Stuttgart

Regierung gegen flächendeckende Corona-Tests: Neue Strategie

Corona-Tests für jedermann wird es in Baden-Württemberg bis auf weiteres nicht geben. Aber dennoch soll sich im Südwesten bei den Tests etwas ändern. Sozialminister Manne Lucha will seine Pläne im Kabinett vorstellen.

30.06.2020

Von dpa/lsw

Blutentnahmeröhrchen für einen Corona-Antikörper-Test. Foto: Marijan Murat/dpa

Stuttgart. Baden-Württemberg will Corona-Tests für jedermann wie in Bayern weiterhin weder anbieten noch finanzieren. „Die überwältigende Mehrheit aller namhaften Epidemiologen und Gesundheitsexperten hält nichts von einer flächendeckenden Testung ins Blaue hinein“, sagte eine Sprecherin von Sozialminister Manne Lucha (Grüne). Die Experten plädierten für eine gezielte und kluge Testung bestimmter Personengruppen und im Umfeld von lokalen oder regionalen Ausbrüchen. Hierüber habe auch zwischen dem Bundesgesundheitsminister und allen Gesundheitsministern der Länder „bislang einvernehmlicher Konsens“ bestanden, sagte die Sprecherin.

Sozialminister Lucha will am Dienstag (12.00 Uhr) eine erweiterte Teststrategie für Baden-Württemberg vorstellen. Zuvor wird sie im Kabinett beraten.

Bayerns Strategie in der Corona-Krise mit Tests für jedermann ist derzeit ein Streitfall. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kritisiert Massentests ohne systematisches Vorgehen als nicht zielführend und unnötige Belastung. Luchas Sprecherin bezeichnete eine flächendeckende Testung als mögliche Mogelpackung. Sie sei immer nur eine winzige Momentaufnahme und habe deshalb keinen nachhaltigen Nutzen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) weist die Kritik zurück. „Das ist die einzige ernsthafte Option, es wird sonst zu wenig getestet“, entgegnete der CSU-Chef in München.

Bayern hatte seinen Schritt am Sonntag angekündigt. Zum Konzept gehöre, dass es für jeden mit Krankheitssymptomen eine Garantie auf ein Testergebnis innerhalb von 24 Stunden gebe, erklärte Söder. Auch jeder, der einfach unsicher sei, könne sich testen lassen. Dafür übernimmt das Land jene Kosten, die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden. Zunächst hat sich aber kein weiteres Land angeschlossen.

Generell sind inzwischen in Deutschland Corona-Tests in vielen Fällen auch ohne akute Krankheitsanzeichen möglich - etwa in sensiblen Bereichen wie Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas. Spahn hatte vor knapp drei Wochen dafür eine Verordnung verkündet, die eine Reihe zusätzlicher Testmöglichkeiten auf Kassenkosten festlegt. Bis dahin gab es Tests auf Kassenkosten in der Regel nur, wenn jemand Infektionssymptome zeigte wie Fieber, Husten, Halsschmerzen.

Zum Artikel

Erstellt:
30. Juni 2020, 06:50 Uhr
Aktualisiert:
30. Juni 2020, 06:50 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Juni 2020, 06:50 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+