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Reutlingen · Wirtschaft

Reiff-Reifenhandel rutscht in die Insolvenz

Das Reutlinger Unternehmen hofft nun auf den Einstieg eines Herstellers.

11.02.2020

Von Thomas de Marco

Symbolbild: rcfotostock - Fotolia

Was sich seit Tagen angedeutet hat, ist nun amtlich: Die EFTD (European Fintyre Distribution) Real Estate Holding GmbH hat am Dienstag beim Frankfurter Amtsgericht die Unterlagen für eine Insolvenz eingereicht. Davon sind die Firma „Reiff Reifen und Autotechnik GmbH“ mit Sitz in der Tübinger Straße in Reutlingen und andere Tochterfirmen betroffen. Die Reiff GmbH stellte kurz darauf selbst ihren Insolvenzantrag. Dabei wird als Geschäftsführer der EFTD Holding und von Reiff (dort sind noch zwei weitere Namen vermerkt) jeweils Claudio Passerini genannt. Am Mittwochmittag um 13 Uhr sollen die Mitarbeiter in Reutlingen über die Insolvenz und ihre Folgen informiert werden.

„Wir sind unverschuldet und völlig überraschend in diese Lage geraten, denn unsere Geschäfte sind ordentlich gelaufen“, sagte ein Mitglied der Reutlinger Geschäftsleitung dem TAGBLATT. Grund für diese Entwicklung sei, dass der Investor, der hinter dem Mutterkonzern „Fintyre Group“ steht, finanziell den Stecker gezogen habe. „Das hat eingeschlagen wie ein Blitz, die Belegschaft ist schockiert“, erklärt der Prokurist. Erste Gerüchte über eine drohende Insolvenz seien vor etwa 14 Tagen aufgekommen. Am Freitag und Samstag war der Reutlinger Betrieb in der Tübinger Straße geschlossen (wir berichteten). Seit Montag ist er wieder offen, darf aber wegen des Veräußerungsverbots nur beraten, jedoch nicht verkaufen. Die Belegschaft bekomme auch weiterhin die Gehälter ausbezahlt.

Nach TAGBLATT-Informationen interessieren sich namhafte Reifenhersteller für den Einstieg bei der „Reiff Reifen und Autotechnik GmbH“. Eine solche Übernahme sei ganz im Sinne der Geschäftsführung und der Belegschaft, erklärt das Mitglied der Geschäftsleitung: „Für uns wäre das besser als ein weiterer Finanzinvestor. Uns würde es weiterhin geben – und der Hersteller hätte eine gute Vertriebsmöglichkeit durch einen renommierten Reifenhändler.“

Tatsächlich geistere schon die Parole durch den Betrieb, eine baldige Lösung mit dem Insolvenzverwalter (dem Rechtsanwalt Miguel Grosser, der in selber Rolle bereits bei der Fintyre-Tochter „Reifen Krieg“ tätig ist) und einem Investor sei denkbar. „Wir sind für einen Hersteller sicher ein attraktiver Reifenhändler“, erklärt das Mitglied der Geschäftsleitung. Dazu passt seine Einschätzung, dass alle Lieferanten zukünftig wie bisher mit der Firma Reiff zusammenarbeiten wollten. „Nun hoffen wir, dass auch unsere Kunden bei der Stange bleiben“, sagt er.

Mitarbeit: itz

2017 hat die Reiff-Gruppe den Reifenhandel verkauft

Als „Gummi-Reiff“ hat alles vor 110 Jahren begonnen: Albert Reiff aus Unterhausen eröffnete 1910 in der Reutlinger Katharinenstraße 5 ein Geschäftslokal für den Verkauf technischer Gummiwaren. Zu seinen besten Zeiten war das Familienunternehmen weltweit an über 80 Standorten vertreten. 2017 verkaufte die Reiff-Gruppe das Reifen-Kerngeschäft an das herstellerunabhängige britische Unternehmen „European Tyres Distribution Limited“ und setzt nur noch auf die Geschäftsfelder Technische Produkte und Elastomer-Technik. Der Reiff-Reifenhandel gehörte fortan mit seinen rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in etwa 40 Filialen in Baden-Württemberg zur „Fintyre Group“, die nun nach Angaben der Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ mit massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpft. Reiff hat in der Region auch Filialen in Tübingen (Schaffhausenstraße), Mössingen (Ulrichstraße) sowie in Metzingen, Hechingen und Gültstein.

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Erstellt:
11. Februar 2020, 21:33 Uhr
Aktualisiert:
12. Februar 2020, 10:19 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2020, 10:19 Uhr

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