rechtlichen Prüfung entschieden, die Urkunde zurückzugeben.

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Erstellt:
14. März 2019, 18:11 Uhr
Aktualisiert:
14. März 2019, 18:11 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 18:11 Uhr

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