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Nutzen steht nicht in Frage

Regionalstadtbahn wäre volkswirtschaftlich sinnvoll

Eine Regionalstadtbahn wäre für die Neckar-Alb-Region volkswirtschaftlich von Nutzen. Dies kann man nun, nach Vorlage erster Ergebnisse der so genannten „standardisierten Bewertung“, sicher sagen.

15.10.2010
  • Ulrich Eisele

Tübingen. Eine „standardisierte Bewertung“ ist eine Untersuchung, in der die Kosten eines Verkehrsprojektes dem volkswirtschaftlichen Nutzen gegenüber gestellt werden. Sie ist Voraussetzungen dafür, dass ein Vorhaben realisiert werden kann. Nur wenn der volkswirtschaftliche Nutzen die Kosten übersteigt, dürfen öffentliche Mittel dafür eingesetzt werden. 2007 haben die Kreise Tübingen und Reutlingen sowie Zollernalb die standardisierte Bewertung in Auftrag gegeben. Am Mittwoch stellte Jürgen Kaiser vom Karlsruher Planungsbüro PTV die ersten Ergebnisse im Kreistag vor.

Wichtigste Botschaft: Eine Regionalstadtbahn würde Sinn machen. Denn die Kosten wären deutlich geringer als der volkswirtschaftliche Nutzen eines solchen Verkehrsmittels. Wie kann man das beurteilen? Auf der einen Seite stehen Kosten für den Ausbau von Schienen, Haltepunkten, Anschaffung von Zügen und den Betrieb einer Regionalstadtbahn. Auf der anderen volkswirtschaftliche Einsparungen durch kürzere Fahrzeiten, weniger Unfälle, weniger Energieverbrauch und Emissionen sowie geringere Ausgaben für Straßenbau und -unterhalt.

Das Ergebnis: Der volkswirtschaftliche Nutzen einer Regionalstadtbahn mit sieben Linien zwischen Bad Urach und Horb, Albstadt und Herrenberg wäre 1,4 Mal so hoch wie die dem Verkehr zurechenbaren Kosten ohne eine Stadtbahn. Für einen Teilabschnitt – nämlich die Zollernbahn nach Balingen und die so genannten Talgang-Bahn nach Albstadt – wird sogar mit einem 1,94-fachen Nutzen gerechnet. Fachleute meinen, dass ein Vorhaben ab einem Wert von 1,3 sinnvoll ist, weil es dann auch bei steigenden Kosten noch einen positiven Wert hat.

Vom Tübinger Bahnhof auf den Schnarrenberg

Um zu diesem Ergebnis zu kommen, musste das Karlsruher Planungsbüro detaillierte Pläne für den Schienenausbau, den Bau von Haltepunkten, die Anschaffung von Schienenfahrzeugen, ein Betriebskonzept und Fahrpläne für die Regionalstadtbahn entwickeln. Da das Gesamtnetz nicht auf einen Schlag gebaut werden kann, wurde es in drei Teilabschnitte zerlegt, die – jeder für sich – sinnvoll und auch einzeln zu verwirklichen sind.

Das erste Teilnetz umfasst Tübingen, Reutlingen den Albaufstieg von Honau nach Engstingen, die Ermstal-, Neckartal- und Ammertalbahn. Viele Schienenwege sind dort schon vorhanden und müssen nur noch elektrifiziert werden. Neu bauen müsste man die innerstädtische Linie vom Tübinger Hauptbahnhof über den Schnarrenberg bis zum Rotdornweg. Kosten: rund 85 Millionen Euro. Dennoch würde sich das lohnen, denn dort rechnen die Verkehrsplaner mit dem höchsten Fahrgastaufkommen: bis zu 19 400 Personen pro Tag.

Auf der Zollernbahn würde vor allem die Elektrifizierung und der zweigleisige Ausbau zwischen Tübingen und Mössingen mit 127 Millionen Euro zu Buche schlagen. Zwischen Gomaringen und Nehren soll es ein zweites Gleis geben – nicht parallel zur alten Strecke, sondern über das Schulzentrum Höhnisch und durch die Nehrener Ortsmitte, um maximalen Nutzen für den Schülerverkehr zu bringen.

Der dritte Teilabschnitt, die so genannte „Gomaringer Spange“, soll das Steinlachtal wieder mit Reutlingen verbinden: Zwölf Kilometer Schienenstrecke, elf Haltepunkte, Kosten: rund 53 Millionen Euro. Insgesamt rechnen die Karlsruher Verkehrsplaner derzeit mit Investitionen von 562,3 Millionen Euro in den Ausbau der Fahrwege. 70 Prozent der Kosten könnten nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz über Zuschüsse hereinfließen. Den Rest müssten die Landkreise und Kommunen aufbringen – ebenso wie die Planungskosten, rund 15 Prozent der Gesamtsumme.

Die Zeit für den Ausbau der Regionalstadtbahn dränge, sagte der grüne Verkehrsexperte Gerd Hickmann. Denn die Förderung ende im Jahr 2019. Ob Bund und Länder dann noch geneigt seien, den Ausbau des Schienennahverkehrs weiter kräftig zu stützen, sei fraglich.

Von der Idee zur Realisierung – ein weiter Weg

Seit mehr als 15 Jahren setzen sich Grüne im Kreis Tübingen für eine Regionalstadtbahn ein. Der Regionalverband machte sich die Idee zueigen und setzte sie mit dem Regionalplan 1998 auf die Agenda. 2006 wurde von den Kreisen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die ergab, dass das Projekt umsetzbar ist. 2007 folgte der nächste Schritt, die standardisierte Bewertung, die im November schriftlich vorliegen soll.

Regionalbahn und Stuttgart 21: Während FWV, CDU und SPD der Ansicht sind, dass das Projekt Stuttgart 21 eine positive Wirkung auch für den Bau einer Regionalstadtbahn hat, denken Grüne und Teile der Linken, dass wegen steigender Kosten für das Großprojekt nicht mehr genug Mittel für eine Regionalstadtbahn übrig bleiben.

Regionalstadtbahn wäre volkswirtschaftlich sinnvoll
Bis eine Regionalstadtbahn über die Neckarbrücke fährt, ist es noch ein weiter Weg. Volkswirtschaftlich sinnvoll wäre es, das steht nun fest. Montage: ST

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15.10.2010, 12:00 Uhr
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