Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Regionalpräsident Bopp  erwartet mehr Fortschritt im Nahverkehr und beim Wohnungsbau
Thomas Bopps Ziel: Die Internationale Bauausstellung. Foto: Ferdinando Iannone
Die Kooperation besser organisieren

Regionalpräsident Bopp erwartet mehr Fortschritt im Nahverkehr und beim Wohnungsbau

Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) will mit einer Internationalen Bauaustellung die Region voranbringen. Sein Hauptziel: mehr hochwertiger Wohnraum.

08.08.2016
  • RAIMUND WEIBLE

Herr Bopp, Sie sind jetzt im zehnten Jahr Ihrer Amtszeit als Regionalpräsident. Macht Ihnen das Amt weiterhin Spaß?

THOMAS BOPP: Ja, es macht mir sehr viel Spaß. Man kann in der Region viel bewegen. Die Themenstellungen sind zunehmend regionaler geprägt, viel mehr als zu meinem Amtsbeginn. Und die Einsicht vieler, dass manche Probleme nur regional gelöst werden können, ist deutlich gewachsen in der Zeit. Deswegen macht das Arbeiten Spaß.

Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit mit den Landkreisen und den Landräten?

BOPP: Die Zusammenarbeit hat sich deutlich verbessert in den letzten zehn Jahren. Sie wissen, dass wir zusammen mit dem Land, den Landkreisen und der Stadt Stuttgart einen ÖPNV-Pakt hinbekommen haben, mit klaren Zuständigkeiten im öffentlichen Verkehr. Seitdem ist das Verhältnis ein viel entkrampfteres. Sicher gibt es noch unterschiedliche Auffassungen zu manchen Themen.

Wozu beispielsweise?

BOPP: Wir wollen, dass Busverkehre der Landkreise noch besser an unsere S-Bahn angepasst werden. Wir bauen die S-Bahn ständig aus. Wir werden den 15-Minuten-Takt deutlich über die Hauptverkehrszeiten hinaus ausdehnen und setzen darauf, dass die Busverkehre an diesen Takt angepasst werden.

Reichen Ihnen die Kompetenzen des Verbands Region aus? Im Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung steht kein Wort über eine Weiterentwicklung des Verbands. Sind Sie enttäuscht?

BOPP: Wir führen von uns aus keine Kompetenzdiskussion. Aber man merkt ja, dass viele gesellschaftliche Gruppen, im Übrigen auch die Presse, immer wieder einfordern, bei gewissen Themen mehr regionales Denken an den Tag zu legen. Wir müssen die Zusammenarbeit besser organisieren. Und versuchen, für richtige Ideen zu werben. Das ist im Übrigen das, was mir an der regionalen Arbeit besonderen Spaß macht.

Etwa, wenn es um den Wohnungsbau geht?

BOPP: Wohnraum zu schaffen, gerade bezahlbaren, das schafft Stuttgart nicht alleine, auch nicht Ludwigsburg und Esslingen. Wir müssen werben dafür, dass auch die Mittelzentren mitmachen. Dazu müssen die Städte und Gemeinden entsprechende Bebauungspläne aufstellen. Es gibt einen Regionalplan, in dem viel richtiges festgelegt ist. Aber in Plänen kann niemand wohnen. Sie müssen umgesetzt werden.

Wie wollen Sie das angehen?

BOPP: Wir werden mit der Landesregierung darüber sprechen, wie wir die Fördergelder an die Stellen bringen, wo der größte Bedarf besteht, nämlich in den Ballungszentren. Wie können wir dort den geförderten Wohnungsbau stärken? Nur mit verdichteten Wohnformen kann man einigermaßen günstig Wohnungen errichten. Die Kommunen müssen dabei unterstützt werden, um qualitativ hochwertige Quartiere speziell entlang der Entwicklungsachsen zu schaffen, dort wo wir den ÖPNV haben. Es nützt uns nichts, wenn wir weit draußen abseits vom ÖPNV Wohngebiete erstellen, denn hinterher ernten wir das Verkehrschaos.

Was ist zu allererst zu tun, dass sich die Region Stuttgart weiterentwickelt?

BOPP: Wir müssen in der Wirtschaftsförderung weiter aktiv sein. Das macht unsere Wirtschaftsförderung mit Dr. Walter Rogg hervorragend. Wir müssen die Unternehmen weiter dabei unterstützen, den Technologiewandel hinzubekommen. Und wir müssen ausreichend Flächen für die Unternehmen bereitstellen. Da gibt es eine große Nachfrage. Wir müssen auch die demographische Entwicklung im Auge behalten.

Was tut sich da?

BOPP: In den nächsten zehn Jahren werden allein in der Region Stuttgart 150 000 Menschen mehr aus dem Erwerbsleben ausscheiden als nachkommen. 150 000 Menschen müssen entweder von außen angeworben werden oder aber die Arbeitsplätze fallen weg und die Unternehmen verlassen die Region. In erster Linie müssen wir Standortsicherung betreiben. Wir müssen viel tun, dass es uns auch in zehn Jahren noch so gut geht wie heute. Hierfür sind große Anstrengungen auf vielen Feldern notwendig – im Verkehr, im Wohnungsbau, bei den Gewerbeflächen, in der Wirtschaftsförderung.

Hilft Ihnen dabei Ihr Lieblingsthema, eine Internationale Bauausstellung?

BOPP: Ja, es stimmt, wir wollen eine Internationale Bauausstellung 2027 machen – 100 Jahre nach Weißenhof, mit den gleichen Fragestellungen wie vor 100 Jahren, aber mit vollkommen anderen, auch regionalen Antworten. Auch damals ging es nicht nur ums Bauen, sondern um das gesellschaftliche Miteinander. Die IBA ist keine Immobilienmesse, sondern ein Prozess über zehn Jahre, von 2017 bis 2027. In dieser IBA soll herausgearbeitet werden, wie wir in 10, 20, 30 Jahren leben wollen und wie sich die urbane Gesellschaft entwickeln soll.

Was schwebt Ihnen vor?

BOPP: Die IBA würde uns helfen, bestehende Aufgaben beim Wohnungsbau, der Mobilität und dem Wandel in der Produktion nicht nur als Probleme zu sehen, sondern die Chancen zu erkennen und unsere Lösungskompetenzen aufzuzeigen. Wir haben dafür jetzt einen Plattformprozess mit der Wirtschaftsförderung gestartet. Dann werden wir in der Regionalversammlung im Herbst ein gutes Konzept beschließen können. Wir wollen als Architekten- und Ingenieursregion der Welt zeigen, wie wir urbanes Leben und den ökonomischen Wandel gestalten. Wir können hier Vorbildfunktion übernehmen, beim Bauen, aber auch bei der nachhaltigen Mobilität.

Verdichteter Wohnraum ist nicht beliebt...

BOPP: Ja, obwohl es gute Beispiele gibt, wie verdichteter Wohnraum flächenschonend, kostengünstig und trotzdem hochattraktiv sein kann. Wenn wir internationale Koryphäen dazu gewinnen können, zu zeigen, was möglich ist, verspreche ich mir einen Schub in der Akzeptanz.In der IBA sehe ich die Chance, Dinge positiv zu befördern, die bei vielen Leuten noch Ängste auslösen.

Der Streit um S 21, die unsichere Finanzierung des Vorhabens sowie die Feinstaubbelastung im Stuttgarter Kessel – wie wirkt sich das auf das Image der Region Stuttgart aus?

BOPP: Von außerhalb werden wir als wirtschaftlich starker Industriestandort wahrgenommen, aber weniger als qualitativ hochwertiger Lebensraum. Der sind wir aber vor allem. Wir arbeiten daran, dies auch außerhalb der Region deutlich zu machen. Das Projekt Stuttgart 21 hat uns in aller Welt bekanntgemacht, aber zum Teil auch ein Negativ-Image eingebracht. Es gilt jetzt, da das Projekt im Bau ist, diese Bekanntheit zu nutzen und in positive Signal umzudrehen.

Und der Feinstaub?

BOPP: Es gefällt mir nicht, was da für ein Eindruck entsteht. In Norddeutschland denkt man, wir würden hier alle mit Gasmasken herumlaufen. Dabei ist die Feinstaubproblematik nur auf wenige Zonen begrenzt. Tatsächlich haben wir hier in Stuttgart gute Luft und eine hohe Lebensqualität in einer phantastischen Landschaft.

Zum öffentlichen Nahverkehr: Was tut der Verband, um benachbarte Regionen besser an den VVS anzubinden?

BOPP: Wir arbeiten mit dem Land eng zusammen. Das Land hat sich im ÖPNV-Pakt dazu verpflichtet, als zweites Netz neben dem S-Bahn-Netz die Regionalexpresszüge einzuführen, mit einer größeren Ausdehnung in der Fläche. Diese Expresszüge halten innerhalb des Verbandsgebiets nur an den Hauptumsteigpunkten und nicht an den Zwischenhalten. Aber außerhalb des Verbandsgebiets, wo es keine S-Bahn gibt, halten sie an jeder Haltestelle, sammeln die Menschen ein und transportieren sie auf dem schnellsten Weg in die Zentren, vor allem auch nach Stuttgart. Das Einzugsgebiet vergrößert sich dadurch von 2,7 auf fünf Millionen Menschen. Das wird ein Quantensprung für die schienengebundene Erreichbarkeit und eine Entlastung für die Straßen und für unsere S-Bahn. Für neue Fahrgäste haben wir dann in unserer S-Bahn wieder mehr Platz.

Wie stehen Sie zu der Forderung aus ihrer Partei, der CDU, nach dem Bau eines Nordostrings?

BOPP: Ich bevorzuge den Begriff Nordost-Tangente. Der Rems-Murr-Kreis benötigt eine bessere Straßenverbindung mit dem Kreis Ludwigsburg. Bisher gibt es nur eine Verbindung, die in Remseck über eine schmale Brücke führt. Da ist eine leistungsfähige Verbindung notwendig. Deshalb ist die Mehrheit der Regionalversammlung der Meinung, diese Verbindung müsse kommen.

Fellbach wehrt sich dagegen.

BOPP: Ja, aber ich hoffe, dass wir eine Lösung finden, die auch Fellbach akzeptieren kann. Denn damit ist eine Entlastung für den ganzen Nord-Stuttgarter Raum verbunden.

Auch durch einen Filder-Aufstieg?

BOPP: Ja, dasselbe gilt für eine Filder-Auffahrt, der das Neckartor deutlich entlasten könnte, wo wir das große Feinstaub-Problem haben. Die derzeitige Situation ist entstanden, weil wir es in den 60-er-Jahren nicht geschafft haben, einen Autobahnring um Stuttgart zu legen. Wenn wir jetzt auf den Autobahnen einen Unfall haben, leiten die Navis den überregionalen Verkehr durch die Stadt. Daher müssen wir Angebote im ÖPNV-Bereich schaffen, aber es müssen auch Lösungen für den Straßenbau gefunden werden.

Wie gut ist die Geschäftsstelle des Verbands aufgestellt? Gibt es personellen Nachholbedarf?

BOPP: Wir haben eine schlagkräftige, hochmotivierte Geschäftsstelle, die hervorragende Arbeit leistet. Mit zunehmenden Aufgaben werden wir auch mehr Personal benötigen. Im Planungs- und Verkehrsbereich könnte ich mir vorstellen, dass die eine oder andere zusätzliche Stelle nötig wird, weil gerade hier unser Knowhow bei den Partnern besonders gefragt ist.

In Presseberichten wurde behauptet, ihr Verhältnis zur Regionaldirektorin Nicola Schelling sei belastet. Wie sehen Sie diese Beziehung?

BOPP: Das kommentiere ich nicht. Über einzelne Mitarbeiter spreche ich grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit.

Sie sind jetzt 63, das Rentenalter rückt näher. Wie lange wollen Sie Ihr Amt noch ausüben?

BOPP: Zunächst bin ich bis 2019 gewählt. Im freien Beruf arbeitet man in der Regel länger, wie Sie wissen. Aber wie lange ich gesund bleibe, das weiß nur der liebe Gott.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

08.08.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Kommentar zur US-Missbrauchsstudie Blick in Abgründe
Leitartikel zum Verhältnis Europas zur Türkei Am längeren Hebel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular