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Die letzte Hinrichtung

1949 starb in Tübingen ein Remmingsheimer unter der Guillotine

Vor 70 Jahren wurde in Westdeutschland zum letzten Mal die Todesstrafe vollstreckt.

05.02.2019

Von epd

Mit dieser Guillotine wurde Richard Schuh getötet. Foto: Erich Viehoefer/epd

Es war ein kaltblütiger Mord aus niedrigen Beweggründen, der zur letzten vollstreckten Todesstrafe in Westdeutschland führte. Im Januar 1948 erschoss der 27-jährige Richard Schuh aus Remmingsheim bei Rottenburg einen Lastwagenfahrer, um die Räder des Lkw zu stehlen und zu verkaufen. Gut ein Jahr später, am 18. Februar 1949, wurde Schuh in Tübingen durch die Guillotine hingerichtet. Seine Enthauptung vor 70 Jahren war die letzte zivile Hinrichtung auf westdeutschem Gebiet. Gut drei Monate später, im Mai 1949, trat das Grundgesetz in Kraft, mit dem die Todesstrafe abgeschafft wurde.

Schuh war gelernter Mechaniker und ehemaliger Kampfflieger. Nur wenige Jahre vor seiner Tat war er aus der US-Kriegsgefangenschaft entlassen worden. Er brauchte dringend Geld und schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Per Anhalter ließ er sich von seinem späteren Opfer mitnehmen. Dessen Leiche ließ Schuh am Straßenrand liegen, bevor er den Laster in ein Waldstück fuhr. Dort montierte er die Reifen ab und verhökerte sie auf dem Schwarzmarkt. Schuh habe aus niederen Beweggründen gehandelt, urteilte damals das Landgericht Tübingen.

Das Todesurteil gegen Schuh wurde in einer Zeit verhängt, als die Diskussion um die Abschaffung der Todesstrafe in vollem Gang war. „Man sollte mit dem Töten von Amts wegen ein Ende machen“, forderte etwa der damalige sozialdemokratische Politiker und Justizminister in Württemberg-Hohenzollern, Carlo Schmid, am 10. Februar 1949. Das war eine gute Woche vor Schuhs Hinrichtung. Schmid leitete in Bonn den Hauptausschuss des Parlamentarischen Rates zur Vorbereitung des Grundgesetzes.

Weltweit halten nach Angaben von Amnesty International (Stand Juni 2018) noch 56 Staaten an der Todesstrafe fest, darunter die USA. 106 Länder haben sie vollständig abgeschafft. Mit Abstand die meisten Menschen, so vermutet Amnesty, werden in China hingerichtet.

Mehr als 30 Todesurteile verhängten deutsche Gerichte nach Ende des Zweiten Weltkrieges in den drei Westzonen außer Berlin noch, bis die Todesstrafe abgeschafft wurde. Die letzte zivile Vollstreckung auf später bundesdeutschem Terrain war die Exekution von Berthold Wehmeyer im Berliner Gefängnis Moabit am 12. Mai 1949.

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Erstellt:
5. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Februar 2019, 06:00 Uhr

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