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Pantheon unter Platanen

Reif für die Insel: Das Sommertheater vor der Premiere

Am kommenden Mittwoch ist es soweit: Mit ihrer diesjährigen Sommertheater-Produktion verwandelt der Melchinger Lindenhof das Rund am Silcherdenkmal in einen fiktiven „Schillerplatz“. Zeit für einen Zwischenbericht.

03.07.2011

Von Wilhelm Triebold

Tübingen. Der Titel verheißt zuerst einmal eine Theaterwanderung, vielleicht ähnlich der magisch-malerischen „Hölderlin“-Promenaden, die den Lindenhof samt Publikum in den 1990er Jahren über die Neckarinsel spazieren ließ, zwischen Spitz und Turm-Idyll. Inzwischen sind die Herrschaften allerdings etwas älter, gesetzter und somit sesshafter geworden. Vielleicht hat sich „das Wandertheater mit vielen Schauplätzen auch etwas verbraucht“, sinniert Lindenhof-Prinzipal Bernhard Hurm. Ins Offene zieht es die Freunde zwar weiterhin, doch ein fester Platz unter Platanen tut?s diesmal, Schiller vor Augen, dann wohl auch.

Im jährlichen Wechsel kümmern sich Landes-, Zimmer- und Regionaltheater um die sommerliche Haupt- und Staatsaktion unter freiem Tübinger Himmel, seit Lindenhof und Zimmertheater vor einem Vierteljahrhundert mit dem ersten „Hölderlin“-Spektakel begonnen hatten. Es hat sich manches verändert, und nicht nur zum Besseren. Hurm beklagt den „Gemischtwarenladen“ an konkurrierenden Veranstaltungen, was „von Jahr zu Jahr schlimmer“ werde: Heute sei das Tübinger Sommertheater „im Unterschied zu früher kaum noch ein unverwechselbares Segment, sondern etwas unter vielem anderen“, ärgert sich der Melchinger.

Der wachsende Wettbewerb schlägt sich beispielsweise auch im Gerangel um Werbefläche nieder, etwa an den Einfallstoren zur Stadt. Gegen die ausufernde Event-Kultur, die den eigenen kommunalen Kulturaktivitäten auch ein wenig das Wasser abgräbt, kann nach Hurms Einschätzung nur „die Stadt gegensteuern“. Das Tübinger Sommertheater, zumal in den Melchinger Belegungsjahren sonst früh und zügig ausverkauft, bekommt das bereits zu spüren: Erst ein Drittel der Karten ist im Vorverkauf bereits verkauft, es gibt noch für nahezu sämtliche 20 Vorstellungen Kontingente.

Dabei ist das Tübinger Sommertheater finanziell keineswegs auf Rosen gebettet. Das unternehmerische Risiko trägt allein der Lindenhof, der parallel auch noch Freilichttheater in Stetten am kalten Markt und später in der Zeppelinstadt Friedrichshafen vorbereitet. Auch der Mössinger Pausa-Kultursommer will jetzt präpariert sein. „Wir sind“, seufzt Hurm, „erst Ende September wieder in Melchingen.“

Rund 200 000 Euro sind fürs diesjährige Sommertheater veranschlagt. Davon muss weit mehr als die Hälfte wieder an der Theaterkasse eingespielt werden, denn von der Stadt Tübingen (traditionell 30 000 Euro, diesmal mit einer Kürzung von 8,5 Prozent versehen), vom Land (12 000 Euro) und selbst von Spendern und Sponsoren (insgesamt rund 40 000 Euro) kommt lediglich der geringere Teil des Budgets zusammen. Hauptsponsor Sparkasse kann sich zumindest über eine Premium-Premiere für die treue Kundschaft freuen, die vorab am kommenden Montag als geschlossene Veranstaltung über die Bühne geht.

Worum geht?s in dem Schiller-Projekt, unter steinerner Silcher-Aufsicht und in unmittelbarer Nähe zu Zeitgenosse Hölderlin? Regisseur Philipp Becker, der gemeinsam mit Gerhild Steinbuch auch für die Textfassung verantwortlich zeichnet, will sich dem „anderen Weltschwaben“ weniger auf der biografischen Spur nähern, will nicht „in Konkurrent treten“ zu Annäherungen à la „Goethe!“, jener Dichter-Verfilmung. Ihn interessiert mehr die Auseinandersetzung und das Spiel mit dem Ideenmaterial, mit den widerläufigen Weltentwürfen.

Wenn hier gewandert wird, dann „durch geistige Landschaften“. Und, ganz wichtig: In Beckers und Steinbuchs Schiller-Collage „wird zu 99,8 Prozent Schiller gesprochen“. Nicht nur „die prominensten Stellen“, sondern „querbeet“ (Hurm) durch ästhetische und philosophische Schriften. „Schiller mit Schiller kontern“, lautet die Devise.

Dazu verwandelt der Berner Bühnenbildner Beni Küng den Silcher-, pardon: Schillerplatz in einen Musentempel, auf den Ruinen eines Pantheons. Und Küng setzt „augenzwinkernd“, wie er sagt, dem ollen Silcher eine Schillerperücke auf.

Auch bei Temperatursturz und Regen muss geprobt werden: Das Melchinger Ensemble gestern Mittag auf der Tübinger Neckarinsel. Bild: Sommer

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Erstellt:
3. Juli 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Juli 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Juli 2011, 12:00 Uhr

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