Klassisch

Renaissance trifft Postmoderne

Das junge US-amerikanische Attacca Quartet, das 2020 einen „Grammy“ in der Kategorie „Beste Kammermusikdarbietung“ gewonnen hat, ist ein „Rising Star“ unter den Quartett-Ensembles.

22.10.2021

Von Burkhard Schäfer

Nathan Schram. Foto: David Goddard

Ulm. Jetzt haben die experimentierfreudigen Musiker (Amy Schroeder und Dominic Salerni, Violine, Nathan Schram, Viola, Andrew Yee, Cello) bei Sony ein neues Album vorgelegt. Es heißt „Of All Joys“ und mixt Musik von Renaissance-Meistern wie John Dowland, Orlando Gibbons und John Bennet mit (post-)modernen Kompositionen: „Summa“ und „Fratres“ von Arvo Pärt sowie das Streichquartett Nr. 3 „Mishima“ von Philip Glass. Die zum großen Teil von den „Attaccas“ für Streichquartett bearbeiteten Stücke entfalten in diesem die Jahrhunderte überspannenden Dialog einen ganz besonderen Zauber.

Ist Attacca ein experimentelles Quartet?

Nathan Schram: Wir sehen uns selbst weder als ein konservatives noch als ein experimentelles Streichquartett. Wir spielen einfach nur solche Musik, die uns inspiriert, denn nur dann können wir auch unser Publikum berühren. Ich denke, genau das haben alle guten Ensembles wie etwa das Juilliard Quartet, von dem wir viel gelernt haben, auch gemacht. Man muss seinem Herzen folgen – und darf dabei gerne die verkrusteten Mauern des Genres einreißen, um zu schauen, was sich dahinter verbirgt (lacht).

Das Album ist 2020 während des Lockdowns entstanden, richtig?

Die Pandemie hat uns radikal auf uns selbst zurückgeworfen. Die Quarantäne haben wir als sehr irreal und existenziell bedrohlich erlebt. Das Album wurde mit unserem Produzenten in Spanien gemacht, während wir selbst in New York waren. Wir haben Formen des Musikmachens darauf ausprobiert, die wir uns sonst unter Live-Bedingungen nie zugetraut hätten. Ich denke, dabei ist eine unserer intimsten und emotionalsten CDs entstanden. Sie kehrt all unsere Verletzlichkeiten schonungslos nach außen.

Was verbindet die Stücke auf der CD?

Die Verbindungen, die zwischen der Musik der Renaissance-Komponisten auf der einen und Arvo Pärt und Philip Glass auf der anderen Seite verlaufen, sind schwer zu definieren und dabei doch irgendwie offensichtlich. Vielleicht liegen sie in der Einfachheit der Harmonien, mit denen sich alle diese Künstler ausdrücken. Wir spielen die alten Werke auf die gleiche Weise wie die Stücke aus unserer Zeit. Ich denke, dass die geheime Verwandtschaft zwischen einem Stück wie „Fratres“ und dem „Miserere“ von Allegri so für die Hörer erfahrbar wird.

Burkhard Schäfer

Cover von „Of All Joys“. Foto: Sony

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Erstellt:
22. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Oktober 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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